Kreis Heinsberg: Teddybärentag der Selfkantbahn: Kuscheltiere werden schnell geheilt

Kreis Heinsberg: Teddybärentag der Selfkantbahn: Kuscheltiere werden schnell geheilt

Was genau dem Tiger von Lisa Marie widerfahren war, wusste die junge Dame nicht so wirklich. Was dem plüschigen Kuschelkumpel fehlte, dafür umso besser. „Da hat er ein Loch, am ­Rücken“, sagte das Mädchen zu Kai Blüthmann vom Jugendrotkreuz. Zum Glück hatte Lisa Marie mit ihrem Papa den Weg zum Teddybärentag der Selfkantbahn gefunden.

Kinder, die ihr Kuscheltier mitgebracht hatten, durften an diesem Tag gratis mitfahren — und die ­Teddybären natürlich sowieso. Und wer wollte, durfte nach der schönen Ruckelfahrt mit der herrlich entschleunigenden Bahn zwischen Gillrath und Schierwaldenrath in der Ausstellung der Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr (IHS) auch sein Kuscheltier einmal auf Herz und Nieren untersuchen lassen.

Der Tiger von Lisa Marie hat ein Loch am Rücken, muss aber erst einmal abgehört werden. Foto: Markus Bienwald

Dass die jungen Damen und Herren des eigens dort aufgebauten Teddybärenkrankenhauses vom Jugendrotkreuz (JRK), der Jugendorganisation des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), eine Notfallpraxis, die auf alles eingerichtet war, hatten, erwies sich als Glücksfall. So wurde bei Lisa Maries Tiger das Loch schnell diagnostiziert, und auch, was zu tun war, hatten die findigen Helfer schnell raus. „Der Tiger muss genäht werden“, stellte Julia Schuhwirth fachfraulich fest. „Wir sind hier vor Ort mit einem Aufbau, der sich ganz an dem großen Vorbild orientiert“, so Kai Blüthmann, Gruppenleiter des JRK.

Das große Vorbild ist eine so oder ähnlich beispielsweise bei Großveranstaltungen zu findende Erste-Hilfe-Station. Allerdings war nun ausnahmsweise mal nicht die Hilfe für Zweibeiner, sondern für Patienten von vielerlei Couleur, Machart und unterschiedlichem Knuddelfaktor gefragt. Dass die plüschigen Patienten von Natur aus keinen Puls haben, machte in diesem Fall gar nichts aus. „Wir bieten hier das volle Programm: Von der Anmeldung über unser Wartezimmer, das dank der Selfkantbahn in einem waschechten Waggon eingerichtet wurde, bis zum OP und zur Apotheke ist alles dabei“, erklärte Blüthmann.

Er und sein Team nahmen zunächst auf einem Fragebogen die Namen von Teddy und Co. sowie der begleitenden und meist besorgten Person auf. Nach kurzer Wartezeit ging es weiter zur Aufnahme, wo erst einmal der Blutdruck gemessenund mögliche Verletzungen festgestellt wurden. Der Knüller war allerdings das „Röntgen“. „Wir haben hier selbstverständlich keinen Röntgenapparat im Einsatz“, so Blüthmann.

Aber ein Kollege hatte sich — zusätzlich zu den vielen ehrenamtlichen Stunden die in diese Idee des Teddybärenkrankenhauses investiert worden waren — noch per Grafikprogramm passende „Röntgenbilder“ entwickelt. „Wir haben alles: Vom Teddy über Delfine bis zu Einhörnern sind wir bestens ausgestattet“, freute sich der JRK-Vertreter über den Einsatzeifer seiner Kollegen.

Obwohl das Ganze für das JRK-Team, das an diesem Tag im Einstaz war, eine Premiere war, lief es routiniert, mit dem nötigen Ernst und ohne Panikattacken ab. „Wir wissen, wie wir mit den Kindern umgehen müssen“, versicherte Kai Blüthmann glaubhaft. Lisa Maries Tiger war gleich intern weiterverwiesen worden: an das OP-Team mit Julia Schuhwirth und Nathalie Uyanik.

Erstere hat schon viel Erfahrung mit Nadel und Faden gesammelt, „in der Schule“, wie sie auf Nachfrage erklärte. Ihre Kollegin schaute neugierig zu, während sie das Loch in Tigers Rücken heilemachte. Und tatsächlich durfte der Patient sehr zur Freude seiner Besitzerin und Begleiterin schon nach kurzer Verweildauer im OP kurze Zeit später als vollständig geheilt entlassen werden.

Das fand nicht nur der Papa von Lisa Marie richtig toll, auch die Gäste, die sich an einem Fenster zum OP einen Eindruck von der professionellen Arbeit des JRK-Teams machten, spendeten spontan Applaus. „Wir haben heute aber noch viel mehr Fälle reinbekommen: Da gab es Frakturen an Ohr und Pfote oder auch mal Bauchschmerzen“, berichtete Kai Blüthmann.

(mabie)
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