Archivale des Monats: Vom Radrennsport zur Armenverwaltung

Archivale des Monats : Vom Radrennsport zur Armenverwaltung

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats. Im Juli geht es um den Lageplan des Geländes der früheren Radrennbahn Krummerück.

Das Stück mit einem kurzen Begleittext wird in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Das Archivale des Monats Juli 2021 zeigt einen vom Architekten Lambert Oligschläger 1928 gezeichneten Lageplan des Geländes der Radrennbahn Krummerück.

Bei der Erschließung von Akten der städtischen Armenverwaltung in preußischer Zeit wurde unerwartet ein besonderes Archivale aus dem Jahr 1928 entdeckt – nämlich ein Plan des Geländes der Radrennbahn Krummerück, welches in Forst beziehungsweise Brand im Bereich Driescher Hof lag.

Der Plan gelangte in die Akte der Armenverwaltung, weil der Besitzer des Geländes, auf dem die Radrennbahn lag, Dr. Jean-Paul Goossens, es der Stadt zum Kauf angeboten hatte. Aus diesem Angebot entwickelte sich ein sogenanntes Kapitalgesuch, für dessen Bearbeitung eben die städtische Armenverwaltung zuständig war. Goossens wollte Kapital ansammeln, um den Aachener Betrieb der Firma Mannesmann-Mulag vollständig übernehmen zu können. Die Firma fertigte in Aachen „Benzinwagen“ und Ersatzteile. Zusätzlich wollte Goossens eine englische Firma gewinnen, die den Standort in die Lage versetzen sollte, elektrisch betriebene Omnibusse zu bauen.

 Das Archivale des Monats Juli 2021 zeigt einen vom Architekten Lambert Oligschläger 1928 gezeichneten Lageplan des Geländes der Radrennbahn Krummerück. Foto: Stadtarchiv Aachen
Das Archivale des Monats Juli 2021 zeigt einen vom Architekten Lambert Oligschläger 1928 gezeichneten Lageplan des Geländes der Radrennbahn Krummerück. Foto: Stadtarchiv Aachen Foto: Stadtarchiv Aachen

Das der Stadt zum Kauf angebotene Gelände mit der Radrennbahn umfasste 22 Morgen (ca. 70.000 Quadratmeter), der aufgerufene Preis betrug 250.000 Reichsmark. Die ovale Radrennbahn, die von der 1924 gegründeten „Stadion-Aktiengesellschaft“ betrieben wurde, war im gleichen Jahr von der Baufirma Robert Grünzig in Eisenbeton gebaut worden. Die Bahn war 400 m lang und etwa 9 m breit; auf den Geraden hatte sie eine Höhe von 1,20 m, in den Kurven von 4,65 m. Auf den aufgeschütteten Sitz- und Stehplätzen rund um die Bahn hatten 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz.

Am 24. August 1924 wurde die Radrennbahn eröffnet; angesichts der getrübten wirtschaftlichen Gesamtlage war der Betrieb der Sportstätte, auf der sowohl Radrennen als auch Motorradrennen und Leichtathletikveranstaltungen stattfanden, aber von Beginn an finanziell schwierig. Die Stadt ließ ein Wertgutachten zu dem angebotenen Grundstück und den darauf befindlichen Anlagen erstellen. Die Anlage war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits in einem sehr schlechten Zustand, so dass die Stadt den Wert der Anlage auf nur 150.000 Reichsmark taxierte.

Der städtische Finanzausschuss lehnte den Erwerb des Grundstücks in seiner Sitzung vom 23. November 1928 ab, wollte Goossens als Unternehmer aber in anderer Form gerne unterstützen. Daraufhin wurde die städtische Sparkasse gebeten, eine Beleihung des Grundstücks zu prüfen. Der Sparkasse war die Beleihung von Objekten wie Rennbahnen jedoch satzungsgemäß untersagt und die Beleihung des Grundstücks wäre wegen seiner Beschaffenheit zu niedrig ausgefallen, um eine echte Hilfe für Goossens Vorhaben zu sein.

Im Vordergrund des Plans ist die Trierer Straße mit der damaligen Bebauung zu sehen. Von hier führt die damalige Krummerück-Allee zum gelb umrandeten Sportgelände. In Grün ist die Grenze zwischen Forst und Brand eingezeichnet. Das „Fußball-Spielfeld“ war 1928 nicht mehr als eine Wiese, darüber ist die ovale Radrennbahn zu sehen, rechts daneben ist ein „Auto-Standplatz“ für die Besucher eingezeichnet.