1. Sport

Köln: „Wir wollen Stil auf den Platz bringen“

Köln : „Wir wollen Stil auf den Platz bringen“

Auf der Homepage des VfL Bochum gehen die Uhren anders. Zumindest anders, als bislang im Stadion des Hamburger SV, der bislang die Jahre und Sekunden der Zugehörigkeit zur Fußball-Bundesliga raufgezählt hat. Denn der Auftaktgegner des 1. FC Köln zählt die Stunden und Minuten bis zum eigenen Saisonstart am Samstag (13 Uhr) runter.

Und auch für FC-Trainer Markus Anfang und seine Spieler könnte der Pfiff zum ersten Anstoß lieber heute als morgen erfolgen. Ein Vorausblick.

Der Kader

Acht Spieler im aktuellen Aufgebot des Bundesliga-Absteigers sind aus Köln, und auch der Trainer Markus Anfang hatte seinen ersten Spielerpass beim Kölner Verein KSV Heimersdorf. Doch das dürfte nicht das große Qualitätsmerkmal des Teams beim Projekt Wiederaufstieg sein. Ein Teil des Bundesliga-Kaders — allen voran Nationalspieler Jonas Hector und Torwart Timo Horn — ist geblieben, um die Scharte auszuwetzen. Verpflichtet wurde gestandene Zweitliga-Spieler wie die früheren Kapitäne Lasse Sobiech (FC St. Pauli) und Thomas Czichos (Holstein Kiel) und jüngere Akteure mit Potenzial wie Louis Schaub von Rapid Wien oder U 20-Nationalspieler Matthias Bader. Armin Veh, Geschäftsführer Sport, hatte zum Auftakt der Vorbereitung den aktuellen Kader als besser als den der Vorsaison bezeichnet und der Mannschaft einen klaren Auftrag mitgegeben: „Wir wollen Stil auf den Platz bringen. Ich bin ja selbst auch Zuschauer und will attraktiven Fußball sehen.“

Der Trainer

Es ist noch nicht lange her, da war der 44-Jährige für den Niederrhein-Oberligisten SC Kapellen-Erft in der Verantwortung. In der vergangenen Saison sorgte Markus Anfang für Furore, als er mit begrenzten Mitteln als Trainer von Holstein Kiel fast den Aufstieg schaffte. Doch nun als Verantwortlicher dieses Traditionsvereins in einer Millionenstadt mit einer dichten Medienlandschaft? „Für mich ist es wichtig, dass Markus Anfang authentisch bleibt. Er muss hier nicht den großen Zampano geben“, spielt Armin Veh auf andere Zeiten beim Klub an. „Es gibt Trainer, die funktionieren nur in einem gewissen Umfeld. Anfang und seine Co-Trainer gehören nicht dazu. Es ist ein gutes Team, das funktioniert dann bei vielen Vereinen.“

Der Etat

Eines wollte Sportdirektor Armin Veh gleich richtig gestellt haben: „Unser Etat beträgt 23 Millionen Euro, nicht 26, wie mehrfach geschrieben wurde.“ Dennoch machen die beiden Bundesliga-Absteiger HSV und Köln aus dem Fußball-Unterhaus eine Zweiklassen-Gesellschaft. Ein gestandener Zweitligist wie der FC St. Pauli muss mit gerade einmal der Hälfte dieser Summe hinkommen. Dennoch weiß Veh genau, dass Geld allein keine Tore schießt. „Es gibt das warnende Beispiel des VfL Wolfsburg, der hatte in der abgelaufenen Spielzeit den viertgrößten Etat aller Bundesligisten und ist am Ende auf dem Relegationsplatz gelandet“, warnt der 57-Jährige vor allzu viel Übermut in dieser Frage. „Wir werden zwischendurch Spiele haben, wenn man die nicht gewinnt, hat man ein Problem.“

Das Spielsystem

Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Von ganz leicht verstehbar (Anfang: „Hoch stehen, schnell umschalten und viele Tore schießen“) bis hin zu kaum entschlüsselbar (Veh: „Das ist so kompliziert, dass haben die Spieler anfangs nicht verstanden. Wie sollen wir es dann ihnen erklären?“). Zu erwarten — oder zu befürchten, je nach Sichtweise — ist jedenfalls, dass die Partien gegen den „großen FC“ für viele Klubs aus der Zweiten Liga Pokalcharakter haben werden. „Da werden viele noch einmal eins drauflegen“, meint Veh. Dementsprechend werden sich auch viele Gegner hinten reinstellen und auf ihre Chance hoffen oder warten. „Es geht wie immer um zwei Bereiche“, sagt Anfang. „Man bereitet sich darauf vor, wie man gegen den Gegner verteidigt und wie man ihn am besten bespielt. Da ist es unsere Aufgabe als Trainer, den Spielern die Hilfsmittel dazu an die Hand zu geben.“
Dass die Spieler das System Anfang mittlerweile verinnerlicht haben und dass es auch gegen Gegner funktioniert, die bereit sind, sich an der Spielgestaltung zu beteiligen, haben die beiden letzten Tests bewiesen: Nach durchwachsenen Ergebnissen zum Auftakt schlug der FC die beiden Bundesligisten Werder Bremen (1:0) und Mainz 05 (5:3), die allerdings auch in einer anderen Phase der Vorbereitung stecken.

Die Startelf

Die größte Baustelle ist zum Auftakt die Position des Rechtsverteidigers. Mit Matthias Bader und Benno Schmitz sind die beiden etatmäßigen Neuzugänge für diese Position verletzt. „Nun kann es sein, dass mit Marcel Risse (Fieber) auch der Dritte ausfällt, der dort spielen könnte“, meint Veh. Angeschlagen ist Matthias Lehmann (Achillessehne), und für Marco Höger (Schulter-OP) kommt der Saisonstart zu früh. Durch gute Leistungen in den Vordergrund gespielt hat sich dagegen Jhon Cordoba, der bereits als Chancentod und Fehlinvestition gescholten wurde.

Voraussichtliche Aufstellung: Horn — Risse (Meré), Meré (Sobiech), Czichos, Hector - Özcan — Clemens, Schaub, Drexler, Guirassy — Cordoba