Leserbriefe zum Thema Energiepolitik: Wärme, CO2 und die richtige Konzentration

Leserbriefe zum Thema Energiepolitik : Wärme, CO2 und die richtige Konzentration

Energiepolitik sorgt seit jeher für reichlich Diskussionen – auch unter unseren Lesern. Das sagen sie zum Thema.

Katharina Ständer aus Roetgen beschäftigt sich mit der Meldung „Windkraft: Schnelle Regelung für Abstände gefordert“:

Reiner Priggen, Vorsitzender des Landesverbandes Erneuerbare Energien und früherer Spitzenpolitiker der Grünen im Landtag NRW, verlangt, dass Naturschutzverbände ihr „Klagemodell“ gegen Windenergieanlagen überdenken sollten. Es ist bedauerlich, dass gerade ein Grüner den Einsatz der Verbände für den Natur- und Landschaftsschutz als „Klagemodell“ abqualifiziert, statt deren Einsatz für die Natur zu würdigen.

Die Forderungen des grünen Vertreters der Windkraftinteressen gipfeln schließlich in dem Vorschlag, Klagen gegen Windenergieanlagen nur in einer Instanz zu entscheiden. Berufungen gegen ein erstinstanzliches Urteil werden bereits jetzt in der Regel nicht zugelassen. Naturschutzverbände müssen einen aufwendigen Antrag auf Zulassung der Berufung stellen, den die zweite Instanz in der Regel nur zulässt, wenn ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit des Urteils bestehen.

Reiner Priggen beklagt weiter den geringen Bau von neuen Windenergieanlagen im Jahr 2019. Er sagt nicht, dass dies eng mit einer Bevorzugung der Bürgerenergiegesellschaften bei den im Jahr 2017 neu eingeführten Ausschreibungen für Windenergieanlagen zusammenhängt. Den Bürgerenergiegesellschaften wurden verschiedene Vorteile gewährt. Nur sie konnten sich ohne Baugenehmigung an den Ausschreibungen beteiligen, und nur sie hatten zum Bau ihrer Windparks viereinhalb Jahre Zeit.

Weil ihnen zusätzlich im Ausschreibungsverfahren der höchst bezuschlagte Wert der jeweiligen Ausschreibungsrunde gewährt wurde, sprossen die Bürger­energiegesellschaften nur so aus dem Boden und erhielten mehr als 90 Prozent der Zuschläge der ersten Ausschreibungsrunden. Damit war vorauszusehen, dass in den Jahren 2019 und 2020 aufgrund der fehlenden Baugenehmigungen der Bau von Windparks ins Stocken geraten würde. Das Problem ist also für 2019 und 2020 hausgemacht.

Siegfried Klinkhammer aus Aachen befasst sich mit demselben Beitrag:

Die Fachagentur Windenergie (FA Wind) an Land berichtet vierteljährlich zur „Ausbausituation der Windenergie an Land“. Im 1. Halbjahr 2020 wurden in Nordrhein-Westfalen 28 Anlagen (Vorjahr acht Anlagen) mit einer Nennleistung von 73,0 Megawatt (Vorjahr 24,5 Megawatt) in Betrieb genommen. Die registrierten Anlagenstilllegungen im 1. Halbjahr 2020 in Nordrhein-Westfalen lagen bei zehn Anlagen mit einer Nennleistung von 8,8 Megawatt. Die genehmigten Windkraftanlagen im 1. Halbjahr 2020 in Nordrhein-Westfalen lagen bei 61 Anlagen mit einer Nennleistung von 238,8 Megawatt.

Die Ursachen liegen also ganz bestimmt nicht in einer Abstandsregelung, wie der Vorstandsvorsitzende Reiner Priggen von der Windkraftlobbyorganisation Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) behauptet (denn die ist in der Bundes-Immissionsschutzgesetz-Genehmigung geklärt), sondern an der Investitionsbereitschaft der sogenannten grünen Millionäre wegen nicht ausreichender Rendite der Anlagen.

Und zu der bundesweiten Situation von registrierten Genehmigungen einerseits und Inbetriebnahme von neuen Windkraftanlagen andererseits schreibt die FA Wind: „Am 30. Juli 2020 erfasste das Marktstammdatenregister 1067 immissionsschutzrechtlich genehmigte Windenergieanlagen (4082 Megawatt), für die bis dato noch keine Inbetriebnahme angezeigt wurde.

