Kreis Düren: Thomas Rachel: Ein Moderator, der die Sacharbeit liebt

Kreis Düren: Thomas Rachel: Ein Moderator, der die Sacharbeit liebt

Seit zehn Jahren ist Thomas Rachel (53, CDU) Parlamentarischer Staatssekretär im Bildungs- und Forschungsministerium in Berlin. Im Gespräch berichtet er über seine Arbeit und erzählt, warum dies sein Traumberuf ist.

Seit wann war Ihnen klar, dass Sie Politik als Beruf ausüben möchten?

Thomas Rachel: Das ist mir eigentlich erst klar geworden, als ich das erste Mal für den Bundestag kandidiert habe. Ich habe mich vorher zwar immer in Düren politisch engagiert, ein Beruf sollte dies eigentlich nicht werden.

Sondern? Sie haben Geschichte, Staatsrecht und Politikwissenschaften studiert.

Rachel: Mit diesen Fächern kann man in ganz vielen Bereichen tätig sein, zum Beispiel bei Verbänden, Institutionen, dem Goethe-Institut oder dem Auswärtigen Dienst. Ich selbst habe für einen großen Wirtschaftsverband gearbeitet.

Warum haben Sie für den Bundestag kandidiert?

Rachel: Es sollte im Kreis Düren einen Generationswechsel geben. Dabei habe ich viel Unterstützung erfahren. Bildungs- und Innovationspolitik haben mich schon immer sehr interessiert, und ich bin direkt in den Bildungs- und Forschungsausschuss gegangen, was eine sehr glückliche Fügung war.

Sie sind seit 21 Jahren Bundestagsabgeordneter. Es scheint also, dass Politik Ihr Ding ist.

Rachel: Stimmt. Die Aufgabe ist sehr spannend. Man hat viel mit Menschen zu tun und muss sich ständig auf neue Themen und Herausforderungen einstellen. In dem Bereich, in dem ich arbeite, muss ich jeden Tag hinzulernen, weil die Wissenschafts- und Forschungsentwicklung rasant ist. Manche Dinge, über die wir vor zehn Jahren diskutiert haben, sind heute real. Mit manchem, worüber wir heute nachdenken, werden wir es in einigen Jahren zu tun haben.

Wie wird man Parlamentarischer Staatssekretär?

Rachel: Indem die Kanzlerin einen fragt und man in dieses Amt berufen wird.

Warum hat Frau Merkel Sie gefragt?

Rachel: Ich war viele Jahre Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Bildungs- und Forschungspolitik. Die Kanzlerin wusste, dass ich mich in dem Bereich gut auskenne, kompetent bin und auch etwas einbringen kann.

Mussten Sie lange überlegen, bis sie Ja gesagt haben?

Rachel: Ja, ich habe schon überlegt und dies mit meiner Frau besprochen. Das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs der Bundesregierung ist eine deutliche Veränderung, bedeutet viel mehr Verantwortung und mehr Arbeit. Als Staatssekretär ist man nicht mehr ausschließlich Herr seines eigenen Terminkalenders. Wobei man ein solches Amt schon mit einer gewissen Ehrfurcht übernimmt. Das ist eine umfassende Aufgabe.

Was kommt denn auf einen zu? Oder anders gefragt: Welche Aufgaben hat ein Staatssekretär?

Rachel: Als Parlamentarischer Staatssekretär vertritt man in gewisser Weise die Ministerin. Minister leiten mit beamteten und Parlamentarischen Staatssekretären ein Bundesministerium. Unseres hat 1000 Mitarbeiter. Die Ministerin vertrete ich bei Kabinettssitzungen, europäischen Forschungsministergipfeln und regelmäßig im Bildungs- und Forschungsausschuss des Parlaments. Außerdem ist es meine Aufgabe, die Meinungen der Koalitionspartner SPD und CDU/CSU zu bündeln. Bereits in der dritten Koalition darf ich als Parlamentarischer Staatssekretär arbeiten. Handeln kann die Regierung nur, wenn es einen Konsens gibt. Es ist ein Stück meine Aufgabe, den zu befördern.

