Geilenkirchen: Vergewaltigung: Zwei Jahre auf Bewährung nach Geständnis

Geilenkirchen: Vergewaltigung: Zwei Jahre auf Bewährung nach Geständnis

Eine ziemlich glaubwürdige Geschichte präsentierte ein 37-jähriger Informatiker aus dem Kreis Heinsberg dem Schöffengericht Geilenkirchen. Und vielleicht hätte diese Geschichte sogar ausgereicht, um ihn vom Vorwurf der Vergewaltigung frei zu sprechen. Doch die Geschichte des Opfers war noch schlüssiger und glaubhafter. Dies lag ganz einfach daran, dass der Angeklagte log, und die 31-Jährige, die er nach einer gemeinsamen Feier vergewaltigt hatte, die Wahrheit sagte, wie das Gericht feststellte.

Nach drei sehr intensiven Verhandlungsstunden meinte Richterin Corinna Waßmuth: „Jetzt haben wir, glaube ich, alle Emotionen bloßgelegt.“ Dass das Opfer ein Taschentuch der Staatsanwältin benötigte, als sie die Tat, die sich am frühen Morgen des 28. Mai 2017 ereignet hatte, schilderte, dürfte niemanden verwundern. Doch auch der zunächst cool auftretende Angeklagte, der versucht hatte, sich selber als Opfer einer Verleumdung darzustellen, war den Tränen nahe, als er sich schließlich zu seiner Tat bekannte.

Sein Geständnis konnte er nur mit Unterstützung der Richterin in Worte fassen. Die entscheidende Wendung im Prozessverlauf hatte nach der Vernehmung des Angeklagten und des Opfers ein beherzter Vorstoß der Staatsanwältin herbeigeführt. Sie hatte dem Angeklagten auf den Kopf zugesagt, dass sie der Geschichte des Opfers mehr Glauben schenke. Dem Angeklagten hatte die Staatsanwältin den Weg zu einem Geständnis geebnet, indem sie offengelegt hatte, dass die Staatsanwaltschaft im Falle einer Verurteilung von einer Bewährungsstrafe ausgehe.

Das Opfer hatte am Abend des 27. Mai gemeinsam mit dem Angeklagten und dessen Freundin, in deren gemeinsamer Wohnung gefeiert. Man hatte getrunken, Ouzo und Weißwein. Alle drei waren angetrunken, hatten gemeinsam einen Film geschaut und auf der Terrasse getanzt. Die Freundin des Angeklagten war zu Bett gegangen. Die Zeugin berichtete, dass sie noch mit dem Angeklagten spazieren gegangen sei, dann habe sie sich auf dem Sofa zum Schlafen hingelegt, da sie nicht mehr nach Hause fahren konnte. Der Angeklagte habe ihr noch ein Glas Wasser und eine Decke gebracht, sie zugedeckt. Sie habe sich gut aufgehoben gefühlt bei ihren Freunden und sei eingeschlafen.

Sie sei wach geworden, als sie etwas an ihren Lippen gespürt habe. Es sei der Penis des nackt vor ihr knieenden Angeklagten gewesen, der bis zu ihren Zähnen eingedrungen sei. Sie sei aufgesprungen, habe dem Angeklagten ins Gesicht geschlagen und ihn angebrüllt. Sie habe dann fluchtartig die Wohnung verlassen. Was da passiert sei, habe sie selber gar nicht richtig einordnen können. Sie habe eine Beratungsstelle aufgesucht. Dort habe man ihr gesagt, dass bei einem Gerichtsverfahren Aussage gegen Aussage stehen würde. Zeugin: „Das war doch nicht richtig, was M. da gemacht hat.“ Für die junge Frau, die als Nebenklägerin auftrat, hat sich der eingeschlagene Weg am Ende ausgezahlt. Auf Anregung ihrer Rechtsanwältin rang sich der Angeklagte zu einer Entschuldigung gegenüber seinem Opfer durch. Angeklagter: „Ich hoffe, Du wirst mir irgendwann verzeihen können.”

Das Schöffengericht verhängte die Mindeststrafe, die das Gesetz für Vergewaltigung vorsieht: eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die für den nicht vorbestraften Angeklagten zur Bewährung ausgesetzt wurde. Eine Vergewaltigung liege laut Waßmuth vor, wenn jemand ohne Zustimmung in den Körper eines anderen eindringt. Die hohe Mindeststrafe berücksichtige das Leid, das dem Opfer zugefügt wird. Richterin Waßmuth riet dem Verurteilten zu einem weniger lockeren Umgang mit persönlichen Daten im Internet. Seitenweise hatte das Gericht Chatverläufe und intime Fotos ausgewertet. Richterin Waßmuth: „Das Handy ist kein Tresor.“

(defi)