Wassenberg: Ulla Schmidt referiert in Wassenberg über demografischen Wandel

Wassenberg: Ulla Schmidt referiert in Wassenberg über demografischen Wandel

„Wenig-älter-bunter” war das Referat überschrieben, für das die Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt (SPD) nach Wassenberg in die neue Begegnungsstätte am Pontorsonplatz gekommen war.

Eingeladen dazu hatten sie die SPD-Ortsvereine Wassenberg, Wegberg und Erkelenz.

Nach der offiziellen Begrüßung durch den Wassenberger Ortsvereinsvorsitzenden Leo Stassny dankte Schmidt zunächst dem Heimatvereinsvorsitzenden Sepp Becker und Bürgermeister Manfred Winkens, die sie bei einem Rundgang durch die Stadt begleitet hatten.

„Ihr könnt sicher sein: Ich werde Wassenberg jetzt ganz anders in Erinnerung halten”, sagte sie. Sie hätte vorher nicht gewusst, warum Menschen in Wassenberg Urlaub machen würden, zeigte sie sich beeindruckt von der Vielfalt an Natur und den Möglichkeiten für Wanderungen und Besichtigungen.

Vorbeugende Sozialpolitik

Und dann kam sie nicht umhin, zunächst ein wenig Wahlkampf zu machen, der vor allem viel Schelte für die FDP beinhaltete, als sie erklärte, „ein bisschen mehr Verstand bei der kleinen Partei” erwartet zu haben. Sie erinnerte an die Zeiten der sozialliberalen Koalition, an der aus der FDP nicht „alles junge Jungen” wie heute beteiligt gewesen seien. „Wie diese Welt ist, davon haben die keine Ahnung.”

Man sei in Wassenberg in einer etwas katholischeren und weniger industriellen Region, aber dennoch lohne es sich auch hier zu streiten für die Sozialdemokratie, formulierte sie die Hoffnung, aus der Region für die SPD doch wenigstens eine Frau oder einen Mann im künftigen Landtag zu haben.

Dann widmete sie sich dem eigentlichen Thema ihres Vortrags und beleuchtete die Problematik des demographischen Wandels mit seinen Facetten. Wenn 2030 auf einen Rentner nur noch zwei erwerbsfähige Menschen kämen, sei es zu spät zu reagieren. Es gelte heute eine „vorbeugende Sozialpolitik” zu machen und in Bildung zu investieren. Kein junger Mensch dürfe mehr zurückbleiben, wenn es gelte, ihn in die Erwerbstätigkeit zu begleiten.

Es müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden für einen Ausbau der Erwerbstätigkeit von Frauen im Hinblick auf die Betreuung von Kindern, aber auch, was die Betreuung älterer Familienmitglieder betrifft.

Schließlich müsse es für gute Arbeit gute Löhne von mindestens 8,50 Euro geben, um der Altersarmut vorzubeugen. Die Arbeitswelt müsse „altengerecht umgebaut” werden, damit „so viele Menschen wie möglich so lange wie möglich erwerbstätig sein können”. Dabei vergaß Schmidt nicht ihre Forderung nach einer Mindestrente für all diejenigen, die mindestens 35 Jahr in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Wichtig seien zudem die Themen Integration und Inklusion. „Es müssen Strukturen geschaffen werden, damit jeder das Beste aus seinem Leben machen kann”, so Schmidt.

Dann widmete sich die ehemalige Gesundheitsministerin vor den 60 Zuhörern der Gesundheitspolitik: Wichtig sei hier vor allem, eine Versorgungsstruktur „vom Patienten her” aufzubauen. Und es könne nicht sein, dass es auf Ausbildungs- oder Studienplätze für medizinische Berufe derzeit noch einen Bewerberüberschuss gebe.

Das Potenzial ausschöpfen

Ihre Forderung: eine „Offensive für die nächsten zehn Jahre”, in der jeder, der in einen Gesundheitsberuf wolle, auch eine Chance erhalte. „Wir müssen das Potenzial ausschöpfen!”, erklärte Schmidt. Weiter erläuterte sie die Forderung nach einer Bürgerversicherung, bei der jeder den gleichen Prozentsatz für Gesundheit und Pflege zahle. Mit Blick auf die Pflege erteilte sie schließlich der „Minutenpflege” eine deutliche Absage. Hier müsse ein ganzheitlicher Ansatz her, lobte sie die Idee der Pflegestützpunkte, von denen sie sich allerdings wesentlich mehr wünscht.