Festschrift zum 90. Geburtstag von Klaus Schwabe: Wichtiger Impulsgeber für die historische Forschung

Festschrift zum 90. Geburtstag von Klaus Schwabe : Wichtiger Impulsgeber für die historische Forschung

Fast zwei Jahrzehnte lang hat er als Inhaber des RWTH-Lehrstuhls für Neuere Geschichte wichtige Impulse in Lehre und Forschung gesetzt: Pünktlich zu seinem 90. Geburtstag hält der emeritierte Aachener Historiker Klaus Schwabe nun eine Festschrift mit Beiträgen renommierter Kollegen in Händen.

Mit hellem Blick und scharfem Verstand analysiert er heute noch täglich die politische Weltlage – aufmerksam, abwägend, nachdenklich, ganz besonders im Hinblick auf das aktuelle Kriegsgeschehen in der Ukraine. Professor Klaus Schwabe hat vor ein paar Tagen seinen 90. Geburtstag gefeiert. Von 1980 bis zu seiner Emeritierung 1997 war der geborene Berliner Inhaber des Lehrstuhls für Neuere Geschichte an der RWTH Aachen – nur eine von zahlreichen Hochschulen auf der ganzen Welt, die an seinem Wissen und seinen Forschungen zum Thema „Amerika, Deutschland und Europa“ teilhaben wollten.

In einer zweibändigen Festschrift mit dem Titel „Amerika, Deutschland und Europa von 1917 bis heute“ hat Herausgeber Christian Bremen, ein einstiger Schwabe-Student, begleitet von Christoph Swiontek, Verlagsleiter und Lektor im Verlagshaus Mainz, nun mit Schwabe verbundene Autorinnen und Autoren aus vier Generationen unter dem historischen und bis heute lebendigen „Dreiklang Amerika, Deutschland, Europa“ vereinigt, ein Titel der „edition_aixact_zeitgeschehen“ der Verlagsgruppe Mainz.

„Nach meiner Erfahrung die erste Festschrift, die pünktlich erscheint“, lächelt Schwabe. „Ich kann allen nur sehr danken.“ Die Überraschung gelang perfekt: Als Bremen ihm die frisch gedruckten Bände überreichte, war Schwabe gerade damit beschäftig, Stiefmütterchen in seinen Garten zu pflanzen. „Die Hände waren voller Erde“, lacht er. „Ich konnte die Bücher zuerst gar nicht anfassen.“

Über 60 Jahre Forschung, über 30 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Frankreich, England und den USA, 32 Beiträge – die Festschrift bietet nicht nur einen Extrakt aus Schwabes Lebenswerk, sie beweist, dass die historische Forschung weitergeht. Geschichte wie im Zeitraffer: Erster Weltkrieg, Präsident Woodrow Wilsons gescheiterter Versuch, den nationenübergreifenden Völkerbund wirkungsvoll zu machen, Zweiter Weltkrieg, Sieg der Alliierten, Marshallplan, Kalter Krieg, die amerikanisch-deutsche Annäherung, Montanunion, EU, Berliner Mauer, Wiedervereinigung. Eine atemberaubende Zeitreise.

Krieg und Flucht selbst erlebt

Man erfährt zudem, dass der Historikerin Schwabe früh erwacht ist. „1945, ich war gerade 13 Jahre alt, mussten wir von Berlin nach Neuruppin flüchten, die russische Front rückte näher, wir hörten die Bomben“, erinnert er sich. „Wir haben uns gewünscht: Wenn schon alles schiefgeht, dann sollen die Amerikaner kommen, aber es kamen die Russen. Verdammt unangenehm.“ Die Rückkehr zwei Jahre später nach Berlin führte die Familie in den amerikanischen Sektor. „Und alle Schulkameraden haben mich beneidet“, erinnert sich Schwabe, in dessen Abiturzeugnis der Vermerk „Wird Historiker“ stehen sollte. Amerika, Deutschland, das Nachdenken über die Zukunft und die geistigen Werte – im Elternhaus sprach man darüber. Und Schwabe dachte weiter, beobachtete, lehrte.

So sind die Beiträge in der umfangreichen Festschrift (Gewicht: 1555 Gramm) sehr gemischt, meist in deutscher Sprache, dann wieder auf Englisch. Im Vorwort skizziert der Herausgeber das bewegte Leben des Berliners Schwabe. Der Aachener Journalist und ehemalige Politikchef unserer Zeitung, Peter Pappert, auch er ein Schwabe-Student, zeichnet im Beitrag „Tua res agitur: Gespräche in 40 Jahren mit Klaus Schabe“ mit viel Insiderwissen, guter Beobachtungsgabe und warmer Sympathie ein bewegendes Porträt des Menschen und Lehrers Schwabe, des Amerikanisten, Experten für transatlantische Beziehungen und europäische Integration. In den Texten geht es um all die Themen, die Schwabe bewegen: europäische Einigung, Brexit, das Schicksal der USA, die Friedensregelung nach dem Ersten Weltkrieg, den Versailler Frieden und mehr.

Die meisten Entwicklungen seit 1945 hat der Historiker, der bereits 1952/53 als Austauschstudent nach Ohio gehen konnte, persönlich miterlebt, ob John F. Kennedy, Anti-Reagan-Demos, Barack Obama oder den „Tiefpunkt in den Trump-Jahren“, wie Pappert schreibt. Donald Trump? „Er ist die Verneinung all dessen, was ich in Amerika kennengelernt habe“, sagt Schwabe knapp. Auch hierzu gibt es einen Beitrag in der Festschrift. Im Rahmenprogramm zum Internationalen Karlspreis zu Aachen hat Schwabe zudem vielfach für Hintergründe gesorgt, etwa zu US-Präsident Bill Clinton, der 2000 den Karlspreis erhielt.

Wenn sich am 27. Mai internationale Gäste im Historischen Institut der RWTH Aachen zu einem Kolloquium für Klaus Schwabe treffen, wird es keinen Mangel an Gesprächsthemen geben.

Weitere Informationen zur Festschrift gibt es unter www.edition-aixact.de