Tauchunfall: Vorstand des TuS Oberbruch als Zeuge am Amtsgericht

Heinsberg/Geilenkirchen: Tauchunfall: Vorstand des TuS Oberbruch als Zeuge am Amtsgericht

Da der Angeklagte im Prozess zum Tauchunfall am Lago Laprello am 2. Juni 2013 weiter schweigt, sind die Aussagen der Zeugen umso wichtiger. Das Schöffengericht am Amtsgericht Geilenkirchen unter dem Vorsitz von Richterin Corinna Waßmuth bohrte kräftig, um die Erinnerung der geladenen Zeugen beim Verhandlungstermin am Dienstag auszuloten.

Mehr als ein plätscherndes Rinnsal von Gedankenfetzen trat aber nicht zutage. Vor allem die Rechtsanwälte des als Nebenkläger auftretenden Vaters der damals verunglückten und inzwischen verstorbenen Taucherin nahmen die Zeugen ganz schön in die Zange.

Der Angeklagte hatte zusammen mit der damals 17-jährigen Verunglückten gemeinsam einen Tauchgang unternommen, der von der Tauchabteilung des TuS Oberbruch veranstaltet worden war. Gegenstand der Zeugenvernehmung war ein Schriftstück, das im Vorstand des TuS Oberbruch unmittelbar nach dem Unfall angefertigt worden war.

Das als Zeuge geladene Vorstandsmitglied des TuS berichtete, der Vorstand habe sich noch am Nachmittag des Unfalltages im Garten des Vorsitzenden des TuS Oberbruch zusammengesetzt, um eine Presseerklärung zu verfassen, in der auf das Unfallgeschehen eingegangen wurde.

In der auch in der Heinsberger Zeitung am 6. Juni 2013 veröffentlichten Presserklärung hatte der damalige 2. Vorsitzende des TuS das Unfallgeschehen so geschildert: „Beim Auftauchen am Ende des Tauchgangs verlor dieser (der Angeklagte, die Red.) seine Partnerin bei schlechter Sicht nur für Sekunden aus den Augen…“. Diese Schilderung kann eigentlich nur vom Angeklagten stammen.

Erinnerungslücken

Doch wie floss sie in die vom Vorstand des TuS verfasste Presseerklärung ein? Der Zeuge gab zwar an, diese Presserklärung handschriftlich verfasst und an den 2. Vorsitzenden weitergeleitet zu haben, mehr aber auch nicht. Mit dem Angeklagten selber habe er damals nicht gesprochen. Er könne sich auch nicht erinnern, ob der Angeklagte bei diesem Gespräch im Garten des 1. Vorsitzenden überhaupt zugegen gewesen sei.

„Von wem stammt die Aussage: Beim Auftauchen am Ende des Tauchgangs verlor dieser seine Partnerin bei schlechter Sicht nur für Sekunden aus den Augen“, fragte der Rechtsanwalt der Nebenklage nach. Der Zeuge verwies auf einen bereits als Zeuge gehörten Tauchlehrer des TuS Oberbruch, der an diesem Tag vor Ort gewesen sei.

Richterin Corinna Waßmuth fragte beim Zeugen ebenfalls nach: „Wissen Sie wirklich nicht, ob die Person, um die sich an diesem Tag alles drehte, dabei war?“ Die Erinnerungslücke des Zeugen in Bezug auf die Anwesenheit des Angeklagten füllte sich dennoch nicht. Richterin Waßmuth: „Alle, die bei diesem Gespräch dabei waren, wissen das offensichtlich nicht.“

Am nächsten Dienstag geht es weiter mit der mühsamen Wahrheitsfindung. Dann ist die Erinnerung weiterer Mitglieder des TuS Oberbruch gefragt. Die Nebenklage erwägt die Vereidigung bestimmter Zeugen.

(defi)
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