Angemerkt zu Diego Maradona: Wie es einem Helden ergeht

Angemerkt zu Diego Maradona : Wie es einem Helden ergeht

Perfekt ist ein Held im antiken Drama erst dann, wenn er am Ende scheitert und stürzt. Diego Armando Maradona ist gestürzt - sehr tief sogar.

Perfekt ist ein Held im antiken Drama erst dann, wenn er am Ende scheitert und stürzt. Diego Armando Maradona ist gestürzt – sehr tief sogar. Seine Geschichte erzählt sich so gut, weil der Spannungsbogen seines Lebens der antiken Erzählform entspricht: Aufstieg gegen größte Widerstände und das Scheitern am eigenen Selbst. Wir alle haben uns an seinem Stück ergötzt.

Dass sich der Brite Asif Kapada der Figur Maradonas angenommen hat, ist ein Glücksfall aus mehreren Gründen. Einerseits hat der Regisseur schon mit seinem Porträt von Ayrton Senna bewiesen, dass es ihm gelingt, einem Idol, von dem man alles zu wissen glaubte, eine neue, mitunter überraschende charakterliche Tiefe zu verleihen. Andererseits ist dieses Porträt Anlass zur Reflektion darüber, was wir, Fans, Zuschauer und Medien unseren Helden antun. In der Hochphase seiner Kunst sah sich Maradona einer unmenschlichen Erwartungshaltung ausgesetzt. Das Schlimmste war, dass er diese Erwartungen noch übertraf. Doch seine Taten auf dem Fußballplatz führten bei Fans und Medien eben nicht zu Respekt und Dankbarkeit dafür, Zeuge von etwas Großem zu sein. Sie führten zu noch größeren Erwartungen. Ein Kreislauf, an dem ein normaler Mensch zerbricht. So geschah es.

Hohn und Spott, die den Gescheiterten bis heute begleiten, sagen wenig darüber aus, wer Maradona ist oder einmal war. Sie sagen aber viel darüber aus, wie Menschen mit ihren Helden umgehen.

r.benden@zeitungsverlag-aachen.de

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