Heinsberg-Kempen: Stall durch prächtiges Fachwerk ersetzt

Heinsberg-Kempen: Stall durch prächtiges Fachwerk ersetzt

Wenn an Heiligabend, Hendrik Schmidt (9) als jüngster Messdiener von St. Nikolaus Rurkempen nach der Christmette das Christkind am Altar in seine Arme schließt, es hinausträgt bis zum Alten Chörchen und dort in die Krippe legt, ist nicht nur er ganz aufgeregt.

Ähnlich wird es dann den acht Kempener Krippenbauern gehen, die mit Spannung erwarten, wie der Bevölkerung des Ortes und natürlich auch den vielen Besuchern aus nah und fern die von ihnen völlig neu gestaltete Krippe gefällt. Unsere Zeitung durfte schon mal einen Blick hinter den dicken bordeauxroten Vorhang werfen. Er verhüllt noch bis Heiligabend die in rund 300 Stunden ehrenamtlicher Arbeit entstandene neue Krippenlandschaft.

Der alte hölzerne Stall ist einem prächtigen Fachwerkbau gewichen, mit dessen Planung die Krippenbauer schon im Mai dieses Jahres begonnen haben. „Das ist was für die Zukunft”, freut sich Wilhelm Olyschläger. Man habe Hunderte von Krippenfotos gesichtet und sich dann für eine Gestaltung in Fachwerk entschieden, „weil das in unsere Gegend passt”. Josef Görtz aus Eicken half bei den Detailzeichnungen für das drei Meter breite und fast ebenso hohe Gebäude.

Die Bauarbeiten dafür begannen Anfang November im ehemaligen Kuhstall auf dem Hof der Familie Louis an der Oberstraße. Das Besondere daran: Der neue Krippenstall aus dunkel gestrichenen Holzbalken mit weißen Füllungen ist so konzeptioniert, dass er künftig mithilfe der hinter Holzabdeckungen verborgenen Schrauben immer wieder leicht in einzelne Flächen zerlegt und gelagert werden kann. „Wer es nicht weiß, der denkt, das Haus ist aus einem Guss”, so Olyschläger.

Seit Anfang Dezember waren die acht Ehrenamtler mit Aufbau und Dekoration im Alten Chörchen beschäftigt, an zwei Vormittagen in jeder Woche. Die Aufgaben reichten hier von der Montage des großen, gelb leuchtenden Sterns mit Schweif an der Außenwand über den Bau der Bühne bis hin zur Positionierung der großen Figuren im Stall und in der naturgetreu mit Moos und Tannen nachgebildeten Waldlandschaft.

Alle Krippenfiguren sind in den vergangenen drei Jahren von Katrin Müller-Eschholz aus Kirchhoven restauriert worden, zunächst Maria und Josef, das Christkind, der Verkündigungsengel und ein kleiner Hirte. Es folgten der große Hirte und die Heiligen Drei Könige.

Anhand von alten Briefen, die sie im Inneren der Figuren von Josef und Maria entdeckte, konnte sie belegen, dass die Kempener Krippe bereits weit über 100 Jahre alt sein muss. Bekannt ist in Kempen, dass Pfarrer Johannes Toussaint, ein gebürtiger Aachener, die ersten Figuren um 1900 nach dem Neubau der Kirche von den Aachener Schwestern vom Kinde Jesu erwarb.

Darüber hinaus ergänzt eine große Zahl echter, naturgetreu präparierter Tiere die Szenerie: zum Beispiel ein Fuchs und ein Kaninchen, ein Fasan, ein Frettchen, Eulen, Elstern, darüber hinaus natürlich Schafe und in diesem Jahr erstmals sogar ein Rehkitz.

Nur auf das traditionell drehende Rad der Wassermühle müssen die Besucher noch verzichten. „Das haben wir nicht mehr geschafft”, sagt Olyschläger. Dafür gibt„s aber für eine kleine Münzspende auch in diesem Jahr schon wieder Musik in der Krippe.

Abends nach der Christmette sorgt dafür vor dem Alten Chörchen die Bläsergruppe des Bundestambourcorps und lädt zum gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern ein.

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