Kreis Düren: Symposium der „Aktion für gutes Bauen”

Kreis Düren: Symposium der „Aktion für gutes Bauen”

Benedikt Stahl ist unbestreitbar ein kluger Kopf. Vor allem hat der Experte für künstlerisch und sozial gelungene Häuser, der sein Büro in Düsseldorf unterhält und zudem an der Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn unterrichtet, einen unschätzbaren Vorteil: Er kann sich so ausdrücken, dass sich das Gesagte nicht nur Architekten-Kollegen erschließt.

Von daher hat sich die „Aktion für gutes Bauen”, eine inhaltlich autonome Projektgruppe unter dem organisatorischen Dach des Kunstfördervereins Kreis Düren, das denkbar schönste Jubiläumsgeschenk gemacht: Zum zehnten Symposium der Aktion von Architekten und Bauingenieuren hielt der Kenner der Materie einen Vortrag über das Thema „Was ist in der Architektur der Gegenwart gute Gestaltung?”

Stahls Referat bestach vor allem durch die Plastizität der Sprache und Gedankenführung. Dass Stahl bei seinen Zuhörern derart gut ankam, war vor allem den reichlich eingestreuten Berichten von den Exkursionen, die den Architekten und seine Studenten aus dem Hörsaal herausgeführt hatten. Zwischen alle seine Worte streute der Referent projizierte farbige Zeichnungen und Aquarelle an die Wand des Vortragssaales im City-Karree der Sparkasse ein - die Ebene der Kommunikation von Wissen und Erfahrung, durch den der ausgefeilte Vortrag eine zusätzliche, sinnlich fassbare Ebene erhielt.

Was Benedikt Stahl, übrigens Schüler des Dürener Architekten Wolfgang Meisenheimer an der Fachhochschule Düsseldorf, unter einem gelungenen Bau versteht, illustrierte er mit einem Bericht von seinem Besuch in der Hagia Sophia. Nach muslimischer Sitte musste er im Vorraum die Schuhe ausziehen. Das gab ihm „das Gefühl, das hier jemand wohnt”. Und mit seiner Darstellung des Palazzo Farnese in Rom bebilderte Stahl die Erkenntnis: „Gute Architektur kann alt werden.”

Die Leitfrage für eine Kultur, die werthaltiges Bauen trägt und ermöglicht, müsse lauten: „Ist man auf gute Architektur stolz?” Der Professor am Rednerpult sprachs und zeigte Bilder von gelungenen Häusern in Amsterdam und Rotterdam. Denn auch so lautet eine seiner Leitlinien: „Von den Nachbarn lernen.” Seine Schlussfolgerung: „Das Eingehen auf den Ort ist ein wesentliches Kriterium für gute Architektur.” Der Dürener Aktion maß Stahl einen hohen Stellenwert beim Prozess bei, mehr Qualität in den öffentlichen wie privaten Raum zu tragen: „Zu den schlimmsten Eigenschaften unserer Spezies zählt schließlich Gleichgültigkeit.”

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