Mönchengladbach/Köln: Wird das Derby zum Trauerspiel?

Mönchengladbach/Köln: Wird das Derby zum Trauerspiel?

„Emotionalität braucht der Fußball“, sagt André Schubert. Aber ausgerechnet beim 84. rheinischen Derby zwischen seiner Mönchengladbacher Borussia und dem 1. FC Köln droht eine wesentliche Quelle der Gefühlswallungen zu versiegen. Die Gladbacher Ultras wollen auf die normalerweise fantasievoll dargebotene Derby-Choreographie und eine besondere Stimmung im Stadion verzichten.

Viele Kölner Fans wollen der Partie gleich ganz fernbleiben; rund 1000 FC-Anhänger planen stattdessen einen Protestzug in Mönchengladbach-Rheydt gegen die Personalisierung und Kontingentierung der Eintrittskarten. Statt der üblichen 5400 wurden diesmal nur 2700 Tickets für den Gästeblock im Borussia-Park angeboten, die Karten sind dazu personalisiert. Für manche FC-Fans inakzeptable Auflagen. Anlass dieser Sicherheitsmaßnahmen ist das vergangene Derby im Borussia-Park im Februar 2015, als vermummte Kölner Anhänger — überwiegend Mitglieder der Fan-Gruppierung „Boyz“ — am Ende der Partie den Platz stürmten. Inzwischen wurden der Zaun, der die Südkurve vom Innenbereich trennt sowie die Absperrungen innerhalb dieses Gästefan-Bereichs erhöht.

Im Hinspiel in dieser Saison in Köln, ein sportlich recht trostloser 1:0-Sieg des FC und das letzte Spiel der Borussia unter der Regie von Lucien Favre, waren viele Gladbacher Anhänger dem Stadion in Müngersdorf aus Protest gegen die Auflagen ferngeblieben. Die FC-Fans stellten ebenfalls nahezu jede Unterstützung von den Rängen ein. Dieses 83. Derby war mehr Geisterspiel als ein Duell zweier Traditionsklubs, die nur ein paar Kilometer voneinander entfernt liegen. Auch einen Demonstrationszug hatte es damals gegeben, die Borussia-Fans blieben damals aber in Mönchengladbach.

Dass FC-Anhänger jetzt ausgerechnet durch Rheydt ziehen wollen, freut keine der beiden Seiten. „Es ist schwierig, über ein Grundrecht zu diskutieren — die Versammlungsfreiheit ist elementar wichtig für unsere Demokratie“, sagte Kölns Geschäftsführer Jörg Schmadtke der „Rheinischen Post“. „Man kann aber durchaus geteilter Meinung sein, ob das von unseren Fans ausgerechnet an dem Tag, an dem Ort ausgeübt werden muss.“ Er gehe zwar davon aus, dass alles friedlich bleibe, es wäre ihm aber „viel lieber“, die Fans würden die Mannschaft im Stadion unterstützen.

Ein Trauerspiel auf den Rängen befürchtet Schubert trotz ähnlicher Voraussetzungen für das Spiel morgen (15.30 Uhr) im Borussia-Park aber dennoch nicht. „Ich gehe davon aus, dass die Hütte am Samstag brennen wird und uns die Fans nach vorne peitschen.“ Peter Stöger ist da auf Kölner Seite nicht ganz so sicher, auf die Frage, welche Stimmung er denn im Stadion erwarte, zuckte der Trainer mit den Achseln — und sagte: „Ich weiß es nicht.“ Er könne das ja ohnehin nicht beeinflussen.

Die Aktion der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und die Reaktion der Borussia- und FC-Fans bewertet Schubert eher kühl, aber sehr treffend: „Es werden jeweils die Falschen bestraft.“ Einmal die Anhänger, die wirklich am Fußball und nicht an Randale interessiert sind, zum anderen die Mannschaften, die auf die gewohnte lautstarke Unterstützung und eine leistungsfördernde Atmosphäre verzichten müssen.

„Das finde ich schade, denn ich habe ja schon vor dem Hinspiel betont, dass in meinen Augen ein Boykott auf den Rängen nicht der richtige Weg ist. Sonst kommen wir irgendwann in einen Kreislauf, an dessen Ende keine Auswärtsfans mehr bei den Derbys sind. Und genau das wollen wir verhindern“, sagt Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers.

(bsc/luk)
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