Kreis Heinsberg: Spurensuche in der alten Heimat der Vorfahren

Kreis Heinsberg: Spurensuche in der alten Heimat der Vorfahren

In den 1880er Jahren wanderten ihre Vorfahren aus dem Raum Gangelt/Selfkant nach Amerika aus. Seit rund 30Jahren suchen die Nachfahren dieser Auswanderer bei regelmäßigen Besuchen in der Heimat ihrer Ahnen nach ihren Wurzeln.

Für ein verlängertes Wochenende waren die Amerikaner nun wieder zu Gast bei Freunden in der Region.„Ob es am ersten Tag frische Erdbeeren oder der Nachmittagskaffee bei der großen Familie von Hans-Otto Leonards in Breberen war: Die Herzlichkeit auf beiden Seiten war mit Händen greifbar”, beschrieb Familienforscher Heiner J. Coenen die Begegnung der Familien, die nun diesseits und jenseits des „großen Teichs” leben und doch so viel Gemeinsamkeiten entdeckt haben - nicht nur den gemeinsamen Namen.

Einer, der seit 1981 diesen Austausch begleitet, ist Hans-Otto Leonard. Der ehemalige Landrat Karl Eßer bat ihn damals bei einem Besuch der Amerikaner, doch einmal dazuzukommen und Leonards kommt bis heute.

Freundschaften entstanden, nicht alle Freunde können heute noch dabei sein, doch in den Anekdoten, die Hans-Otto Leonards erzählt, bleiben sie lebendig. Auch nun war der Breberener wieder dabei, als 29 Besucher aus Louisiana die Orte aufsuchten, aus denen ihre Vorfahren aufgebrochen waren.

Hans-Otto Leonards erinnerte sich gerne an die vorangegangenen Besuche. Etwa als eine ganze Gruppe das Haus der Vorfahren in Pütt aufsuchen wollte, das aber leider schon vor Jahren abgebrannt war.

Im Nachbarhaus befände sich auf dem Söller aber noch ein alter Balken aus diesem Haus, wusste ein Pütter zu berichten. Der Sache musste nachgegangen werden, dachte sich Leonards. Und mit der ganzen Gruppe im Schlepptau ging es rauf auf den Söller, und tatsächlich fand sich das angekokelte Stück Holz.

Der Eigentümer ließ sich breitschlagen, den halben Balken herauszugeben, ruck-zuck war die „Trophäe” mit der Säge erbeutet. In der heimischen Werkstatt zersägte Hans-Otto Leonards am Abend noch den Balken in dünne Scheiben und schenkte diese den amerikanischen Gästen. „Da floss dann schon das ein oder andere Tränchen vor Rührung”, erinnert sich Leonards, „das war halt ein Stück Heimatboden für sie, das sie mit nach Amerika nehmen konnten.”

Erster Ort der deutsch-amerikanischen Begegnungen war diesmal das Kreismuseum in Heinsberg. Die aktuelle Ausstellung „Unsere Vorfahren” bot reichlich Gesprächsstoff und Gelegenheit für manches Erinnerungsfoto.

Heiner J. Coenen erläuterte danach im Jugendheim Brücke in Heinsberg für die Nachfahren der Auswanderer in einem Vortrag den historischen Hintergrund, der auch in seinem Buch „Auswanderung aus Deutschland im 19. Jahrhundert” nachzulesen ist.

Das weitere Programm sah den Besuch einer Messe im Aachener Dom vor. Unter Leitung von Dr.Phillip Fabacher, der Auswanderer aus Schierwaldenrath zu seinen Vorfahren zählt, besuchte die Reisegruppe die Kirche in Langbroich, wo sie von Josef Klaßen erwartet wurde. Im Bürgertreff Langbroich-Harzelt überraschten Leo Knoben und sein Enkel die Gruppe mit der amerikanischen und der deutschen Nationalhymne, gespielt auf Trompeten.

Im Rathaus der Gemeinde Gangelt empfing Bürgermeister Bernhard Tholen die Besucher. Es folgte eine Führung durch die Gangelter Pfarrkirche mit dem Galeristen Lutz Vorbach. Die Propstei Millen und Windmühle Breberen rundeten die intensiven Eindrücke für die Besucher ab.

Sowohl auf Seiten der zahlreichen deutschen Gastgeber und Betreuer wie auch der Besucher aus Louisiana war am Ende klar, dass es eine Wiederholung geben soll. „In fünf Jahren kommen wir wieder in die alte Heimat der Vorfahren”, war zu hören.

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