Aachen: Sprachliche Hürden kann jeder meistern

Aachen : Sprachliche Hürden kann jeder meistern

Eigentlich läuft alles nach Plan. Max´ Bewerbung muss den Personalchef beeindruckt haben, sonst hätte er ihn nicht zum Gespräch eingeladen. Es ist die letzte Hürde, die zwischen Max und seinem Traumjob steht. Natürlich ist er nervös vor dem Bewerbungsgespräch. Das wäre jeder, es geht schließlich um viel.

Aber Max ist nicht einfach nur aufgeregt. Im Gespräch bekommt er weiche Knie, er beginnt zu schwitzen, wird rot. Seine Sätze werden viel zu lang oder viel zu kurz. „Und im schlimmsten Fall kommt es zum Blackout, der totalen Hemmung, dem kompletten Verhaltensstopp”, sagt Sandra Marx.

Die Sprechtrainerin im Aachener „Haus der Rhetorik” kennt solche Situationen. Und es gibt sie sehr oft. Fast jeder Zweite gibt an, schon ähnliche Erfahrung wie Max gemacht zu haben. Sprechangst nennen Experten wie Sandra Marx die Panik vor der verbalen Kommunikation. Sie kann nicht nur das Bewerbungsgespräch zu einer unüberwindbaren Hürde machen, sondern auch den Alltag der Betroffenen stark einschränken.

Das Sprechen mit und besonders vor anderen, bevorstehende Prüfungen und Präsentationen lösen Angst aus. „Auch wenn man nur etwas umtauschen möchte, scheut man davor zurück. Man möchte dem Gespräch und dem eventuellen Konflikt aus dem Weg gehen”, sagt Marx. Aber wer sich in einer Gesellschaft bewegt, wer Ziele verfolgt, der muss zwangsläufig mit anderen sprechen. Jutta Barth, Geschäftsführerin des „Hauses der Rhetorik” formuliert es so: „Kommunikation ist eine Schlüsselqualifikation. Und sie wird zunehmend wichtiger für den Erfolg im Beruf.”

Wer unter Sprechangst leidet, der muss sich nicht damit abfinden. Die neuere Forschung geht davon aus, dass die Ursache für diese soziale Phobie im Alter zwischen acht und dreizehn Jahren zu suchen ist. Soll heißen: Sprechangst ist nicht angeboren. „Es ist vielmehr ein erlerntes Verhalten. Und es lässt sich auch wieder verlernen”, sagt Marx. Das „Haus der Rhetorik” hilft dabei. In eigens darauf abgestimmten Kursen soll der Kommunikation ihr Schrecken genommen werden.

Als Basis dient ein Sieben-Schritte-Programm. Wichtig ist zunächst einmal sich zu entspannen und auf seine Atmung zu achten. Wie das geht, wird in Übungen vermittelt. Vor dem Gespräch sollten dann auch die eigenen Gedanken überprüft werden. Marx: „Wenn man denkt, man ist ein Versager, dann handelt man auch wie einer.”

Positives Denken ist konstruktiver, dazu gehört auch, sich eine Gesprächssituation vorzustellen und ihr eine gute Wendung zu geben. „Es geht darum, sich positiv zu programmieren”, sagt Barth. Ist die Basis gelegt, werden die Feinheiten vermittelt. Sprech- und Stimmtraining gehören ebenso zum Programm, wie Rhetorikübungen.

Auch im Alltag bieten sich Möglichkeiten, sein Sprechen zu verbessern, sagt Barth: „Eine gute Übung ist zum Beispiel, jeden Morgen einen kleinen Zeitungsartikel zu lesen und ihn mit eigenen Worten wiederzugeben.”

Sprechangst tritt übrigens völlig unabhängig von Alter, Geschlecht oder Charakter auf. „Es gibt nicht den typischen Sprechängstler”, sagt Marx. Sogar manche Politiker seien eher introvertierte, schüchterne Menschen, „aber vielen sieht man es gar nicht an.”

Mit gezieltem Training wird auch Max beim Bewerbungsgespräch einen guten Eindruck hinterlassen. Wichtig ist, dass er sich vorbereitet. „Das tun leider viele nicht. Aber man muss sich über das Unternehmen und den Ausbildungsberuf informieren und wissen für was für einen Job man sich da eigentlich bewirbt.”

Max hat das getan und wirkt kompetent. Er ist offen, drückt sich klar aus, sucht Augenkontakt und sitzt gerade. So kann er sein volles kommunikatives Potenzial entfalten, sagt Jutta Barth. „Und das hat jeder.”

Wer sich über Sprechtraining informieren oder selbst mal an einem Kurs teilnehmen möchte, ist auf der ZAB genau richtig. Nähere Informationen zu den Rhetorik-Kursen gibt es in Kürze auf dieser Homepage und in der ZAB-Zeitung, die am Donnerstag, 21. Mai, der Aachener Zeitung und den Aachener Nachrichten beiliegt. Sie wird auch auf der ZAB selbst verteilt.

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