Kreis Düren: Trotz Dürre: In der Rur ist alles im Fluss

Kreis Düren: Trotz Dürre: In der Rur ist alles im Fluss

Die Jahre 1934 bis 1938 waren für den Kreis Düren von enormer Bedeutung. Das ist mittlerweile fast verloren gegangenes Wissen. Im Moment wird aber ganz besonders deutlich, wie wichtig das ist, was in diesen fünf Jahren gebaut wurde: die Rurtalsperre Schwammenauel.

„Angesichts dieser Hitzeperiode ist es ziemlich wahrscheinlich, dass die Rur ohne den Staudamm mittlerweile trocken gefallen wäre“, sagt Heinrich Gras von der Unteren Wasserbehörde des Kreises Düren, während er in der Nähe von Selhausen steht, da, wo der Krauthausen-Jülicher Mühlenteich aus der Rur abgezweigt wird. „Alles fließt“, könnte sein Fazit nach dem Kontrollbesuch sein. Die Rur sieht aus wie immer, kühl wie immer. „Wenn die Staudämme in der Eifel nicht wären, könnte man im Moment problemlos durch die Rur gehen“, sagt er.

Die Zahlen des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER) bestätigen das. „Im Moment gelangen 460 Liter Wasser pro Sekunde in den Rursee“, sagt WVER-Sprecher Marcus Seiler. Das sind Tropfen angesichts des Fassungsvermögen von 203 Millionen Kubikmetern. Und das ist gut so.

Den Extremfall kompensieren

„Die Stauseen kompensieren den Extremfall“, sagt Seiler. So wie im Moment, wenn 460 Liter Wasser, also 0,46 Kubikmeter pro Sekunde in den See gelangen, aber 7,5 über die Talsperre in die Rur abgegeben werden. Durch Jülich fließen im Moment knapp zehn Kubikmeter pro Sekunde. Das ist mehr als an der Staumauer, weil einmündende Flüsse wie die Inde ihr Wasser in die Rur abgeben.

Würden nur die 0,46 Kubikmeter pro Sekunde in Jülich ankommen, dann wäre von der Rur nicht viel übrig. Die Minus-Rechnung verkraftet der Rursee gut. „Er hat im Winter und Frühjahr ziemlich viel Wasser gesammelt“, sagt Gras. 172 Millionen Kubikmeter waren es am 14. Juni, gestern dann noch 143,58. Laut Seiler kein Problem, dafür seien die Staudämme da, um Extremfälle aufzufangen.

Das gilt auch für den Umkehrschluss. „Im Januar 2002 hatten wir so einen Fall. Da sind 215 Kubikmeter pro Sekunde in den See geflossen“, sagt Seiler mit Blick in die Historie der Aufzeichnungen. Hätte man die eins zu eins in die Rur abgegeben, dann wäre vielerorts, vor allem aber im flachen Jülicher und Heinsberger Land, Land unter gewesen. Deswegen gibt es nicht nur eine Mindestmenge von fünf Kubikmetern pro Sekunde, die der WVER in die Rur abgibt, sondern auch eine Obergrenze von 60.

Anfang des Jahres war zu sehen, wie sich das auswirkt, wenn in Jülich 60 Kubikmeter pro Sekunde ankommen, plus die anderen Zuflüsse. „Wir reden schnell von mehr als 80“, sagt Seiler. Dann ist der Ruruferradweg unter Wasser und der Barmener Driesch wird zu einer Seenplatte. Die Folgen von 250 Kubikmetern wären wohl Hochwasser, das auf Dörfer und Städte übergreift. Auch deswegen hatte der Wasserbauingenieur Prof. Otto Intze aus Aachen die Idee, in der Eifel Talsperren einzurichten. Die erste war die 1905 fertiggestellte Urfttalsperre.

Mit dem industriellen Wachstum vor allem der Dürener Papierindustrie wuchs der Bedarf an kontrollierbaren Wassermengen für die Produktion. Deshalb entstanden weitere Talsperren. Und deshalb kann die Hitzeperiode der Rur nichts anhaben. Auch der Wasserqualität nicht. Das Wasser, das aus dem Rursee in die Rur fließt, wird tief entnommen, ist deswegen kühl und reich an Sauerstoff. Kein Hitze-Problem also für die Flussbewohner.

Feuchtgebiet am Altarm

Die Rur, die im Sommer also nicht zu wenig und im Winter nicht zu viel Wasser führt, hat noch eine weitere wichtige Funktion: Sie hält das Grundwasserniveau. Zudem sind entlang des Rurlaufs Feuchtgebiete entstanden wie der Pierer Wald zwischen Krauthausen und Selhausen. Gespeist wird das Gebiet mit Rurwasser, das aus dem Krauthausen-Jülicher Mühlenteich abgezweigt wird. Mit einem computergesteuerten Messsystem überwacht die Untere Wasserbehörde ständig, ob der Spiegel passt.

Oder die Mitarbeiter machen eine Sichtkontrolle. Beispielsweise tief drin im Pierer Wald, wo der Altarm der an dieser Stelle begradigten Rur aufgrund des abgezweigten Wasser wieder vollgelaufen und zum Biotop für Biber und Reiher geworden ist. An einer Stelle ragt eine Skala aus dem Wasser. Gras sieht sie und vermerkt, dass das Wasser hier zwar kaum fließt, der Pegel aber passt.

Was nicht passt, sind Fälle von Wasserdiebstahl, die die Untere Wasserbehörde in diesem Jahr erstmals seit langer Zeit wieder registriert. „Die Not ist angesichts der langen Trockenperiode wohl sehr groß“, mutmaßt Gras. Einige Fälle seien bekannt geworden, bei denen illegal aus kleinen Nebenflüssen mit Pumpen Wasser abgezapft wird. „Dabei sind wir gerade sehr kulant und unbürokratisch und erteilten den Landwirten beispielsweise schnell eine Sondergenehmigung, ihre Wassertanks an der Rur aufzufüllen“, sagt Gras.

Das permanente, illegale Abzapfen sei ein Problem, wenn kleinere Flüsse ohnehin kurz vor dem Trockenfallen stehen. Dem Birgeler Bach ist das jetzt im Unterlauf passiert. Und der in der Drover Heide entspringende Ellebach führt auch nur noch teilweise Wasser. Weitere kleinere Flüsse könnten folgen. Sie alle haben keine Talsperre.

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