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Aachen: Zenith trägt Jeroen Dubbeldam zum Sieg

Aachen : Zenith trägt Jeroen Dubbeldam zum Sieg

Nun gut, ein kleiner Fleck war da auf der Weste. Neun Mal hatten die Springreiter zuvor ihren Europameister auf deutschem Boden ermittelt, stets triumphierte einer oder eine aus der Riege der Gastgeber, abgesehen von dem Briten David Broome 1961 in Aachen. Als nun diese EM des Pferdesports am Sonntagabend in der Soers zu Ende ging, applaudierte das Publikum nach langer Zeit mal wieder einem Auswärtssieger.

Es war kein überraschender Goldmedaillen-Gewinner: Jeroen Dubbeldam, schon Olympiasieger und Weltmeister, galt als heißester Tipp, und in den beiden entscheidenden Runden brachte er auf Zenith mit nur einem Zeitstrafpunkt die Europameisterschaft routiniert nach Hause. „EM-Gold hatte mir noch gefehlt. Am Ende brauchst du auch ein bisschen Glück. Ein Traum ist wahr geworden“, sagte der 42-Jährige. Kaum zu glauben: Dubbeldam ist nach Johan Heins (1977) erst der zweite niederländische Titelträger in der EM-Historie.

Den Plan und die Hoffnungen, aus lauernder Position noch nach vorne zu schießen, erfüllten andere — nicht die deutschen Starter. Der Belgier Gregory Wathelet (Conrad de Hus), neben Kevin Staut (Reveur de Hurtebise) der einzige Doppelnuller des Nachmittags und damit wie der Franzose mit 90.000 Euro Siegprämie entlohnt, griff die Silbermedaille ab, Bronze holte sich der Franzose Simon Delestre auf Ryan des Hayettes.

Bester aus der Equipe von Bundestrainer Otto Becker war Christian Ahlmann (Taloubet) als Siebter, die ebenfalls schon als Europameister gekrönten Meredith Michaels-Beerbaum (Fibonacci) und Ludger Beerbaum (Chiara) reihten sich auf den Plätzen 8 und 12 ein. „Ich hätte noch vier Runden an Chancen haben müssen, um mal Null gehen zu können“, gab der zweifache Champion zu Protokoll. „Heute war der Wurm drin.“ Daniel Deußer, ehemalige Nummer eins der Weltrangliste und Ende Mai beim CHIO Zweiter im Großen Preis von Aachen, trat auf Cornet d‘Amour zum zweiten Umlauf gar nicht mehr an.

Ein Trio, das die sportliche Qualifikation für das Finale der 25 Besten verpasst hatte, bekam dann doch noch seinen Auftritt in der Soers. Jaroslaw Skrzyczynski (Polen) mit Crazy Quick, Eduardo Alvarez Aznar (Spanien) mit Rokfeller de Pleville Bois Margot und Henrik von Eckermann (Schweden) mit Cantinero rückten nach. Der für die Ukraine startende Brasilianer Cassio Rivetti (siehe „Leute“), der Ire Cian O‘Connor mit Good Luck und die Schweizerin Janika Sprunger mit Bonne Chance verzichteten auf das Finale — trotz Qualifikation.

Sie ließen sich nicht mehr ein auf einen ersten Umlauf, der nach den Vorstellungen von Parcourschef Frank Rothenberger „die schwerste Runde in diesem Turnier“ werden sollte, sehr anspruchsvoll natürlich, wie sich das für eine Titel-Entscheidung gehört. „Die Pferde müssen sehr konzentriert springen.“ Weniger als ein Abwurf trennte den Führenden vom Achten. Sergio Alvarez Moya, der 30-jährige Spanier, war als Nummer 44 der Weltrangliste schon eine ziemliche Überraschung an der Spitze des EM-Feldes, in Aachen aber schon mal als Dritter im Großen Preis (2010) notiert und 2013 Vierter beim Weltcup-Finale.

Mit Carlo verspielte Alvarez Moya die „Pole Position“. Zwei Zeitstrafpunkte hätte er sich im zweiten Umlauf erlauben können, um eine Medaille abzuholen — es wurden vier Fehlerpunkte.

Die Vermutung von Ludger Beerbaum drei Tage vor seinem 52. Geburtstag („Es müssen zwei Nullrunden her“) sollte sich als richtig erweisen. Doch schon in der ersten Runde platzten am Wassergraben praktisch alle Hoffnungen auf Edelmetall. Für die drei anderen aus dem deutschen Team wurde die dreifache Kombination zum tückischen Objekt.

Und Jeroen Dubbeldam? Der Favorit hatte so seine liebe Müh und Not, das Weltmeister-Pferd vom Auftritt bei einem EM-Finale zu überzeugen. Der elfjährige Wallach Zenith bekam Lampenfieber vor der Kulisse eines ausverkauften Hauses und wollte zunächst lieber den Rückweg in den Stall antreten. Das Publikum wurde um Ruhe gebeten, mit einiger Verzögerung betrat Zenith dann doch die Bühne. „Das hier in Aachen ist die beste Show der Welt. Da ist es manchmal auch für die Pferde nicht so einfach“, erklärte Dubbeldam und appellierte, die richtige Balance zu finden zwischen Enthusiasmus und „horsemanship“. Sein Erfolgspferd sei ja sonst „sehr relaxed“.

Am Ende des Tages hinterließ der neue Europameister noch ein paar nette Worte. Für Aachen, „einen der schwierigsten und schönsten Turnierplätze der Welt“. Und für seinen vierbeinigen sportlichen Partner. „Zenith ist im letzten Jahr erstmals auf diesem Level gegangen. Dass er es auch im zweiten Jahr tut“ — das sei „amazing“. Erstaunlich. Toll. Fantastisch.

Und noch lange nicht über den Zenit.