Aachen: Städteregion will Schließung der Bahnhofsmission verhindern

Aachen: Städteregion will Schließung der Bahnhofsmission verhindern

Die Städteregion will die Bahnhofsmission in Aachen mit einem freiwilligen Zuschuss vor der zum Jahresende drohenden Schließung bewahren. Das ist das Ergebnis eines Gespräches zwischen der städteregionalen Verwaltung und der Geschäftsführung des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Aachen.

Dieses hatte Ende Oktober angekündigt, sich aufgrund akuter finanzieller Probleme von nicht kostendeckenden Tätigkeitsfeldern und Aufgaben trennen zu müssen. Zu diesen zählt nach Aussage von Vorstand Marion Timm auch die Bahnhofsmission, die das Diakonische Werk bislang gemeinsam mit dem Verein In Via Aachen als Träger am Hauptbahnhof betreibt.

Ein Zuschuss der Städteregion in Höhe von 6500 Euro könnte, so der Vorschlag an den am nächsten Donnerstag tagenden Sozialausschuss, den Betrieb des viel genutzten Angebotes zunächst für ein weiteres Jahr sicherstellen — wenn sich denn auch die Stadt Aachen in noch nicht näher erläuterten Umfang an der zukünftigen Finanzierung beteiligen würde. Einen entsprechenden Antrag auf Förderung hat das Diakonische Werk zwischenzeitlich schon mal gestellt — auch für den Fall, dass sich doch noch ein anderer Träger für die Einrichtung finden sollte.

Dass die Bahnhofsmission für die Zielgruppe eigentlich unverzichtbar sei, hatte die Geschäftsführung zuvor gegenüber der Städteregion betont. „Kernaufgabe ist eine niedrigschwellige Hilfe für Menschen in Not am Bahnhof wie auch die Unterstützung von Frauen und Männern, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind“, erläutert Sozialdezernentin Edeltraud Vomberg. In den vergangenen Jahren habe sich die Einrichtung immer mehr zu einer Anlaufstelle für Frauen entwickelt, die „nach Übernachtungsprostitution und häufiger Gewalterfahrung“ einen Rückzug suchen.

In der Bahnhofsmission sind eine hauptamtliche Teilzeitkraft (30 Stunden/Woche) sowie aktuell 19 Ehrenamtliche tätig. „Das Diakonische Werk und In Via Aachen haben die Arbeit bisher ohne öffentliche Zuschüsse finanziert“, berichtet Vomberg. „Das ist nunmehr aufgrund fehlender Eigenmittel und des Rückgangs von Spendenmitteln nicht mehr möglich“, gibt die Dezernentin die Argumentation des Diakonischen Werkes wieder. Eine alleinige Trägerschaft von In Via komme aus finanziellen Gründen nicht infrage.

Ähnlich hatte sich Vorstand Marion Timm bereits am 20. Oktober im Gespräch mit unserer Zeitung positioniert. Und auch damals schon die Hoffnung geäußert, dass sich trotz des Sanierungsbedarfes beim Diakonischen Werk manche Angebote mit Hilfe öffentlicher oder privater Unterstützung fortführen lassen könnten.

Was die Bahnhofsmission angeht, scheint diese Hoffnung berechtigt zu sein — vorausgesetzt, dass der Sozialausschuss nächste Woche Donnerstag grünes Licht geben und der Städteregionsausschuss eine Woche später seiner Empfehlung folgen wird. Und dass, wie von der Städteregion gefordert, auch die Stadt Aachen ihren Beitrag leisten wird.

„Es gibt laufende Gespräche“, bestätigt Bernd Büttgens auf Anfrage. „Die Stadt prüft — im Abgleich mit anderen Städten und in Abstimmung mit der Politik — das Konzept einer Bahnhofsmission im Jahr 2018, also die Frage nach einem zukunftsfähigen Konzept“, so der Pressesprecher der Stadt Aachen.

Angesichts des großen Zeitdrucks durch die drohende Schließung bereits zum Jahresende wird sich die Politik auch in Aachen kurzfristig positionieren müssen. Laut Büttgens wird dies der städtische Sozialausschuss am 7. Dezember tun und eine Empfehlung an den sechs Tage später tagenden Rat aussprechen. Ein Beschlussvorschlag der Verwaltung liegt noch nicht vor.