Aachen: Vorsorgen, bevor es zu spät ist

Aachen: Vorsorgen, bevor es zu spät ist

Natürlich wäre es besser, sich frühzeitig zu kümmern. Aber mit 18, 25 oder 37 Jahren bereits an eine Betreuungsverfügung oder eine Vorsorgevollmacht zu denken, weil man irgendwann einmal nicht mehr geschäftsfähig sein könnte, das machen die wenigsten. Auch wenn etwa ein Unfall das eigene Leben schneller verändern kann, als man denkt.

„Natürlich gibt es diese Hemmschwelle, sich mit solch einem Szenario auseinanderzusetzen.

Solche Gedanken werden gerne verdrängt”, sagt Iris Grendel vom Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) Eschweiler.

Dennoch wird sie nicht müde zu appellieren: „Es ist sinnvoll, sich früh mit diesem Dingen zu beschäftigen.”

Denn aus Erfahrung weiß sie, dass viele Menschen erst den Weg zur Beratungsstelle finden, wenn etwas passiert ist, wenn sie etwa durch die Erkrankung eines Verwandten oder Freundes persönlich betroffen sind. Dann ist guter Rat teuer.

„Viele Menschen sind verunsichert und wissen nicht genau, was zu tun ist”, sagt Cordula Ant vom SKM-Katholischer Verein für soziale Dienste Aachen. Immer mehr suchen deswegen Rat bei den Mitgliedern der städteregionalen Arbeitsgemeinschaft der Betreuungsvereine.

Generell gilt es, drei Vollmachten zu unterscheiden:

Die Patientenverfügung ist die persönliche Willenserklärung eines Menschen zur Wahrnehmung seines Selbstbestimmungsrechtes in medizinischen Angelegenheiten.

Es handelt sich um eine Handlungsanweisung an den Arzt. „Dabei ist es wichtig, sich eingehend mit dem Arzt seines Vertrauens zu unterhalten, damit dieser weiß, was er tun soll”, sagt Sabine Deisemmé von der Aachener Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Mit einer Vorsorgevollmacht ermächtigt man eine andere Person, in allen oder nur in bestimmten Bereichen Entscheidungen zu treffen. „Wichtig ist, dass der Vollmachtgeber absolutes Vertrauen zum Vollmachtnehmer hat. Schließlich kann Letzterer nach Vorlage der Vollmacht direkt handeln”, betont Erika Pishnamaz von der Aachener Diakonie.

In einer Betreuungsverfügung wird der Wunsch eines Menschen festgehalten, welche Person im Fall der Betreuungsbedürftigkeit die gerichtliche Betreuung übernehmen soll.

„Das können Verwandte sein - und sind es auch oft”, sagt Johann Leonbacher vom SKM Stolberg. Wobei mancher als Betreuer und gleichzeitig pflegender Angehöriger überfordert sei.

Erst wenn sich niemand aus dem engeren Umfeld findet, der sich das zutraut, oder keine Verfügung vorhanden ist, sind die Betreuungsvereine oder Berufsbetreuer am Zug.

Betreuung heißt, die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können, im regelmäßigen persönlichen Kontakt wahrzunehmen. „Und vor allem heißt das: das Wohl der Betroffenen immer im Auge zu haben”, betont Petra Pitz von der Diakonie in Alsdorf.

Wegen der Vielzahl der Fälle sind die hauptamtlichen Mitarbeiter der Betreuungsvereine froh über das Engagement von Ehrenamtlern. „Dabei schauen wir genau hin, welchen Fall wir einem Ehrenamtler geben können”, sagt Johann Leonbacher.

Schließlich unterscheidet sich das Aufgabenprofil enorm. Geht es in einem Fall etwa um den Verkauf eines Hauses oder um Erbstreitigkeiten, stehen in einem anderen Fall etwa nur Entscheidungen bei der Gesundheitsvorsorge an.

Dabei leisten die Ehrenamtler nicht nur aus Sicht von Iris Grendel unschätzbare Arbeit. Denn so intensiv wie sie könnten sich die Hauptamtler nicht um die Menschen kümmern, bedauert sie und betont: „Jeder Ehrenamtler ist willkommen und bestimmt selber, in welchem Umfang er tätig ist.”

