Aachen: Unerschrockener Ritter: Merz ohne Merkel auf dem Narrengipfel

Aachen : Unerschrockener Ritter: Merz ohne Merkel auf dem Narrengipfel

Friedrich Merz kam als braver „Weißer Ritter” aus dem Sauerland. Unerschrocken führte er im fremden Aachener Narrenland sein Schwert mit der Macht des klaren Wortes. Mit gezielten Hieben wagte er bei seiner Antrittsrede als Ordensritter das Äußerste.

Die Aachener feierten seinen Humor und verliehen ihm höchste närrische Weihen: Für Humor und Menschlichkeit wurde der CDU- Politiker am Samstag als 56. Ritter mit dem Aachener Karnevalsorden wider den tierischen Ernst ausgezeichnet.

Beim Narrengipfel in der Kaiserstadt hätte es zur Annäherung zwischen Merz und Angela Merkel im Zeichen der Narrenkappe kommen können. Aber die Bundeskanzlerin kam trotz Einladung nicht. Merz nahm ihr das nicht übel: „Ich weiß von meinem letzten Besuch bei ihr, dass sie uns heute Abend mit ihrem Joachim in selbstgehäkelten Hausschuhen am Fernsehen zuschaut”, plauderte Merz und grüßte freundlich. Sie sei ja auch geneigt gewesen zu kommen, wenn nicht am Ende der Gästeliste die Namen Merz und Gregor Gysi, Fraktionschef der Linkspartei, gestanden hätten.

So brach Merz ohne Beisein Merkels sein monatelanges Schweigen zur großen Koalition und legte ein eigenes marktwirtschaftliches „Elf- Punkte-Programm für Deutschland” vor. Zu Ostdeutschland sagte er: „Thüringen und Sachsen haben sich als sanierungsfähig erwiesen, die werden wir behalten”, sagte Merz. Mecklenburg-Vorpommern werde bilanziell als Totalverlust abgeschrieben und die Fläche gegen Übernahme der Landesschulden und einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro den Russen übergeben. „Den Asylantrag einer einzelnen Einwohnerin namens Dr. Angela Merkel werden wir wohlwollend prüfen”, versprach Merz.

Sein Knappe und Vorjahresritter Kardinal Karl Lehmann bedauerte, dass sein Ritter Friedrich mit vergleichbaren Star-Qualitäten des Kölner Nationalstürmers Lukas Podolski im Merkel-Team nur auf der Ersatzbank sitze. „Ich denk, dass Friedrich unbeirrt, in Zukunft Angies Joker wird, der in der zweiten Halbzeit prompt noch garantiert zum Einsatz kommt”, war Lehmann optimistisch.

Gysi setzte auf betont linken Humor. „Ich habe einen riesigen Respekt vor ihrer Versammlung, nachdem mir Guido Westerwelle erklärte, wenn ich nicht erschienen wäre, wäre er der Linkeste im Saal.” Nüchtern im schwarzen Anzug und weißen Hemd gekleidet erklärte er dem Publikum auf den teuren Plätzen im Saal ganz pragmatisch das Wohl seiner Partei für „Milliardäre”.

„Diese Euro-Milliardäre, diese Verfassungspatrioten, sitzen Tag und Nacht da und überlegen sich in schwerster Verantwortung”, wie sie ihr Geld im Sinne der Allgemeinheit einsetzen könnten. Von einem Teil dieser Verantwortung könne man sie doch mit einer Vermögenssteuer befreien, schlug er unter sehr verhaltenem Beifall des Publikums vor.

Die ARD übertrug die Ordenssitzung wider den tierischen Ernst zum ersten Mal live. Unter den Zuschauern im Saal befanden sich Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und aus der Ritterrunde unter anderem Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, FDP-Chef Guido Westerwelle und der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher.



Ordensverleihung