Das heißt, Sie sind ein guter Moderator?

Rachel: Wahrscheinlich ja. Im Ministerium verantworte ich auch die internationale Zusammenarbeit, also die Kooperation mit Ländern wie Russland, Griechenland und Israel. Da gehört sehr viel Fähigkeit dazu, mit anderen Menschen und anderen Kulturen umzugehen. International läuft Politik vollkommen anders als in Deutschland. Das Moderierende taucht auch da wieder auf.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Rachel: Das Schöne ist, dass man durch die enge Zusammenarbeit mit der Ministerin Themen, neue Fragestellungen und Vorhaben mit entwickelt und mit prägt. Das können Sie in keiner anderen Funktion.

Außer als Minister selbst. Ist das Amt des Staatssekretärs für Sie Sprungbrett für ein Ministeramt?

Rachel: Nein. Ich bin glücklich mit der Aufgabe, die ich habe. Mich interessieren die Themen. Solange ich die Qualifizierung junger Menschen und Innovationen stärken kann, bin ich zufrieden. Ich möchte Sacharbeit machen, und diese Themen voranbringen.

Lässt die große Verantwortung Sie manchmal nicht ruhig schlafen?

Rachel: Doch. Als Staatssekretär muss man hart und intensiv jeden Tag von morgens früh bis abends spät arbeiten. Das mache ich aber gerne. Der Beruf ist oft mit viel Kontroversen verbunden. Das gehört zur Politik. In der Sache tausche ich mich gerne aus, es darf nur nicht ins Persönliche gehen. Was mich im Augenblick aber beschäftigt und auch nicht schlafen lässt, ist die Flüchtlingskrise. Das ist eine wahnsinnige Herausforderung für unsere Gesellschaft, aber besonders für Europa insgesamt.

Gehören Sie in der Flüchtlingsfrage zu den Kritikern der Kanzlerin?

Rachel: Nein! Sie hat in der Sache vollkommen richtig entschieden. Es handelt sich um eine humanitäre Notsituation. Denen, die aus politischen, religiösen oder rassischen Gründen verfolgt werden, sind wir moralisch verpflichtet zu helfen. Trotzdem müssen wir sehen, dass unsere Möglichkeiten insgesamt begrenzt sind.

Die Sorgen bei der Bevölkerung sind groß, mancherorts sind rechte Tendenzen deutlich spürbar.

Rachel: Das ist richtig und besorgniserregend. Den Schalter, um das Problem zu lösen, gibt es aber nicht. Die Gesellschaft muss die Kraft haben, nicht den einfachen Antworten hinterherzulaufen. Das geht nur mit einem Bündel von Maßnahmen. Die Menschen, die aus anderen als politischen Gründen zu uns kommen, können wir nicht aufnehmen. Sie müssen in ihre Heimat zurückkehren. Es ist richtig, dass wir in den Erstaufnahmeunterkünften mehr Sach- und weniger Geldleistungen ausgeben. In den Balkanländern verdienen die Menschen in einem Monat teilweise weniger als wir an Unterstützungsleistungen zahlen. Das schafft falsche Anreize. Es muss zudem eine europäische Gesamtaufgabenteilung geben. Europa steht vor einer großen Bewährungsprobe. Alle Länder sind verpflichtet, ihren Beitrag zu leisten. Und es muss wieder geschützte europäische Außengrenzen geben.

Wo ist Ihr Lebensmittelpunkt, in Düren oder in Berlin?

Rachel: Mein Lebensmittelpunkt ist in Düren. Natürlich bin ich auch in Berlin und im Übrigen in ganz Deutschland unterwegs.

Wie nah dran sind Sie an dem, was die Menschen in Ihrem Wahlkreis bewegt?

Rachel: Sehr nah, weil ich ganz viel von den Menschen erfahre. In den Betrieben, Schulen und sozialen Einrichtungen im Kreis Düren berichten mir die Menschen, was sie bewegt.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Rachel: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich glaube, man kann auch so lange nicht im Voraus planen. Aber im Augenblick bin ich sehr zufrieden mit dem, was ich tue und sehr motiviert.