Gangelt: Stolpersteine sollen an jüdisches Leben erinnern

Gangelt: Stolpersteine sollen an jüdisches Leben erinnern

Emil Falkenstein und seine Familie waren vor dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Bestandteil der Gangelter Ortsgemeinde und Teil des Gangelter Dorflebens. Emil Falkenstein hatte sich besonders um das Gemeinwohl des Ortes verdient gemacht, als er 1899 gemeinsam mit 50 anderen Gangelter Bürgern die Freiwillige Feuerwehr Gangelt gegründet und mehrere Großbrände in Gangelt bekämpft hat.

Doch Emil Falkenstein wurde nach fast 34-jährigem Dienst am Nächsten im Juni 1933 aus der Feuerwehr ausgeschlossen. Der Grund: Er war Jude, und Juden wurden im Zuge der Repressalien der NSDAP aus der Feuerwehr ausgeschlossen. Emil und seine Frau Jeanette Falkenstein wurden 1939 in das Konzentrationslager Theresienstadt und nach rund acht Wochen in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Dort wurden die beiden unmittelbar nach ihrer Ankunft getötet.

An Menschen wie die Familie Falkenstein möchte man nun in Gangelt mit sogenannten Stolpersteinen erinnern, von denen 42 an elf verschiedenen Häusern im Gangelter Ortskern verlegt werden sollen. Die Steine, in die jeweils eine Kurzbiografie der Person, an die sie erinnern soll, eingraviert ist, sollen dort in die Bürgersteige vor den Häusern, in denen die Familien gewohnt haben, verlegt werden. Dieses Ziel hat sich der Initiativkreis „Stolpersteine helfen… auch in Gangelt“ bestehend aus 21 Gangelter Bürgern gesetzt.

Bei den Stolpersteinen handelt es sich mittlerweile um eine europaweite Aktion, die von Gunter Demnig initiiert wurde. Insgesamt wurden an über 500 Orten in Deutschland und in mehreren europäischen Ländern Stolpersteine verlegt. Dazu zählt auch Geilenkirchen, wo das Projekt in den letzten Jahren realisiert wurde, wodurch die Idee zur Verlegung von Stolpersteinen auch in Gangelt entstand.

„Nach wochenlanger Recherche in den verschiedensten Archiven, wie beispielsweise dem Gemeindearchiv, dem Bundesarchiv und beim Standesamt, haben wir zunächst 135 jüdische Gangelter Bürger gefunden, die für einen Stolperstein in Frage kamen“, berichtet Willi Thissen, der gemeinsam mit Josef Backhaus und Michael Janssen das Organisationsteam des Aktionskreises bildet.

Ins Ausland geflohen

Durch die weitergehende Recherche wurde der Kreis immer enger und letztlich konnte man bei insgesamt 42 jüdischen Bürgern feststellen, dass ihr letzter freiwilliger Wohnsitz in Gangelt war und sie Opfer des Naziterrors wurden. Als Opfer gelten sowohl die Menschen, die ermordet wurden, als auch diejenigen, die vertrieben wurden und ihren Wohnsitz gezwungenermaßen aufgeben mussten.

So soll neben den Familien, die in einem der Konzentrationslager getötet wurden, auch an einige Gangelter Familien erinnert werden, die aufgrund der Verfolgung gezwungen waren, nach Amerika oder England zu fliehen und sich teilweise trennen mussten.

Nachdem der Gangelter Gemeinderat der Aktion einstimmig zugestimmt hat, wird nun zunächst der Kontakt zu den aktuellen Hausbewohnern gesucht, um sie über die Aktion, die vor ihren Häusern stattfinden wird, zu informieren. Weiterhin soll ein Spendenaufruf an alle Gangelter Haushalte verteilt werden, um die Stolpersteine zu finanzieren. „Die Verlegung eines Steins kostet dabei rund 120 Euro. Wir gehen insgesamt von Kosten in Höhe von ungefähr 5000 Euro aus“, erklärt Michael Janssen das gesetzte Ziel der Spendenaktion.

Dabei hofft man auf die Unterstützung mit kleineren und größeren Spenden aus der Gangelter Bevölkerung. Es besteht außerdem die Möglichkeit, Pate für einen Stein zu werden, der einem bestimmten Opfer gewidmet ist.

Josef Backhaus erläutert das weitere Vorgehen in der Stolperstein-Aktion: „Wir sind mitten in der Planungsphase. Wir wollen Angehörige der Opfer ausfindig machen und wenn möglich zu der Verlegung der Stolpersteine einladen. Außerdem wollen wir auch die Gangelter Schulen einbinden.“ Froh sei man insbesondere über die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Gangelt, die sich bereit erklärt hat, durch handwerkliche Vorarbeit das Verlegen der Stolpersteine zu erleichtern.

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