Erkelenz: Weitaus mehr als „Erziehungsberatung”

Erkelenz: Weitaus mehr als „Erziehungsberatung”

1971 nahm die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Caritas in Erkelenz ihre Arbeit auf. Die Beratungsstelle unterstützt Kinder, Jugendliche und Eltern bei der Klärung und Bewältigung von Krisensituationen. Die Beratung geschieht freiwillig, unterliegt der Schweigepflicht und ist grundsätzlich kostenfrei.

Das 40-jährige Bestehen wurde nun in den Räumen der Beratungsstelle im Mühlenfeld gefeiert. Bei einem Empfang war es Zeit für einen Rückblick und einen Ausblick auf die Arbeit der Berater.

Der Geschäftsführer der Caritas-Region Heinsberg, Gottfried Küppers, erklärte, die Einrichtung habe trotz der 40 Jahre ihres Bestehens „weder an Aktualität noch an Präsenz verloren” habe. Ihre Arbeit führe dazu, dass „andere kostspielige Hilfen vermieden werden können”, betonte er. Zwei der wichtigsten Aufgaben seien die Vermittlung von Werten sowie Vorbereitung auf eine selbstständige und positive Zukunft. Küppers hob vor allem die gute Zusammenarbeit mit den Jugendämtern hervor.

Der Leiter der Erkelenzer Beratungsstelle, der Diplompsychologe Ferdinand Wimmer, betonte, dass die Unterstützung durch die Kommunen und das Land der Arbeit in Erkelenz erst einen festen Rahmen geben würden. Dabei, so führte er aus, hätten sich die Rahmenbedingungen sehr geändert. In den letzten 40 Jahren sei die Bevölkerung des Kreises Heinsberg um ein Viertel gewachsen.

Erziehung sei heute schwieriger, was die Eltern zunehmend verunsichere. „Sie erfahren am eigenen Leib, dass ihre Werte an Gültigkeit verloren haben”, erklärte er.

Eltern seien heute älter als früher, jedes dritte Kind sei ein Einzelkind, viele Kinder würden mit nur einem Elternteil aufwachsen, die materielle Abhängigkeit vom Elternhaus dauere heute länger. Darüber hinaus erlebten Kinder heute öfter Trennungen. Auch sexueller Missbrauch sei heute ein häufiges Thema bei den Beratungsgesprächen.

Die Beratung vollziehe heute die Balance zwischen steigenden Fallzahlen und vorbeugender Präventionsarbeit. Daher sei der Name „Erziehungsberatung” heute nicht mehr passend für das vielseitige Angebot der Beratungsstelle. „Richtige Antworten” geben es heute nicht mehr.

Vielmehr müssten individuelle Lösungen erarbeitet werden, die auf den jeweiligen Fall zugeschnitten sind. Wichtig sei, dass auch weiterhin ohne offizielle Zuweisung gearbeitet werde und der Zugang weiterhin für die Ratsuchenden schwellenlos und kostenfrei sei.

Kreisjugendamtsleiter Hans-Jürgen Oehlschläger betonte, dass man mit 40 Jahren „in der Lebensmitte stehe und schon viel erlebt” habe. Trotzdem gelte es, das eigene Beratungsprofil ständig zu verbessern. Die Finanzmittel, die in die Beratungsstelle fließen, seien gut angelegt.

Ein besonderer Dank kam vom Leiter des katholischen Beratungszentrums Mönchengladbach für Ehe-, Familien-, Lebens- und Glaubensfragen, Rudi Bruch-Reinhaus. Denn seit der Schaffung der zentralen Beratungsstelle in Mönchengladbach nutze man zwei Räume in Erkelenz, in denen Beratungen durchgeführt werden.

Für die musikalische Unterhaltung sorgte Annegret Koltze. Die Sechstklässlerin vom Cusanus-Gymnasium begeisterte die Gäste mit ihrem Harfenspiel.

775 Personen werden 2010 betreut

Die Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, Im Mühlenfeld 28, ist unter? 02431 / 96 840 erreichbar. 2010 wurden insgesamt 775 Kinder, Jugendliche und Familien von den acht hauptamtlichen Beratern betreut.

Mehr von Aachener Zeitung