Neue Serie bei RTL+: „Das Haus der Träume“: Süffige Kaufhaus-Saga im Stil der 1920er Jahre

Neue Serie bei RTL+: „Das Haus der Träume“ : Süffige Kaufhaus-Saga im Stil der 1920er Jahre

Mit der verschwenderischen Familiensaga „Das Haus der Träume“ gelingt RTL+ eine Zeitreise in die Goldenen Zwanziger. Das Niveau von „Babylon Berlin“ wird allerdings nicht erreicht.

Berlin in den Goldenen 20er Jahren: Der jüdische Unternehmer Arthur Grünberg (Alexander Scheer) will im bitterarmen Scheunenviertel ein neues Warenhaus eröffnen. Hier im „Jonass“ sollen sich dank Ratenzahlung auch kleine Leute große Träume erfüllen können – doch der Weg bis zur Eröffnung ist steinig.

Mit der Historienserie „Das Haus der Träume“ erzählt der Streamingdienst RTL+ eine verschwenderisch ausgestattete Familiensaga aus der Weimarer Republik. Sie stammt von derselben Produktionsfirma wie der Megaerfolg „Babylon Berlin“ und schildert das Leben in der pulsierenden Metropole am Beginn einer Zeitenwende.

Im Mittelpunkt stehen der Alltag einer jüdischen Familie am Vorabend der NS-Diktatur und die Liebe zwischen einem Unternehmersohn und einer armen Angestellten. Die junge Vicky Maler (Naemi Florez), die Heldin der Serie, kommt aus der Provinz nach Berlin und ergattert eine Stelle als Verkäuferin im „Jonass“.

Sie verliebt sich in den scheinbar mittellosen Barpianisten Harry (Ludwig Simon) und erfährt erst viel später, dass er der Sohn des Kaufhausgründers Arthur Grünberg ist. Da ist sie schon von Harry schwanger – doch eine Ehe zwischen ihnen ist aus verschiedenen Gründen undenkbar.

Ein weiterer Handlungsstrang rückt Arthur Grünberg ins Zentrum. Er hat im Ersten Weltkrieg gekämpft, kam schwer verwundet zurück und hat reich geheiratet. Doch die Ehe mit seiner Frau Alice (Nina Kunzendorf) besteht nur noch auf dem Papier, er ist fast pleite, und der Antisemitismus macht ihm immer mehr zu schaffen.

Sein Kaufhaus „Jonass“ ist übrigens keine Erfindung der Serienmacher: Das reale Vorbild wurde 1929 als erstes deutsches Kreditkaufhaus gegründet, diente nach der Enteignung der jüdischen Eigentümer zunächst als Zentrale der Hitlerjugend und später als Sitz der SED. Heute ist in dem Gebäude mit der Adresse Torstraße 1 der Privatclub „Soho House“ untergebracht, wo Stars wie Madonna und Brad Pitt absteigen.

Ein zweites „Babylon Berlin“ ist „Haus der Träume“ zwar leider nicht, dafür ist die Serie zu seicht und klischeehaft, aber als süffige Saga funktioniert sie ganz gut. Gleich zu Beginn zeigt die opulente Adaption des Romans „Torstraße 1“ von Sybil Volks, was sie zu bieten hat – und wird dabei zur Revue von 20er-Jahre-Stereotypen.

Da spaziert Arthur Grünberg durchs damals stark jüdisch geprägte Scheunenviertel, das für den Dreh im sächsischen Görlitz nachgebaut wurde. Kinder spielen im Rinnstein, die Ärmsten der Armen machen sich hungrig über ein totes Pferd her, und die malerisch gekleideten Komparsen umschwirren den Unternehmer regelrecht.

Auf die Kostüme sind die Macher sehr stolz, insgesamt 5000 sollen es sein, und ein besonderes Kleid wurde gar von Modedesigner Guido Maria Kretschmer kreiert. Kurze Zeit später berauscht sich die Kamera an zuckenden Tänzern in verruchten Bars, ein paar Meter weiter klimpern die reichen Damen mit langen Perlenketten, und Sexszenen in den berüchtigten Arme-Leute-Buden, wo sich mehrere Leute ein Bett teilen müssen, dürfen nicht fehlen.

Regie bei den ersten sechs Episoden der Serie (im Stream seit Sonntag, 18. September) führte Sherry Hormann („Wüstenblume“), weitere sechs Folgen gibt es zu einem späteren Zeitpunkt. Die komplette Saga soll rund 26 Millionen Euro kosten. Die Szenen, die im Warenhaus spielen, wurden übrigens in Görlitz in einem leerstehenden Kaufhaus aus dem Jahr 1913 gedreht.