Weitere 394 genehmigte Anlagen (1192 Megawatt) sind aus dem Vorläuferregister (Anlagenregister) noch ohne Inbetriebnahme-Meldung – und zudem noch nicht im Marktstammdatenregister eingetragen.“ Und nicht „Die Landespolitik schafft massive Verunsicherung und destabilisiert die planungsrechtlichen Grundlagen“, sondern die nicht mehr gegebenen Renditen der Anlagen seit dem Ausschreibungsverfahren durch die Bundesnetzagentur.

Leo Prümmer aus Aachen betont anlässlich des Artikels „Wasser spalten, Arbeitsplätze schaffen“ über das geplante Wasserstoff-Cluster am Forschungszentrum Jülich:

Schon im Juni 2019 habe ich bei Ihnen darauf hingewiesen, dass der deutsche 2. Zukunftspreis bereits 2018 für den Einsatz von Wasserstoff verliehen wurde (Der Link dazu: https://www.stifterverband.org/pressemitteilungen/2018_09_12_deutscher_zukunftspreis).

Schon da bestanden bereits kleinere Kraftwerke, die nach dem System arbeiteten, auf das Sie ausführlich in Ihrem Bericht hinwiesen. Ich freue mich, dass endlich, nachdem der Preis bereits Ende 2018 verliehen wurde, jetzt offenbar einige wachgeküsst worden sind, und dass man endlich bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen. Ob die Interessen der Ölindustrie bisher das alles verzögert haben? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Dr. Peter Puschner aus Aachen meint zum Beitrag „Wasser spalten, Arbeitsplätze schaffen“:

Wasserstoff, der neue Heilsbringer! Versetzt man sich einmal in die Lage von Politikern unter Befreiung von grundlegenden Kenntnissen physikalischer Zusammenhänge, so erscheint das Ergebnis frohlockend. Autos produzieren kein Abgas mehr, sondern schlicht und einfach Wasser. Und weil das so schön ist, will man den Wasserstoff natürlich gleich für die gesamte Energie-Umwandlung nutzen und natürlich auf jeden Fall noch Vorbild für den Rest der Welt sein. Nun haben wir ja gelernt, dass Wind und Sonne keine Rechnungen schicken, die Betreiber von Wind- und Solaranlagen und in Zukunft die Wasserstoff-Wandler tun dies aber mit Sicherheit.

Elektrizität aus thermischen Kraftwerken wird mit Wirkungsgraden nahe 50 Prozent bereitgestellt. Für eine Kilowattstunde Nutzen erzeugen wir eine Kilowattstunde Verlust, gesamt also zwei Kilowattstunden. Elektrizität aus Wasserstoff wird mit Wirkungsgraden um die 20 Prozent hergestellt. Für eine Kilowattstunde Nutzen erzeugen wir vier Kilowattstunden Verlust, gesamt also fünf Kilowattstunden.

Der Mensch produziert bei allen seinen technologisch möglichen Handlungen Wärme, im Endzustand immer nur Wärme (Elektrizität, Heizung, Handy, Bahn, Auto, Flugzeug, Computer etc.). Je mehr Menschen auf der Erde sind und technologisch mögliche Handlungen vornehmen, umso mehr Wärme wird produziert. Das Fatale ist, dass diese Wärme immer direkt und erdnah die Atmosphäre aufheizt, egal, wo der Ursprung ist.

Wollen wir einen Nutzen von einer Kilowattstunde in insgesamt zwei Kilowattstunden Wärme zum Aufheizen der Atmosphäre überführen oder lieber einen Nutzen von einer Kilowattstunde in insgesamt fünf Kilowattstunden Wärme zum Aufheizen der Atmosphäre über das Spalten von Wasser? Und dieser Endzustand „Wärme“ ist reale Wärme, nicht solche, die in Computermodellen erzeugt wird.

Henning Nießen aus Aachen antwortet auf den Leserbrief von Manfred Rauschen aus Düren mit dem Titel „Kohle und Kohlendioxid“:

Es ist richtig, dass der Kohlenstoff in den fossilen Rohstoffen vor Jahrmillionen der Atmosphäre entnommen wurde und dass die CO2-Konzentration entsprechend deutlich höher war, was folglich auch ein wärmeres Klima bedeutet. Entscheidend ist aber, dass die damaligen Ökosysteme völlige andere waren und die Treibhausgaskonzentrationen und mit ihnen auch das Klima sich nur langsam änderten.

