Kreis Düren: Talbot-Taunus geht auf zweite Jungfernfahrt

Kreis Düren: Talbot-Taunus geht auf zweite Jungfernfahrt

Langsam dreht Ewald Pohé an den Hebeln. Mit lautem Rattern läuft der Dieselmotor des Talbot-Taunus an. Die Signale für die zweite Jungfernfahrt des historischen Dieseltriebwagens stehen auf Grün. Langsam rollt der T1 vom Betriebsgelände der Rurtalbahn auf die Schienen in Richtung Zülpich.

„Künftig soll er als touristisches Zugpferd verstärkt auf dem Streckenabschnitt zwischen Düren und Heimbach zum Einsatz kommen”, erklärt Rurtalbahn-Geschäftsführer Hans-Peter-Nießen, der beim Anblick des restaurierten Eisenbahn-Schätzchens leuchtende Augen bekommt. „Wir sind derzeit dabei, einen passenden Fahrradanhänger aufzubauen”, freut sich Nießen bereits darauf, die ersten Gruppen mit ihren Rädern am Wochenende in die Eifel bringen zu können.

Der 1952 gebaute T1, der bis zur Einstellung der Strecke Jülich-Puffendorf im Linienverkehr für die damalige Jülicher Kreisbahn im Einsatz war und heute das einzige noch erhaltene Exemplar einer bescheidenen Serie von einmal drei Fahrzeugen ist, soll aber auch angemietet werden können - von Firmen und Vereinen für Feiern und Ausflugsfahrten, erklärt Nießen.

Allerdings müssen die Fahrgäste auf Komfort weitgehend verzichten. Der Talbot-Taunus, der in der Ausbildungswerkstatt des heute zum Bombardier-Konzerns gehörenden Aachener Talbotwerks in über 3000 Arbeitsstunden im Rahmen eines Ausbildungsprojekts restauriert wurde, verfügt weder über eine erste noch über eine zweite Klasse. Holzklasse ist angesagt. Dafür aber bietet der 14 Meter lange T1 immerhin 61 Fahrgästen einen Sitzplatz.

In den letzten Wochen wurde der T1 von der Rurtalbahn noch mit modernster Zugsicherungstechnik ausgestattet. Für Triebwagenführer Ewald Pohé bleibt trotzdem noch reichlich Handarbeit übrig. Während der gesamten Fahrt muss er beispielsweise den Totmannschalter gedrückt halten. Lässt er ihn auch nur für fünf Sekunden los, stoppt der Triebwagen automatisch.

Für die Renaissance des T1 stand das Lokale Aktionsgruppe Eifel (LAG) Pate. Sie hat die Wiederauferstehung mit rund 35.000 Euro aus den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln des EU-Leader-Programms zu fördern. Leader ist ein Förderschwerpunkt der Europäischen Union für ausgewählte Regionen von 2007 bis 2013. In diesem Zeitraum kann die LAG jährlich innovative Projekte wie das touristische Zugpferd T1 fördern.

Nach gut 90 Minuten war die Jungfernfahrt beendet. Jetzt wartet der T1 auf dem Betriebsgelände der Rurtalbahn auf seinen ersten regulären Einsatz. Zeit, die Ewald Pohé auf jeden Fall noch zur Schulung von Kollegen nutzen will. Denn zurzeit ist der Betriebsleiter der Rurtalbahn der einzige, der den „T1” mit seiner historischen Technik beherrscht.

Mehr von Aachener Zeitung