Städteregion: Sportvereine müssen sich auf den Wandel einstellen

Städteregion: Sportvereine müssen sich auf den Wandel einstellen

Droht den Sportvereinen in der Städteregion aufgrund des demografischen Wandels das Aus? „Nein“, sagt Dr. Stefan Eckl. „Wenn sie sich auf die zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen frühzeitig einstellen“, schränkt der Politik- und Sportwissenschaftler ein.

Die Gesellschaft ist in einem markanten Wandel, weil sich die Altersstruktur der Bevölkerung erheblich verändert. Das betrifft auch die Vereine. „Wir haben es mit einer älteren Generation zu tun, die extrem aktiv und organisiert ist. Auf der anderen Seite sinkt die Zahl der Kinder, und es gibt immer weniger junge Menschen, die sich sportlich betätigen.“

Viele Vereine, so Ertl, seien sich dieser Entwicklung allerdings noch gar nicht bewusst. Und Nina Mika-Helfmeier räumt ein, dass selbst das von ihr geleitete städteregionale Amt für Kultur und Empirische Forschung das Thema bis dato eher vernachlässigt habe. „Seit 2008 nehmen wir den demografischen Wandel unter die Lupe und aktualisieren alle drei Jahre unser rund 500 Seiten umfassendes Datenmaterial“, berichtet die Amtsleiterin. „Das Thema Sport und Freizeit ist dabei allerdings zu kurz gekommen.“

Das soll sich ändern: Die Städteregion ist eine Partnerschaft mit dem Stuttgarter Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung von Stefan Eckl eingegangen. Und erste Resultate der Zusammenarbeit liegen bereits vor: Am 2. November laden sie zum vierten Demografie-Forum der Städteregion ein. Dort geht es dann, wie der Titel schon verrät, um nicht weniger als die „Zukunft des Freizeitsports“.

„Der demografische Wandel kommt nicht irgendwann, er ist vielmehr ein schleichender Prozess“, gibt Stefan Eckl zu bedenken. Bei den meisten Sportvereinen fehle dieser Prozess aber bislang auf der Tagesordnung. „Deshalb haben sie sich auch noch nicht mit ihren eigenen Zukunftsperspektiven beschäftigt.“

Die können auch auf regionaler Ebene schon sehr unterschiedlich sein, wie ein Blick auf die Bevölkerungsstatistik von IT NRW zeigt. „Für die Städteregion geht man zwar insgesamt von leicht steigenden Bevölkerungszahlen im Bereich von ein bis anderthalb Prozent aus“, berichtet Eckl. Doch die lokalen Unterschiede seien erheblich.

So muss Monschau beispielsweise bis zum Jahr 2030 mit einem Rückgang um elf Prozent rechnen, während für Würselen ein Zuwachs um zehn Prozent prognostiziert wird. Was für alle Kommunen in der Städteregion aber gleichermaßen zutrifft, ist der zunehmende Anteil von älteren Menschen an der Gesamteinwohnerschaft.

Doch was bedeutet das für die Vereine? „Zunächst einmal eine Anpassung des sportlichen Angebotes“, meint Nina Mika-Helfmeier. Gesundheits- und Präventionskurse werden an Bedeutung gewinnen, ist sie überzeugt. „Dazu werden Service und Professionalität zunehmend eine Rolle spielen“, ergänzt Markus Terodde, städteregionaler Dezernent für regionale Entwicklung, Bildung, Jugend und Kultur. Das gelte nicht nur für das Sportangebot, sondern auch für die Sportstätten. Womit dann auch die Städte und Gemeinden mit im Boot bzw. in der Verantwortung wären.

„Wir dürfen allerdings nicht den Fehler machen, uns zu sehr auf die ältere Generation zu fokussieren“, warnt Stefan Eckl. Denn der Sport und mit ihm der Verein werde auch in Zukunft eine wichtige gesamtgesellschaftliche Rolle spielen.

„Deshalb muss er weiterhin auch für junge Menschen da sein“, ist der Wissenschaftler überzeugt. Das allerdings ist ebenfalls mit Herausforderungen verbunden. „Schließlich sind Kinder und Jugendliche schulisch immer intensiver eingebunden“, weiß Nina Mika-Helfmeier. Und Markus Terodde stellt fest: „In der Städteregion ist die offene Ganztagsschule mittlerweile Standard.“

Es gibt also viel zu besprechen und viel zu tun. „Wir als Städteregion sind ja ein Stück weit weg von der Basis. Aber wir wollen die strategischen Planungen vorantreiben und soweit es geht den Vereinen mit Rat und Tat zur Seite stehen“, betont Terodde. Das Forum am 2. November soll in diesem Sinne die Gelegenheit zu einem Einstieg in das Thema und in mögliche Kooperationen bieten — für Vereine und Kommunen.

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