Der anthropogen verursachte Klimawandel erfolgt dagegen mit einer derart hohen Geschwindigkeit, die die Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme schlicht überfordert und zu Kollapsen und Massenaussterben führt. Herr Rauschen plädiert zum Schluss sinngemäß dafür, Klimaschutz doch sein zu lassen, da die anderen Staaten es ja auch so handhaben. Dieses Scheinargument ist nichts anderes als ein Wegducken vor der eigenen globalen Verantwortung aus reiner Bequemlichkeit. So löst man keine Probleme, sondern verschärft sie nur.

Verena Sanders aus Aachen reagiert ebenfalls auf den Leserbrief von Herrn Rauschen:

Ich bin ärgerlich, dass Ihre Zeitung so einen Unsinn druckt!

Herr Rauschen benutzt verschiedene Techniken der Desinformation und Wissenschaftsleugnung, und seine Pseudo-Argumentation führt schlussendlich zu gar nichts.

Fakt ist, dass es den menschengemachten Klimawandel inklusive CO2-Anstieg gibt. Wenn wir nicht aufhören, so zu wirtschaften wie in den vergangenen Jahrzehnten, machen wir menschliches Leben auf der Erde unmöglich. Da hilft auch wohlklingendes Geschwätz nicht!

Es gibt längst viele Konzepte und gelebte Wirklichkeiten für ein Leben jenseits von Kohleverstromung und menschenfeindlichem Turbokapitalismus. Mit etwas Mut zur Veränderung landen wir dann nicht in der Steinzeit, wie Herr Rauschen heraufbeschwört, sondern im wirklich guten Leben für viele!

Ich bitte Ihre Zeitung, in den Leserbriefen fachlich fundiertere Beiträge auszuwählen!

Martin Spiller aus Aachen bezieht seinen Leserbrief auch auf den von Manfred Rauschen aus Düren:

Ich bin erschüttert, dass in Ihrer Zeitung offenbar ungeprüft „Fake News“ zum Klimawandel verbreitet werden können. Es ist zwar korrekt, dass Kohle ein Naturprodukt ist, das im Wesentlichen die gespeicherte Sonnenenergie aus dem Carbon-(Steinkohle) und Tertiär-(Braunkohle)-Zeitalter enthält. Es ist auch korrekt, dass in diesen Phasen der Erdgeschichte sowohl die atmosphärische CO2-Konzentration als auch die Temperatur auf der Erde deutlich höher waren und dass in solchen Phasen die Vegetation dadurch sehr produktiv war.

Die jetzige Vegetation auf der Erde ist jedoch an die niedrigen CO2-Konzentrationen der jüngeren Erdgeschichte gut angepasst. Das große Problem in der Gegenwart und der näheren Zukunft ist, dass durch menschliche Aktivitäten die CO2-Konzentration seit dem 19. Jahrhundert – aber vor allem in den vergangenen drei bis vier Jahrzehnten – sehr stark und sehr schnell ansteigt. Dies führt zu abrupten Veränderungen auf der Erde: Klimawandel mit zunehmender Häufigkeit von Wetterextremen, Meeresspiegelanstieg und Ozeanversauerung. Die derzeitige Vegetation auf der Erde „profitiert“ viel weniger von dem angestiegenen CO2-Gehalt, als sie unter den Folgen des Klimawandels leidet.

Die Natur – und noch weniger die zivilisierte Menschheit, die auf funktionierende Ökosysteme für ihre Wirtschaftssysteme angewiesen ist – kann sich nicht so schnell an die Veränderungen anpassen, wie sie begonnen haben und noch mehr für die nächsten Jahrzehnte zu erwarten sind. Mit anderen Worten, die Schäden (und ihre Bezifferung in volkswirtschaftlichen Kosten) übersteigen den Gewinn durch eine weitere Nutzung fossiler Brennstoffe um ein vielfaches. Es ist jetzt Zeit für den kompletten Ausstieg aus der Kohle – und in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten auch aus Öl und Gas.

Alfred Meißner aus Aachen befasst sich mit dem Leserbrief von Thomas Kohnen aus Aachen, der betonte, dass eine 100-prozentige Versorgung aus Erneuerbaren Energien möglich und sogar billiger sei, als weiter an der Kohle festzuhalten:

Ich habe als Diplomingenieur Elektrotechnik nur die eine Frage an Herrn Kohnen: Wo kommt der Strom für Heizung, Licht und die elektrischen Geräte her, wenn nachts der Wind nicht weht?

Über den für die Industrie notwendigen Strom reden wir dann nach einer zufriedenstellenden Antwort.

