Erkelenz-Gerderath: Wenn die Wohnung zum Schlachtfeld wird

Erkelenz-Gerderath: Wenn die Wohnung zum Schlachtfeld wird

Sie sind der Schrecken von Hauseigentümern und Vermietern: Mietnomaden. Ein Phänomen, das man vor allem aus dem Fernsehen kennt. Dabei gibt es sie auch gleich nebenan, und jeder kann auf sie hereinfallen.

Der Düsseldorfer Innenarchitektin Simone Buchner-Pollmann ist das in der Stadt Erkelenz gleich mehrmals passiert. Sie erinnert sich noch gut: Vor elf Jahren kaufte sie ein Haus an der Genender Straße in Gerderath. Seitdem hat sie schon fünf Mietparteien in der rund 200 Quadratmeter großen Mietwohnung gehabt, die sie allesamt nur noch mit langwierigen, ärgerlichen Räumungsklagen losgeworden ist.

Die derzeitigen Bewohner haben bisher nur einmal Miete gezahlt. Seitdem, sagt Buchner-Pollmann, kommen immer neue Argumente. „Einmal hieß es sogar, die Miete würde immer erst nachträglich entrichtet”, erklärt sie. Doch dies sei auch schon wieder einige Monate her. Dabei, so die ursprüngliche Vorstellung der Hauseigentümerin, sollte sich das Objekt doch selbst tragen und sich durch die Mieteinnahmen finanzieren.

Dreist sind die Mieter zumeist auch noch. So habe eine der säumigen Mietparteien nicht davor zurückgeschreckt, auf Buchner-Pollmanns Kosten Heizöl zu bestellen. Andere wiederum bestellten ohne jede Ankündigung Handwerker, die angebliche Schäden reparieren sollten.

Nun steuert sie aus der eigenen Tasche jeden Monat rund 2000 Euro dazu und kann nur hoffen, dass die derzeitigen Mieter die Wohnung wenigstens nicht als Schlachtfeld hinterlassen. Nach dem Auszug der letzten Mieter musste die Wohnung für rund 14000 Euro renoviert werden. „Selbst wenn ich in Zukunft solvente Mieter finden würde, bleibt das Haus ein Verlustgeschäft”, erklärt die Düsseldorferin.

Den Kontakt zur Vermieterin stellten die Mieter meist kurz nach dem Einzug ein. Die „Nomaden” aus dem Haus zu bekommen, ist langwierig. Es folgen Räumungsklagen, die Zeit und Geld kosten. Auf Erstattung der ausstehenden Miete kann Buchner-Pollmann nicht hoffen, denn zumeist leisten die Mieter einen Offenbarungseid oder haben dies schon vorher getan.

Dass die Mietnomaden überhaupt ins Haus kommen konnten, ist nach Ansicht der Vermieterin auch Schuld der mit der Vermietung beauftragten Makler. „Es heißt immer, dass die Bewerber geprüft worden seien”, erklärt sie. „Dann heißt es, von einem Offenbarungseid oder dass sie wegen ähnlicher Vergehen schon aktenkundig sind, sei nichts bekannt gewesen.”

Schufa-Prüfung und Hausbesuche

In Erkelenz ansässige Immobilienmakler erklärten auf Nachfrage, dass sie bei Mietvermittlungen über die Interessenten Auskünfte bei der Kreditreform oder der Schufa einholen. Auch würden Hausbesuche bei den Interessenten gemacht.

„Dies gibt auch schon einige Einblicke”, betonte eine Maklerin. Wer sich dagegen ausspreche und Besuch ablehne, werde von der Liste gestrichen. „Es kann ja sein, dass der dann etwas zu verbergen hat”, erklärte sie. Trotzdem sind die Mieter in Bucher-Pollmanns Haus anscheinend durch das Netz geschlüpft.

Am liebsten würde Simone Buchner-Pollmann die Brocken hinwerfen und das Haus einfach wieder verkaufen. Doch das würde ihr einen noch größeren finanziellen Schaden einbringen. So kann sie nur noch hoffen, dass sie beim nächsten Mal an seriöse Mieter gerät, wenn die derzeitigen erst einmal aus dem Haus sind.

Dies wird, wenn der Räumungsklage erst einmal stattgegeben worden ist, wahrscheinlich wieder bei Nacht und Nebel passieren. Zurückbleiben wird eine Menge Gerümpel und ein schaler Nachgeschmack.

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