1. Sport

Aachen/Berlin: Zwei Gegner zum Einspielen

Aachen/Berlin : Zwei Gegner zum Einspielen

Der Respekt vor dem Kontrahenten verbietet Heiner Brand diese Einschätzung. Die Behauptung, das Auftaktspiel der deutschen Mannschaft bei der Handball-WM am Freitag gegen Brasilien (17.30/live im ZDF) und die Partie am Sonntag in Halle/Westfalen gegen Argentinien seien prima zum Einspielen, käme dem Bundestrainer niemals über die Lippen.

Er sagt lieber über die Südamerikaner: „Die spielen einen schönen Handball, die sind unangenehm.” Heiner Brand sagt aber auch: „Natürlich muss uns jedes Spiel weiterbringen.” Und die beiden Partien am Anfang sind somit „eine Chance für uns”. Um sich einzuspielen?!

Harmonie auf (und natürlich auch neben dem Feld) ist beim Handball so wichtig wie bei kaum einer anderen Sportart. Und angesichts der beinahe unglaublichen Verletzungsmisere im Vorfeld der WM war ein ständiges Üben der Abläufe nur sehr schwierig für das deutsche Team. Zwar kann der Handball nicht mehr neu erfunden werden, sind zahlreiche Spielzüge und Bewegungsabläufe fest in den Köpfen der Spieler verankert - aber der Automatismus auf dem Feld greift nicht mehr sofort.

Und deshalb ist das Motto für die Partie gegen Brasilien: sich einspielen. Mit dem gebotenen Respekt vor dem Gegner, aber auch im Bewusstsein, „dass man bei einer WM im eigenen Land diesen Gegner schlagen muss”. Heiner Brand lässt keine Zweifel.

Gelöste Stimmung

Auch nicht am Auftreten seiner Mannschaft („Sie hat Herz”), die Harmonie neben dem Spielfeld während der Vorbereitung vorgelebt hat und dies auf dem Parkett der Max-Schmeling-Halle auch mit dem Ball in der Hand umsetzen will. Entscheidend dabei: Die Mannschaft muss mit möglichst geringer Fehlerquote ihre hervorragende Abwehrqualität Spiel für Spiel beweisen und im Angriff geduldiger als zuletzt agieren.

Häufig wurde in den finalen Testpartien der Angriff nicht zu Ende gespielt, überhastet geworfen. „Aber speziell daran haben wir gearbeitet in den letzten Tagen”, so Brand, der wie die meisten Experten Frankreich die besten Chancen auf den WM-Titel einräumt.

Und die Deutschen? Ihnen wird meist die Rolle des chancenreichen Außenseiters zugewiesen, der hinter Spanien und Kroatien und zusammen mit Dänemark bei den Expertentipps gleichauf liegt. Eine Position, aus der es sich prima angreifen lässt.

Die Stimmung ist jedenfalls gelöst in der deutschen Mannschaft. Und das hat freilich auch ganz handfeste Gründe, scheinen die ärgsten Verletzungsprobleme, die den Trainer in den letzten Wochen gequält hatten, kurz vor dem Großereignis doch noch behoben. Die Kreisläufer Sebastian Preiß und Andrei Klimowets, die als gelernte Mittelblocker in Brands 6:0-Defensivkonzept eine enorm wichtige Rolle einnehmen, haben ihre leichten Muskelverletzungen auskuriert.

Und auch Shooter Pascal Hens, der für die leichten Tore aus dem halblinken Rückraum zuständig ist, hat seine Bauchmuskelprobleme überwunden. „Ich gehe davon aus, dass diese Drei spielen werden”, erklärte Brand.