Kreis Heinsberg: Weltgästeführertag: Spannende Reisen in die Vergangenheit

Kreis Heinsberg: Weltgästeführertag: Spannende Reisen in die Vergangenheit

„GRÜNderzeit“ lautet in diesem Jahr das Motto des Weltgästeführertags am Sonntag, 21. Februar. „So können die Besucher durch das Grün der Zeit zu den Villen der Gründerzeit spazieren, zu Gründungen von bekannten Firmen Neues erfahren, die Gartengestaltungen der Zukunft erahnen oder ungeahnte Entdeckungen machen auf den Spuren des Kinderspiels ‚Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist: grün!‛, schreibt der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland dazu.

Bereits zum zehnten Mal wird sich auch der Verein Westblicke, der Zusammenschluss der Gästeführerinnen im Kreis Heinsberg, mit einer kostenlosen Führung an diesem Tag beteiligen.

Oscar von Forckenbeck spielt beim Weltgästeführertag in Wassenberg eine große Rolle. Foto: Internationales Zeitungsmuseum Aachen

Zum dritten Mal findet die Führung in Wassenberg statt, „und zum dritten Mal darf ich sie präsentieren“, freute sich Gästeführerin Therese Wasch, als sie das Programm gemeinsam mit Norbert Schiefke und Gabi Jansen vom Fachbereich Stadtmarketing, Tourismus und Kultur der Stadtverwaltung sowie mit Sepp Becker, dem Vorsitzenden des Wassenberger Heimatvereins, vorstellte.

Das Judenbruch erkunden

Die Veranstaltung anlässlich des Weltgästeführertages ist in zwei Teile aufgeteilt und führt die Besucher in zwei kleinen Zeitreisen „vom Urwald zum Landschaftspark und vom Webstuhl zur Fabrik“. Zunächst wird Therese Wasch die Teilnehmer um 14 Uhr auf dem Pontorsonplatz begrüßen und mit ihnen für etwa eine Stunde ins Judenbruch gehen. Dabei geht´s zunächst um das „Grün“ in dem Wortspiel-Motto „GRÜNderzeit“. Der Name Oscar von Forckenbeck (1822 bis 1898) spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle.

Der 1822 in Minden geborene Jurist heiratete 1860 Maria Packenius (1838—1921), Tochter des reichen Gutsbesitzers und Bürgermeisters von Wassenberg Alexander Packenius, woraufhin Forckenbeck sich nach der von ihm nicht sehr geschätzten Amtszeit als Bürgermeister in Rheine auf dem Gut der Schwiegereltern, dem Gut Packenius und dem heutigen Haus Forckenbeck, in Wassenberg niederließ.

Hier arbeitete er als Privatgelehrter und in der Funktion eines mit der Natur verbundenen Gutsverwalters. So ließ er hier unter anderem zwischen 1870 und 1890 eine seit dem 14. Jahrhundert als Judenbruch bekannte Sumpf- und Moorlandschaft von seinem Förster zu einer großzügigen Parklandschaft kultivieren, zu der auch viele Neuanpflanzungen von seltenen und exotischen Gehölzen, die er von seinen Weltreisen mitbrachte, gehörten.

Große Fotodrucke

Wieder zurück auf dem Pontorsonplatz, wird Sepp Becker die Gäste empfangen und sie in den Bergfried führen, in eine Ausstellung über die Textilindustrie, die sich in Wassenberg in der Gründerzeit entwickelte und ihre Blüte in der Seidenweber-Fabrik von Krahnen und Gobbers hatte, die von 1893 bis 1927 in Wassenberg bestand.

Die Ausstellung erstreckt sich in Form großformatiger Fotodrucke über drei Etagen im Bergfried. Der Besucher kann hier die Geschichte der Seidenweberei in Wassenberg nachvollziehen, von ihrer Gründung über ihre technischen Einrichtungen bis hin zum Zerfall durch die Bergschäden.

Bei der Vorstellung des Programms zum diesjährigen Gästeführertag dankte Therese Wasch der zuständigen Mitarbeitern der Stadtverwaltung ausdrücklich für die stets gute Zusammenarbeit. Und die Zusammenarbeit mit der Gastronomie stärke das Ganze noch weiter.

„Es ist schön, dass sich das hier alles so gefügt hat“, bemerkte sie. Nicht zuletzt gebe es eine sehr gute Kooperation mit dem Heimatverein, die es ermögliche, auch große Gruppen zu Führungen in Wassenberg zu empfangen, die dann gemeinsam mit dem Heimatverein durchgeführt werden könnten.

Kein Problem bei Regen

Falls es am Weltgästeführertag regnen sollte, findet die Führung dennoch statt. Anstelle der Wanderung durch das Judenbruch wird es dann einen Vortrag von Therese Wasch in der Begegnungsstätte geben und anschließend den Besuch der Ausstellung im Bergfried mit Sepp Becker.

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