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Vorträge und Ausstellung: Aktionstag zur Woche des Sehens

Vorträge und Ausstellung : Aktionstag zur Woche des Sehens

Der Sehbehindertenverein des Kreises Heinsberg lädt am Samstag, 8. Oktober, von 10 bis 16 Uhr in die Aula der städtischen Realschule in Geilenkirchen. Was geplant ist.

Vorträge und eine Ausstellung mit Hilfsmitteln prägen den Aktionstag, zu dem der Blinden- und Sehbehindertenverein des Kreises Heinsberg am Samstag, 8. Oktober, von 10 bis 16 Uhr in die Aula der städtischen Realschule in Geilenkirchen, Gillesweg 1, einlädt. Vorsitzender Rolfs Herfs und sein Team haben zum Auftakt der Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober ein interessantes Programm zusammengestellt für Menschen, die blind geboren sind, die im Laufe ihres Lebens ihre Sehfähigkeit verloren haben oder deren Sehvermögen stark eingeschränkt ist.

Nach der Begrüßung um 10 Uhr informiert ein Augenarzt über die gängigsten Augenerkrankungen und beantwortet auch die Fragen seiner Zuhörer. „Wieder mobil und fit für den Alltag trotz Sehverlust“ lautet um 12 Uhr das Thema eines Rehabilitationslehrers des Blinden- und Sehbehindertenverbands Nordrhein. Er stellt Möglichkeiten der Schulung in puncto Orientierung und Mobilität vor, „aber auch für ganz lebenspraktische Fähigkeiten wie zum Beispiel Kochen“, erklärt Herfs. Über Leistungen für schwerbehinderte Menschen informiert das Amt für Behindertenangelegenheiten des Kreises Heinsberg ab. Um barrierefreie Haushaltsgeräte geht es in einem Vortrag, der um 13.45 Uhr beginnt.

Weiterhin gibt es beim Aktionstag Informationen zur Schlaf-Wach-Rhythmusstörung Non-24 und über die Möglichkeiten für blinde und sehbehinderte Menschen, sich auch sportlich zu betätigen, etwa beim Schießen nach Gehör. „Wir als Ausrichter sind auch mit einem eigenen Stand und mit unserer Blickpunkt-Auge-Beratung vor Ort und freuen uns auf gute Gespräche“, sagt Herfs. Wissenswertes gibt es zudem über die Hörbücherei in Münster und von einem Optiker aus Düren, der Experte im Bereich „Low Vision“ ist. „Da gibt es gar nicht so viele“, weiß der Vereinsvorsitzende.

Oft sind es die ganz kleinen Hilfsmittel, die eine große Wirkung haben. Dieser kleine Ständer fürs Smartphone hilft zum Beispiel beim Scannen von Dokumenten.
Oft sind es die ganz kleinen Hilfsmittel, die eine große Wirkung haben. Dieser kleine Ständer fürs Smartphone hilft zum Beispiel beim Scannen von Dokumenten. Foto: Anna Petra Thomas

Neben den Vorträgen und Beratungsangeboten bietet der Aktionstag Informationen zu Hilfsmitteln an Infoständen im Bereich vor der Aula. Dabei werden zum Beispiel elektronische Alltagshilfen vorgestellt. Während Herfs selbst, von Geburt an erblindet, an seinem Computer unter der normalen Tastatur eine sogenannte Braillezeile hat, die ihm die getippten Zeichen in Brailleschrift darstellt, würden Menschen, die erst später ihre Sehkraft verlieren würden, eher die Sprachausgabe nutzen, berichtet er.

Aber auch viele weitere elektronische Hilfe hat er in seinem Alltag schon getestet. So hat er zum Beispiel ein Farberkennungsgerät, dass er nur auf seinen Pulli halten muss, damit ihm eine Stimme in dem Gerät die Farbe sagt. Mit einem anderen Gerät erfährt er je nach Ton, ob er das Licht ausgeschaltet hat oder nicht. Interessant demonstriert er auch die Fähigkeiten sogenannter sprechender Etiketten. So kann er zum Beispiel Dosen mit Lebensmitteln „beschriften“. Wenn er später einen Stift auf das Etikett hält, gibt dieser dessen Informationen mittels Sprache wieder aus. Und manchmal kann man sich auch selbst im Alltag helfen, wie Herfs in seiner eigenen Küche zeigen kann. Kleine, klebende Gumminoppen, wie es sie im Baumarkt gibt und wie sie normalerweise zum Beispiel als kratzfeste „Füsschen“ für Blumen-Übertöpfe eingesetzt werden, könne man auch selbst als Markierungspunkte für die Bedienknöpfe des Elektroherds nutzen, weiß er.

Nicht zuletzt hält Herfs den Aktionstag aber auch schon allein deshalb für wertvoll, weil er betroffenen Menschen ermögliche, den Verein kennenzulernen und mit seinen Mitgliedern ins Gespräch zu kommen. Informieren will der Verein dabei auch über weitere Angebote, etwa einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für blinde oder sehbehinderte Menschen. „Im Ernstfall muss jeder etwas tun können“, sagt Herfs dazu. Einen weiteren Kurs bietet der Verein zum Beispiel zur Bedienung von Smartphones mittels Sprache an. „Nicht jedes ist etwas für jeden“, so sein Credo. „Man muss es einfach ausprobieren.“ Dabei sei auch die Haptik ganz wichtig. „Menschen sollten sich nicht verlassen fühlen, sondern sich mit ihren Möglichkeiten beschäftigen.“