1. Sport

Quakenbrück: Zwischen Idylle und Klischee: Basketball-Meister aus „Entenhausen”?

Quakenbrück : Zwischen Idylle und Klischee: Basketball-Meister aus „Entenhausen”?

Gegen das Klischee vom Provinz-Club und das Kuhstall-Image haben sie in Quakenbrück nichts. „Warum auch? Das ist doch auch ein Verkaufsargument”, sagt Manager Marko Beens fröhlich: „Das macht uns noch interessanter.”

Außerdem lassen sich die Fakten über die Heimat der Artlands Dragons nicht leugnen, denen nur noch zwei Siege zur Sensation fehlen - zum Gewinn der deutschen Basketball-Meisterschaft.

Die Heimat der „Drachen” ist tatsächlich ein kleine Idylle. Rund 1000 gut gepflegte Bauernhöfe liegen in der namensgebenden Samtgemeinde Artland, deren Zentrum die fachwerkgeschmückte Kleinstadt Quakenbrück bildet. Hier im nördlichen Landkreis Osnabrück sind die Basketballer zu Hause, die in den Playoffs bisher Berlin und Meister Köln schlugen und in der Finalserie „Best of Five” gegen die Brose Baskets Bamberg 1:0 führen.

„Die werden überall erkannt und halten ein Pläuschchen an der Eisdiele”, berichtet Quakenbrücks Bürgermeister Wolfgang Becker nicht ohne Stolz über die zwölf Profis im Kader: „Man trifft sie im Supermarkt, da stehen sie mit einer Tüte Chips und drei Bananen. Das gehört hier dazu, jeder kennt die.” Das sei in Bundesliga-Städten wie Berlin und Köln „völlig undenkbar”.

In Quakenbrück mit seinen 12.697 Einwohnern ist alles kleiner und familiärer. Der amerikanische Trainer Chris Fleming wohnt in der schmucken Altstadt direkt über der Geschäftsstelle, eine Etage höher hat Manager Marko Beens seine Wohnung.

Die Spieler treffen sich fast täglich im nahe gelegenen Cafe Cassellius, wo es Kaffee, Kuchen und warmen Mittagstisch gibt. Für die Basketball-Profis, von denen sieben einen US-Pass besitzen, ist das „eine Art zweite Heimat”, wie es der aus Braunschweig stammende Beens ausdrückt.

Die Spieler scheinen sich in der niedersächsischen Provinz wohl zu fühlen, das Image als „Entenhausen des Basketballs” ist ihnen egal. „Die ganzen Sprüche über das Kuhstall-Team und das Dorf stören mich nicht”, versichert der amerikanische Flügelspieler Chad Prewitt: „Ich lese keine deutschen Zeitungen, also kriege ich das auch nicht so mit.”

Auch der Bürgermeister mag sich nicht ärgern. „Das nehmen wir gelassen hin”, sagt Becker und sieht die positiven Seiten des Trubels: „Das hilft uns weiter. Das ist für uns natürlich ein mächtiger Werbeträger. Es interessieren sich jetzt Leute für die Stadt, das gibt es gar nicht.”

Quakenbrück setzt vermehrt auf Tourismus, denn frei von Sorgen ist die Kleinstadt nicht. Mit Kynast, einst die größte Fahrradfabrik Europas, ist der wichtigste Arbeitgeber der Region pleite. Die aktuelle Arbeitslosenquote liegt nach Beckers Angaben bei rund 14 Prozent.

Der Bürgermeister muss sich nun Gedanken über die Meisterfeier in Deutschlands kleinster Bundesliga-Stadt machen. Die Zeit drängt, denn am Donnerstag (19.35 Uhr/Premiere) steigt das Heimspiel gegen Bamberg - und schon am kommenden Samstag (17.15 Uhr/Premiere) im dritten Spiel in der „Frankenhölle” könnte die Entscheidung fallen.

Und auch Manager Beens hat inzwischen einen Anforderungskatalog für Meisterfeiern von der Basketball-Bundesliga erhalten.