Erkelenz: Stunk ist bei der Sitzung ein Bestandteil des Programms

Erkelenz: Stunk ist bei der Sitzung ein Bestandteil des Programms

Als ausgemachter und vielgepriesener Karnevalshochburg fehlte es Erkelenz bisher in diesem Bereich an nahezu nichts. Einzig für die alternativen Karnevalssitzungen wie die Kölner Stunksitzung musste man in der fünften Jahreszeit die Stadt in Richtung der Metropolen verlassen. Das ändert sich nun.

Denn am 27. Januar wird in der Stadthalle die erste Erkelenzer alternative Karnevalssitzung gefeiert. Wie beim Kölner Original heißt sie „Stunk” und verfügt über alles, was eine ordentliche Sitzung haben muss: einen Sitzungspräsidenten, einen Elferrat, eine Band und eine Menge witziger Nummern. Dazu gibt es das wahrscheinlich erste und bisher einzige Viergestirn des rheinischen Karnevals, bestehend aus Prinz, Bauer, Jung und Frau.

Der Elferrat wird übrigens ein „Elferinnenrat” sein, bei dem Ideengeber Wolfgang Klein lediglich als Quotenmann dabei sein darf. „Die Idee kam mir im vorigen Jahr, als ich Rosenmontag krank war”, erläuterte er bei einem Pressegespräch im Foyer der Stadthalle. Mitstreiter hatte er schnell gefunden, von denen auch schon einige beim Kellertheater der Volkshochschule ihre ersten Bühnenerfahrungen gesammelt haben. Nachdem man wusste, was man will, wurde überlegt, wie man es machen soll. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen. Seit April wird kontinuierlich am Programm gebastelt, Nummern geschrieben und wieder umgeschrieben.

Was die Jecken auf der Stunksitzung erwartet, umreißt Mitorganisator Peter Müller. „Wir prangern die nicht artgerechte Haltung der Möhnen an, die an sich sehr gesellige Wesen sind”, betonte er. Darüber hinaus werden auch die Ursachen der Schuldenkrise beleuchtet und auch vor traurigen Themen schrecken die Sitzungsmacher nicht zurück. „So machen wir uns auch Gedanken über das traurige Leben von Bürgermeistern in der Fastenzeit”, erklärte Müller. „Aber wir bieten auch eine Fortsetzung der Nette-Toilette-Aktion des Einzelhandels.”

Ein Schwerpunkt werde auf der Musik liegen, denn zu fast jeder Nummer wurde auch ein Lied geschrieben. Für die Musik zeichnet unter anderem Dominik Mercks verantwortlich, der mit sechs Bandkollegen aufspielt, wenn er nicht gerade mit seiner Kabarettgruppe „4 vor 12” auf der Bühne zum Gelingen des Programms beiträgt.

Neben der offiziellen Sitzungscrew werden acht bis neun Künstler mit immer neuen Nummern für Stimmung sorgen.

Dabei war es ein Glück, im Januar noch einen Termin zu ergattern, denn die EKG hat an diesem Wochenende erst sonntags die Herrensitzung. Dass die Stadthalle dann festlich blauweiß dekoriert sein wird, ist ein Vorteil für die Sitzungs-Newcomer. Eine Einladung an die EKG wurde bereits ausgesprochen. Ein kommerzieller Erfolg braucht die Sitzung nicht zu werden, denn die Macher sind mit viel Herzblut, aber wenig Geschäftsinstinkt bei der Sache. Bei einer Bestuhlung mit Tischen passen rund 370 Zuschauer in die Halle. Auch das Catering und die Verpflegung mit Getränken übernehmen die Sitzungsmacher in Eigenregie.

„Der blaue Zuschauer ist die schwarze Null”, umschrieb Mercks das finanzielle Konzept. Von der Resonanz im Januar hängt es ab, ob es in Zukunft noch weitere Stunksitzungen in Erkelenz geben wird.

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