Kreis Heinsberg: Von jedem Brötchen bekommt der Bauer nur einen Cent

Kreis Heinsberg: Von jedem Brötchen bekommt der Bauer nur einen Cent

„Es wurde zwar rund zehn Prozent weniger Weizen gedroschen als im langjährigen Mittel, aber der Verbraucher muss sich keine Sorgen über steigende Brot- und Brötchenpreise machen”, erklärte jetzt Bernhard Conzen, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Heinsberg.

Der Einfluss des Getreidepreises auf den Brötchenpreis sei sehr gering, da der Erzeugerpreis nur noch einen verschwindend geringen Anteil bei der Brotherstellung ausmache. Von jedem Brötchen bekomme der Bauer nur einen Cent für sein Getreide. Zudem seien die Qualitäten nicht so schlecht, wie zunächst vermutet.

Inzwischen sei die Weizenernte im Rheinland weitestgehend abgeschlossen. Während der vergangenen trockenen Tage konnte geerntet werden, so der Vorsitzende. Das rheinische Getreide werde in den Mühlen in Köln und Düsseldorf verarbeitet. „Wenn jemand steigende Brotpreise mit dem Weizenpreis begründet, ist das Irreführung des Verbrauchers”, so Conzen.

Zur Verdeutlichung macht der Vorsitzende eine Rechnung auf: Zum Brötchenbacken benötigt ein Bäcker etwa 34 Gramm Brötchenmehl. Bei einem Ausmahlungsgrad von rund 70 Prozent sind das nur 49 Gramm Weizen. Der Landwirt als Rohstofflieferant des Weizens bekommt bei einem Getreidepreis von augenblicklich 20 Euro je Dezitonne nur rund einen Cent. Im vergangenen Jahr erhielten die Landwirte 13 Euro je Dezitonne Weizen und 0,6 Cent pro Brötchen. Das heißt laut Conzen: Die „Materialkosten” für den Bäcker haben sich gerade mal um 0,4 Cent pro Brötchen erhöht. Erst bei einem für Landwirte wohl schwindelerregenden Getreidepreis von 36 Euro je Dezitonne dürften Brötchen um einen Cent teurer werden. Conzen erinnerte an März 2008, als die Weizenpreise mit 25,40 Euro je Dezitonne einen bisher nicht gebrochenen Rekord erreicht hatten, „wollte man die Verbraucher mit der gleichen Argumentation irreführen”, so der Vorsitzende der Kreisbauernschaft.

Der Verbraucher werde sich fragen müssen, warum die Brotpreise eigentlich nicht in den vergangenen zwei Jahren gefallen seien, so Conzen weiter. Bekanntlich seien die Getreidepreise in diesem Zeitraum von 25 Euro je Dezitonne auf unter 10 Euro je Dezitonne gesunken. Seinerzeit habe die Branche eben mit jenem geringen Anteil der Getreidepreise an den Gesamtherstellungskosten argumentiert. Maßgeblich für den Preis scheinen Energie- und Personalkosten zu sein. „Was damals richtig war, kann heute nicht falsch sein”, betonte Conzen und erinnerte daran, dass die Getreidepreise in den 80er, 70er und sogar 60er Jahren weit über den heutigen gelegen hätten; die Brötchen seien damals aber deutlich billiger gewesen.