Es gibt zahlreiche Fragen alleine zum Themenkomplex Vorsorgevollmacht. Einige wichtige Fragen haben die Experten der Sozialdienste in der Städteregion beantwortet.

Kann ein Ehegatte oder ein Kind ohne Vollmacht für einen Volljährigen entscheiden?

Nein. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ein Vertretungsrecht gibt es nicht. Es sollte jemand bevollmächtigt sein, oder es wird ein Betreuer vom Amtsgericht eingesetzt.

Kann ein Ehepaar eine gemeinsame Vollmacht ausstellen?

Nein. Jeder braucht seine eigene Ausfertigung der Vorsorgevollmacht.

Muss die Vollmacht auf jeden Fall von einem Notar beurkundet werden?

Die notarielle Vollmacht ist erforderlich, wenn mit der Vollmacht Grundbesitz verkauft oder beliehen werden muss. Für alle anderen Angelegenheiten reicht die normale Vollmacht.

Akzeptieren die Banken eine Vorsorgevollmacht?

Banken und Sparkassen bestehen in der Regel auf der Bevollmächtigung mit ihren eigenen Formularen (Unterschriftskarten). Eine notarielle Vollmacht muss akzeptiert werden.

Wie lange bleibt die Vollmacht gültig?

Die Vorsorgevollmacht bleibt solange gültig, bis sie widerrufen wird. Bei den Patientenverfügungen wird empfohlen, regelmäßig seinen Willen erneut zu bestätigen.

Kann die Vollmacht widerrufen werden?

Die Vollmacht kann jederzeit widerrufen werden. Zum Beispiel, wenn man dem Bevollmächtigten nicht mehr vertraut oder wenn dieser selbst hilfebedürftig geworden ist.

Wo sollte die Vollmacht am besten aufbewahrt werden?

Die Vollmacht sollte beim Vollmachtgeber vor allem so aufbewahrt werden, dass der Bevollmächtige sie im Bedarfsfall auch findet. Die Vollmacht ist auch nur im Original gültig. Bei der Bundesnotarkammer in Berlin ist ein Vorsorgeregister eingerichtet worden. Hier kann man gegen Gebühr die Existenz der Vollmacht registrieren lassen. Die Gerichte können dieses Register bei Bedarf abfragen und erfahren so von der Existenz einer Vollmacht.

Kontaktadressen, Mustervollmachten und weitere Informationen: Die nächste kostenlose Info-Veranstaltung der Betreuungsvereine im Kreis Aachen findet zum Thema Demenz am Mittwoch, 29. April, um 14.30 Uhr im Maria-Hilf-Stift in Monschau statt.

Anmeldung unter 02403/609180. Die Betreuungsvereine in der Stadt Aachen laden zum Vortrag „Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung” ein. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 5. Mai, um 18.30 Uhr in der VHS, Peterstraße 21-15, statt.

Persönlich kann man sich bei den Betreuungsvereinen informieren, die sich in der Arbeitsgemeinschaft zuammengeschlossen haben:

AWO, Kreisverband Aachen-Stadt, Gartenstraße 25 in Aachen, 0241/8891642;

Betreuungsverein der Diakonie Aachen, Martinstraße 10-12 in Aachen, 0241/52608;

Sozialdienst katholischer Frauen, Wilhelmstraße 22, 52070 Aachen, 0241/470450;

SKM-Katholischer Verein für soziale Dienste, Heinrichsallee 56 in Aachen, 0241/41355521;

Diakonisches Werk im Kirchenkreis Aachen, Bodelschwinghweg 4 in Alsdorf, 02404/94950;

Sozialdienst katholischer Frauen, Peilsgasse 1-3 in Eschweiler, 02403/609180;

Sozialdienst katholischer Frauen, Birkengangstraße 5 in Stolberg, 02402/81007;

SKM-Katholischer Verein für soziale Dienste, Foxiusstraße 2 in Stolberg, 02402/81007.

Mustervollmachten im Internet gibt es unter http://www.betreuung-regio-ac.de