Städteregion: Traumjob im Betreuungszentrum: Erfolgsgeschichte mit Seltenheitswert

Städteregion: Traumjob im Betreuungszentrum: Erfolgsgeschichte mit Seltenheitswert

Es gibt Menschen, denen sieht man auf den ersten Blick an, dass sie glücklich sind. Jasmin Kull gehört derzeit zu diesen. Denn die 29-Jährige hat im Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion in Eschweiler eine unbefristete Stelle gefunden. Das mag — wieder auf den ersten Blick — zunächst nichts Besonderes sein bei einem Arbeitgeber, der 279 Frauen und Männer beschäftigt und 240 Senioren betreut.

Und doch ist die Geschichte von Jasmin Kull keine wie jede andere. Schließlich gehört die Stolbergerin zu den immer noch recht wenigen Menschen mit Handicap, die den sogenannten ersten Arbeitsmarkt erreichen. Auch für Jasmin Kull, die eine psychische Behinderung hat, war es ein langer Weg. Doch jetzt ist sie am Ziel. Und sie stellt fest: „Mir geht es richtig gut.“

Wesentlichen Anteil daran haben die Bildungsbegleiter und Integrationsassistenten der Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH (CBW). Sie haben die junge Frau seit September 2008 zunächst in den eigenen Werkstätten und anschließend auf ihrem schrittweisen Übergang in einen „richtigen“ Job begleitet.

Dabei kam die ganze Angebotspalette der CBW zum Tragen: der Übergang von der Schule in die Werkstatt, mehrere Berufsbildungsmaßnahmen — in diesem Fall in der Näherei, der Küche und der Wäscherei —, externe Praktika — zunächst in der Küche einer Kita, danach im Senioren- und Betreuungszentrum —, ein betriebsintegrierter (und damit weiterhin von der CBW betreuter) Arbeitsplatz in der Eschweiler Einrichtung und schließlich die Übernahme in ein dauerhaftes sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis.

1230 Frauen und Männer mit einer geistigen oder psychischen Behinderung sind momentan in den acht Werkstätten an sechs Standorten der CBW beschäftigt. Doch kaum jemand schafft das, was Jasmin Kull gelungen ist, die Quote beträgt weniger als ein Prozent. Das liege einerseits daran, dass viele der Beschäftigten auf dem ersten Arbeitsmarkt überfordert wären, räumt Michael Doersch ein.

Andererseits aber, bemängelt der CBW-Geschäftsführer, scheitere der Versuch in manch hoffnungsvollem Fall immer noch daran, dass es zu wenig Unternehmen gebe, die bereit seien, betriebsintegrierte oder gar sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zur beruflichen Integration behinderter Menschen einzurichten — der am 3. Mai 2008 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention zum Trotz. „Der finale Schritt ist immer noch dramatisch schwierig“, sagt Doersch.

Die mühsame Suche nach Partnern wurmt den Geschäftsführer: „Der Unternehmer muss das Herz am rechten Fleck haben“, formuliert er zunächst vorsichtig, um dann doch deutlicher zu werden: „Wir brauchen viel mehr Unternehmer, die verinnerlicht haben, dass Menschen mit Behinderung zu unserer Gesellschaft gehören.“

„Leuchtturmprojekte setzen“

Jasmin Kull hat diesen und damit ihr Glück gefunden. Er heißt Bernhard Müller, ist Verwaltungsdirektor und Leiter des Senioren- und Betreuungszentrums in Eschweiler und mit „seiner“ neuen Mitarbeiterin sehr zufrieden. „Ich sehe uns als öffentliche Einrichtung in der Pflicht“, betont Müller und stellt fest: „Man muss bereit sein, ein paar Leuchtturmprojekte zu setzen.“

Die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung gehört für ihn dazu. Den Anfang hat die Einrichtung, die von der Städteregion betrieben wird, mit der Schaffung von zwei Praktikumsplätzen in den Bereichen Haustechnik und Hauswirtschaft gemacht, später kamen zwei weitere in der Wäscherei hinzu. Für Jasmin Kull wurde aus dem Praktikums- zunächst ein integrierter Arbeitsplatz. Und dann „der erste Fall der Übernahme“, wie der Verwaltungsdirektor stolz verkündet.

Es soll nicht der letzte sein. „Wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Die Menschen mit Behinderung sind immer sehr zuverlässig“, betont Müller. Deshalb will er seine Bemühungen um die berufliche Eingliederung weiter intensivieren. Und einen Beitrag dazu leisten, dass die Geschichte von Jasmin Kull irgendwann keine ganz besondere mehr sein wird.