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Aachen: Zwischen den Füßen gehts 40 Meter in die Tiefe...

Aachen : Zwischen den Füßen gehts 40 Meter in die Tiefe...

Beim ersten Mal wäre er am liebsten sofort wieder umgekehrt. Als Kameramann Robert Merten aus 40 Metern Höhe auf das Reitturnier hinabblickte, fand er seinen Job für einen Augenblick gar nicht toll.

„Aber man gewöhnt sich dran”, räumt der 37-Jährige ein. „Nach einer Stunde kann man auch mal runterschauen.” Gemeinsam mit drei weiteren Kameramännern hat er bei der WM einen ganz besonderen Platz: auf dem Flutlichtmast zwischen Mercedes-Benz- und Westtribüne.

Normalerweise wird dei Vogelperspektive von so genannten Steigern, kleinen Kränen, aufgenommen. „Einen festen Mast zu bestücken, ist nicht so üblich. Aber in der Soers war kein Platz für einen Steiger”, erklärt Aufnahmeleiter Kersten Rodhorst.

Und so hat der WDR eben investiert. In die Ausstattung des Mastes und in die Schulung von vier Kameraleuten und vier Technikern. „Alle mussten Sicherheits- und Lauftraining absolvieren”, sagt Rodhorst. Denn der Aufstieg in dem schmalen Mast ist nicht ohne. Über eine Leiter im Inneren führt der Weg nach oben.

Gemeinsam mit zahlreichen Kabelsträngen klettern die Kameraleute nach oben, gesichert an einem Laufschlitten und mit einem Helm auf dem Kopf - wie professionelle Kletterer.

Nach oben verjüngt sich der Mast und ist am Ende nur noch 80 Zentimeter breit. An der Spitze angelangt, müssen die Männer wieder drei Meter abwärts auf eine Plattform klettern. Diese besteht aus einem eisernen Gitterrost - das heißt, zwischen den Füßen blickt man 40 Meter abwärts.

Gefahr bei Gewitter

„Etwa 20 Minuten dauert es, bis jemand einsatzbereit ist”, weiß der Technische Leiter Reiner Meiß. Kommt ein Gewitter, muss der Flutlichtmast schnell verlassen werden. „Die Wetterwarte Bochum informiert uns über mögliche Unwetter”, so Meiß.

Notfälle wurden gesondert geübt. „Dann müssen wir uns außen am Mast abseilen”, erzählt Klaus Brinkmann. Der 49-Jährige ist auch Kameramann und muss gleich Robert Merten ablösen. Alle zwei bis drei Stunden übernimmt ein anderer die Kamera in schwindelnder Höhe.

Denn der Job ist anstrengend: „Der Wind ist viel stärker als unten. Da muss man die Kamera gut festhalten. Außerdem schwankt der Turm ganz gut.” Dafür bekommt man viel von der Stimmung mit: „Das hier so viel los ist, hätte ich nicht gedacht. Die Atmosphäre bei der Flutlichtdressur - das war schon Wahnsinn.”

Dann beginnt Brinkmann seinen Aufstieg. Etwa 20 Minuten später hat Merten wieder festen Boden unter den Füßen. „Man hat einfach einen gesunden Respekt vor der Höhe”, sagt er. „Aber man muss der sich selbst vertrauen und der Technik, die einen sichert.”

von der Reit-WM