Waldenrath: Waldenrather Orgel Meisterwerk der Handwerkskunst

Waldenrath: Waldenrather Orgel Meisterwerk der Handwerkskunst

Es gibt irdische Wünsche, die gehen erst nach dem Tode in Erfüllung.

Für den 1997 verstorbenen Organisten Willy Cuypers war eine neue Orgel der Herzenswunsch und auch der Beweggrund, 1980 nach Waldenrath zu kommen.

Tatkräftig unterstützt wurde er von dem 1995 verstorbenen Pfarrer Karl Frings, der 1983 mit einer grundlegenden Renovierung der Waldenrather Kirche begann, an deren Ende die neue Orgel stehen sollte.

Zunächst bestand die Absicht, die 1956 erbaute Orgel der Aachener Firma Bach, die auf 20 Register angelegt war, um die fehlenden 10 Register zu erweitern.

Dieser Plan war aber bereits damals fragwürdig angesichts der mit vielen Qualitätsmängeln behafteten elektro-pneumatischen Kegelladenorgel. Diese Problematik verstärkte sich immer mehr, und so fiel praktisch vor 20 Jahren schon die Entscheidung über die Neuanschaffung.

Pfarrer i.R. Matthias Claes übergab 1982 dem Kirchenvorstand ein Sparbuch mit einem symbolischen Betrag und legte damit den Grundstock für das große Vorhaben, das die 1500 Seelen zählende Pfarrgemeinde St. Nikolaus durch regelmäßige Monatskollekten und Sonderzuwendungen in gut einem Dutzend Jahren so weit finanziell vorbereitete, dass Ende 2000 der Auftrag erteilt werden konnte.

Der Kirchenvorstand entschied sich für die Mönchengladbacher Orgelbauwerkstatt Martin Scholz bei einem Preis von etwa 245000 Euro, die die Pfarrgemeinde selbst aufbringen muss.

Der Kirchenchor Cäcilia spendete 2001 aus seinen bescheidenen Mitteln 8000 Mark, um das Projekt voranzutreiben. 160 unbezahlte Arbeitsstunden wurden beim Abbruch der alten Orgel geleistet.

Da auch der Rendant Heinz Cleef nur noch ein Ziel kannte, endlich zur Ausführung zu schreiten, gewann er Privatpersonen, Firmen und Geldinstitute für Spenden - und wenn nun die Orgel übergeben wird, ist sie auch bezahlt.

In Zusammenarbeit mit dem Orgelsachverständigen des Bistums, Ulrich Peters, mit der Firma Scholz und dem Kirchenvorstand entschied man sich für eine mechanische, barocke Orgel von acht Metern Höhe, die von der Orgelbühne schlank und beherrschend gegen die Decke strebt.

Für den Prospekt ist der Viersener Architekt Gregor Dewey verantwortlich. Der Corpus besteht aus mehreren Kubikmetern lange abgelagertem Eichenholz und rückseits aus astfreiem Tannenholz. Schließlich muss die Erbauerfirma zehn Jahre Gewähr leisten, dass sich keine Risse oder Verziehungen bilden.

In einem längeren Gespräch informierte der Erbauer Martin Scholz über die „Orgelbauphilosophie”, zu der viel Liebe und Hingabe gehöre. Von früh morgens bis spät abends ist er mit seinem Aachener Lehrling zurzeit noch mit Stimmen beschäftigt, und er wird wahrscheinlich erst die Orgelbühne verlassen, wenn der Organist zur Einsegnung kommt.

Scholz: „Nicht alle Organisten verstehen ihr Instrument, und durch sie gibt es zwangsläufig ganz unterschiedliche Orgelkonzerte.” Kein Instrument ist für Scholz reproduzierbar, sondern muss auf den jeweilen Raum zugeschnitten werden. Dann erst vermag die Orgel ihre ganze majestätische Klang-Faszination auszuüben, immer vorausgesetzt, es sitze kein Herrscher, sondern ein Diener am Spieltisch.

Die neue Waldenrather „Kirchenkönigin” kann Generationen überdauern. Dafür ist keine aufwändige Unterhaltung erforderlich. Das Holz ist pflegeleicht, auch die Mechanik. Begeistert haben die Waldenrather das Werden der Orgel verfolgt.

Auch Organisten informierten sich vor Ort. Martin Scholz nimmt sich für alle Zeit und präsentiert nicht ohne Stolz sein jüngstes Werk.

Das Einsegnungsprogramm: Samstag, 21. Juni, 18 Uhr, Weihe der Orgel in Verbindung mit der Vorabendmesse unter Mitwirkung des Kirchenchores durch Pater Theo Kropman. Sonntag, 22. Juni, 18 Uhr, erstes Orgelkonzert mit Ulrich Peters.

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