Wassenberg: „Thomassen-Kreuz” verweist auf Stadtgeschichte

Wassenberg: „Thomassen-Kreuz” verweist auf Stadtgeschichte

Der kürzlich in Betrieb genommene Neu- und Erweiterungsbau der Geschäftsstelle der Volksbank Erkelenz-Hückelhoven-Wegberg fügt sich dem Geschäfts- und Verkehrsbereich der Graf-Gerhard-Straße harmonisch ein. Passanten und Besuchern fällt seit einigen Tagen selbst im dichten Straßenverkehr der B221 Innenstadt ein „Ruhepunkt” auf, der zu denken gibt und vor allem ältere Wassenberger an eine „Familienstätte” erinnert, die als eines der ältesten Häuser mit der Stadtgeschichte eng verbunden ist.

Das auch dem Passanten direkt ins Auge springende Schmiedekreuz schuf der im Krieg gefallene junge Schmiedemeister Michael Thomassen vor seiner Einberufung als ständige Erinnerung an sein Elternhaus, das einst neben dem „Brühltor” innerhalb der Stadtmauer eine besondere Funktion auch als „Wachpunkt” hatte.

Das Thomassen-Haus wurde in den 70er Jahren abgebrochen. Hier wurde die „neue” Volksbank errichtet. Das Thomassen-Kreuz erhielt einen neuen Platz am seitlichen Gebäudeteil in einer Fensternische. Bei den jetzigen Neubaumaßnahmen wurde das Kreuz im Kellergeschoss „verwahrt”. Die Belegschaft in der Volksbank mit Roman Beulen, Heinz-Willy Steinwartz, Herbert Wieder, Claudia Klingen und Nadine Wöbel setzte sich dafür ein, das Thomassen-Kreuz an markanter Stelle des Eckgiebels zum Nachbarhaus für jeden Verkehrsteilnehmer, der „von Süden” kommt, sichtbar zu platzieren.

Das Kreuz fällt direkt ins Auge. Viele Passanten sind angetan von der Idee und der Art der Ausführung. Das „Brühltor” ist ein interessanter Aspekt der Stadtgeschichte. In den „Pestjahren” des ausgehenden Mittelalters wurde am „Brühltor”, einem der drei Stadttore am südlichen Stadteingang, die „Pestfahne” gehisst. Wenn sie geflaggt wurde, war Gefahr im Verzug. Niemand durfte die Stadt betreten. Bei den „Viertelsfesten” im südlichen Stadtteil „Brühl” wird die „Pestfahne” mit weißem Kreuz auf schwarzem Grund im folkloristischen Sinne auch heute noch mitgeführt.

Im Karneval wurde das Thema schon mehrfach von der „Schwatten Brühl” des öfteren angezeigt. Für Familie Thomassen, die generationenlang auch die Dachziegelherstellung der „Wassenberjer Pann” in den Kleikaulen bei „Tante Luzie” betrieben hat, hatte das Kreuz des Bruders immer eine besondere Bedeutung. Heute mahnt es zur Vorsicht im Straßenverkehr und zum Nachdenken über Gefahren, die vermeidbar sind.