Bernd Kruff aus Aachen beschäftigt sich mit dem Text „Die Bedrohung nimmt wieder zuüber den Atombombenabwurf über Hiroshima vor 75 Jahren und sieht die heutige größte Gefahr in den Atomkraftwerken:

Ich möchte mich äußern über die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Wohlgemerkt! Nicht Soldaten, sondern Hunderttausende Zivilisten wurden Opfer. Die erste Bombe auf Hiroshima wurde von den Amis sogar auf den niedlichen Namen „Little Boy“ getauft. Geht es noch perverser und menschenverachtender? Und der Wahnsinn geht weiter. Laut dem Sipri-Institut gibt es weltweit geschätzte 13.400 Atomsprengköpfe, wie aus Ihrem Bericht zu entnehmen war.

Aber ich kann alle, die Angst haben, beruhigen. Es werden keine neuen Atombomben mehr gebaut, ehe die vorhandenen nicht aufgebraucht sind! Das ist zwar Sarkasmus, aber bei dem vorherrschenden Stumpfsinn in der Politik und der Skrupellosigkeit der Waffenlobbyisten und Militärs leider sehr real. Übrigens: Das Spiel mit dem Tod geht ja bekanntermaßen seit Jahren vor unserer Haustür ab. Irgendwann werden die maroden, völlig überalterten belgischen Atomkraftwerke schon in die Luft fliegen. Eine Laufzeitverlängerung folgt der nächsten ...

Christoph Schönberger aus Aachen merkt zum Bericht „Kein Brennelemente für Doel?“ an:

Die Klage gegen Brennstofflieferungen nach Doel ist reine Effekthascherei. Wurde auch Zeit, lange nichts gehört von Tihange etc. Eine Anfechtungsklage nach deutschem Recht hat materiell nur dann Chancen, wenn eine Gefährdung nachgewiesen werden kann. Aus belgischer Sicht scheint das nicht der Fall zu sein, sonst wären die Meiler längst stillgelegt worden.

Unseren Nachbarn einen fahrlässigen Umgang zu unterstellen, grenzt schon an deutsche Hybris oder Hysterie. Selbst wenn deutsche Gerichte ein Veto einlegen sollten, wird der Weiterbetrieb keine Sekunde ruhen, denn andere Lieferanten stehen bereits in den Startlöchern. Insofern reine Symbolpolitik, die verkennt, dass nur Deutschland mit seiner Anti-Atom-Strategie auf dem Holzweg ist.

Auch Konrad Dreesen aus Titz befasst sich mit dem Beitrag „Kein Brennelemente für Doel?“:

Die Begründung der Klage ist, dass die belgischen Kernkraftwerke (KKW) unsicher seien.

Erstens ist die zuständige Behörde, und das ist nicht irgendeine selbstgewählte „heilige Inquisition“ der Stop-Tihange-Bewegung, die Fanc in Brüssel. Diese kam damals und heute eindeutig zu dem Ergebnis, dass alle technischen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen für den weiteren Betrieb der Reaktoren erfüllt waren und sind. Daher konnten die KKW wieder in Betrieb genommen werden.

Zweitens hat die ehemalige deutsche Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bereits 2012 das in ihrem Zuständigkeitsbereich liegende höchste deutsche Kontrollgremium, nämlich die Reaktorsicherheitskommission (RSK), beauftragt, ein Gutachten über die Sicherheit der belgischen Reaktoren zu erstellen. Auch die RSK kam nach sechsjähriger intensiver Prüfung am 23. Mai 2018 in ihrem Gutachten zu dem Ergebnis, dass keine Gründe vorliegen würden, die gegen den weiteren Betrieb der Reaktoren sprechen und konnte zusätzlich die Prüfergebnisse der Fanc bestätigen.

Ihre Zeitung berichtete am 9. Juli 2018 auf der Titelseite darüber, was bei den AKW-Gegner zu einer maßlosen Aufgeregtheit führte, und man versuchte, die mit international anerkannten Fachleuten besetzte RSK zu diskreditieren. Aber so ist es halt, wenn Wahrheit auf Ideologie trifft.

Darüber hinaus sei noch zu erwähnen, dass die Herstellung von Brennelementen in Deutschland nichts mit dem deutschen Ausstieg aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu tun hat. Im Gegensatz zum deutschen Ausstieg sind sowohl die weltweit in Betrieb befindliche Anzahl an KKW seit 1960 bis heute stetig gestiegen als auch die davon erzeugte Stromproduktion, und dazu benötigt es eben Brennstoff in Form von Brennelementen. Der deutsche Weg findet nur sehr wenige Nachahmer.