US-Präsident könnte von Fehlern der Demokraten profitieren

Kommentar zu dem Parteitag der Republikaner : Trumps Chance

Am Montag beginnt in den USA der Nominierungsparteitag der Republikaner, auf dem sie Präsident Donald Trump erneut zum Spitzenkandidaten zu küren werden.

Wenn am Montag der Nominierungsparteitag der Republikaner beginnt, um Donald Trump zum Spitzenkandidaten zu küren, darf eines nicht vergessen werden. Der 74-Jährige ist nicht nur ein unberechenbarer Instinkt-Politiker, der seit 2016 alle Konventionen über den Haufen geworfen hat. Er ist auch ein ehemaliger Reality-TV-Showman, der von gekonnten Selbstinszenierungen sicher mehr versteht als die Demokraten, deren Veranstaltung letzte Woche teilweise einschläfernde Wirkung hatte.

Die Opposition beging bei ihrem Parteitag aber gleichzeitig auch einen Kardinalfehler, der nun die Tür für den in Umfragen meist deutlich hinter Joe Biden zurückliegenden Trump noch einmal weiter als erwartet geöffnet hat: Die Demokraten machten „Ungerechtigkeit“ und „systemischen Rassismus“ zum Kardinalthema ihres virtuellen Treffens und schlugen mit einer solch unerbittlichen Wucht auf ihr eigenes Land ein, dass man sich fragen muss: Warum sind die USA eigentlich für Abertausende Einwanderer in jedem Jahr weiter das bevorzugte Ziel? Und warum bleiben jene, die Amerika so abgrundtief hassen, weiter im Land?

Und diese „Finsternis“, wie Joe Biden es nannte, ist nun die Chance für Donald Trump. Er kann der Aufzählung der großen amerikanischen Sünden der Neuzeit – Fremdenhass, Rassismus, Polizei-Brutalität, Sexismus, Waffenwahn und vieles andere mehr – das entgegen setzen, was bei den Demokraten zu kurz kam: Positive Visionen und ein klares politisches Programm. Donald Trump ist zwar nicht die Figur, die aufgrund seiner persönlichen Defizite – vor allem im intellektuellen Bereich – dies glaubwürdig so vermitteln kann, dass er demokratische Stammwähler in sein Lager zieht. Doch auf die kommt es ohnehin nicht an.

Was zählt, sind jene Bürger und Bundesstaaten, die gerne die politischen Lager wechseln. Addiert nun der Präsident noch zugkräftige Programme wie ein Wiederbelebungspaket für die Wirtschaft nach dem Abklingen der Pandemie, würde er damit eine scharfe Trennlinie zu Biden ziehen, dessen Wahlsieg vor allem Steuererhöhungen bedeuten würde. Die große Frage ist allerdings, ob der beratungsresistente und notorische Stänkerer Trump die nötige Selbsterkenntnis und Disziplin für eine Reduzierung seiner Attacken und die Konzentration auf eine Job-Agenda besitzt.