Selfkant-Süsterseel: Was tun, wenn der Super-GAU eintritt?

Selfkant-Süsterseel: Was tun, wenn der Super-GAU eintritt?

Es ist ein Thema, das die Gemüter nach wie vor erhitzt: die Atomkraftwerke im benachbarten Belgien. Was ist zu tun, wenn der Super-GAU wirklich einmal eintreten und es zu lebensbedrohlichen Zwischenfällen in den Atomkraftwerken Tihange und Doel in Belgien kommen sollte? In Panik verfallen, wäre zumindest keine Lösung.

Mit Fragen und Antworten wie diesen beschäftigten sich nun die Anwesenden auf der Bürgerversammlung des CDU-Ortsverbands Süsterseel. Der Grund für die Veranstaltung, zu der auch Bürgermeister Herbert Corsten gekommen war, lag auf der Hand. Schließlich gab es bereits zahlreiche bedrohliche Zwischenfälle in den beiden Atomkraftwerken, die gar nicht weit von der deutschen Grenze entfernt sind.

Besorgte Süsterseeler Bürger beim Vortrag über das Atomkraftwerk Tihange in Belgien. Foto: agsb

Als Referentin konnten die Veranstalter Julia Brinner von der Greenpeace-Gruppe Aachen begrüßen. Sie erklärte den etlichen Besuchern, die in das St.-Hubertus-Schützenheim gekommen waren, zunächst, wie ein Atomkraftwerk eigentlich aufgebaut ist und ging dann immer weiter ins Detail.

„1975 ging Tihange eins ans Netz, eine Laufzeit von 30 Jahren wurde zunächst angedacht. Tihange zwei ging 1983, Tihange drei 1985 in Betrieb — alle auch mit einer geplanten Laufzeit von 30 Jahren. Normalerweise hätten alle drei Blöcke bereits abgeschaltet werden müssen“, so Julia Brinner und fügte hinzu: „Aber Belgien ist abhängig von der Atomkraft und hat es versäumt, nach anderen Energiegewinnungsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Jetzt hat man Tihange eins auf eine Laufzeit von 50 Jahre erhöht, die beiden übrigen auf 40 Jahre.“

Die Expertin klärte die Gäste über die Zwischenfälle auf, die teilweise auch mit Notabschaltungen und Wiederhochfahren einhergingen. Die Sorge um einen Super-GAU wie in Japan bringt die Niederlande mit Südlimburg und das deutsche Grenzgebiet in Sorge.

Das wurde auch in der anschließenden lebhaften Diskussion deutlich. In dieser beschäftigten sich die Anwesenden mit Fragen wie: Wie verhalte ich mich, wenn es zum Super-GAU kommen sollte? Und wie lange dauert der eigentlich? Julia Brinner machte klar: „Wir wollen keine Panik verbreiten.“ Sie verwies jedoch auch auf Folgendes: „Wir Deutschen sind nach dem Super-GAU in Japan aus der Kernenergie ausgestiegen. Deutschland beliefert Belgien jedoch weiter mit Uran und Brennstäben.“

Dabei schüttelte nicht nur die Expertin mit dem Kopf, die der Überzeugung ist: „Auch beim Super-GAU heißt es die Ruhe zu bewahren und den Information der Medien zu folgen“, versuchte Julia Brinner die Angst zu nehmen.

Im Anschluss an die Diskussion blickte Bürgermeister Herbert Corsten auf die Arbeit in der Gemeinde und informierte die Bürger über Neuigkeiten. Der erste Bürger sprach über die Bürgerhäuser Wehr, Tüddern und Schalbruch und sah auch für Süsterseel Handlungsbedarf.

Derzeit prüfe man weitere Fördermöglichkeiten, teilte er mit und verriet: „Wir liegen hier trotz einer Absage gut im Rennen.“ Außerdem berichtete er noch von möglichen Leaderförderungen. Man sei derzeit zwar nicht mehr im sogenannten Leadertopf, einem Förderprogramm der EU, jedoch hoffe man, dass man in einem Nachschlüsselungsverfahren berücksichtigt werde.

Ein weiteres Thema war das geplante Süsterseeler Neubaugebiet. Schließlich soll dort bald eine Erschließung erfolgen, und auch mit den Straßen- und Kanalarbeiten soll schnellstens begonnen werden. Außerdem soll bald ein Schreiben an die Interessenten versandt werden, damit sie ihr Interesse an einem Grundstück bekräftigen. Ein Informationsabend mit der Entwicklungsgesellschaft (ESG) soll folgen.

Der Bürgermeister sagte außerdem, dass die Abrechnungen der Kanalarbeiten an der Suestra-strasse noch nicht vorliegen und wies darauf hin, dass alle Betroffenen die Rechnung gut überprüfen und sich bei Nachfragen bei der Gemeinde melden sollten.

In Sachen Flüchtlinge und Asylbewerber sagte Corsten, dass derzeit rund 220 Personen im Selfkant verteilt sind und es erfreulicherweise keinerlei Probleme gebe. Der Bürgermeister sah bisher viele Asylsuchende, die sich sehr engagieren und auch in den verschiedenen Vereinen mitwirken. Corsten bedankte sich bei den vielen freiwilligen Helfern für ihren großen Einsatz.

Zum Abschluss ging er noch auf den sehr schlechten beziehungsweise auf den totalen Ausfall der Informationen aus Sittard nach einem Brand bei DSM (November 2015) ein. Momentan seien die beiden Gemeinden damit beschäftigt, einen Schutzplan auszuarbeiten, wie Bürgermeister Corsten mitteilte.

(agsb)