Aachen: Wie auf dem Tivoli aus Angsthasen plötzlich Jäger werden

Aachen: Wie auf dem Tivoli aus Angsthasen plötzlich Jäger werden

18:52 Minuten: Solange dauerte es, bevor ein Spieler am Freitagabend in der Mixedzone auftauchte. Vermutlich war das ein Stadionrekord, seitdem der Tivoli vor acht Jahren freigegeben wurde. Die müden Profis blieben noch lange auf dem Spielfeld, es gab noch etwas zu erledigen.

Die junge Mannschaft erntete minutenlang den Beifall, Lohn für harte Arbeit. Diese erste Partie gegen Borussia Mönchengladbach II endete zwar nur 1:1, aber der Stapellauf in die neue Saison endete fast unerwartet euphorisch.

Selten hat eine Aachener Mannschaft in den letzten acht Jahren so viel Energie auf den Platz gebracht wie diese „Boygroup“, die Fuat Kilic aufgestellt hatte. Arie van Lent, Trainer der jungen Fohlen, hatte durchaus mit einem aggressiven Gegner gerechnet. „Aber dann sind wir so gejagt worden, dass wir lange Zeit überhaupt keine fußballerische Lösung gefunden haben.“

Gästecoach Lent packte den Punkt gerne ein an diesem Abend, sein Team hatte erfahren, was der Aachener Anspruch in dieser Spielzeit ist: „Wir möchten für jeden Gegner extrem unangenehm sein“, stellte Torjäger Mergim Fejzullahu die Losung vor.

Noch vor einer Woche beim letzten Test gegen den FSV Frankfurt war Alemannia im „Angsthasen-Modus“ unterwegs gewesen, das zögerliche Auftreten war das Thema der Woche gewesen. Aus den Angsthasen wurden plötzlich Jäger, die versuchten, ihre Gegner häufig schon weit in deren Hälfte zu stellen. „Wir waren von der ersten Sekunde an da, haben eine überragende erste Halbzeit gespielt“, berichtete der starke David Pütz am Ende des Abends. „Wir hatten Spaß.“

Der jungen Mannschaft fehlt die Routine, sie kompensierte das Manko an diesem Spieltag mit viel Leidenschaft, sie feuerten sich gegenseitig an. „Und wir haben gespürt, welche Emotionen hier entstehen können“, sagt der Taktgeber im Mittelfeld. Dieser Abend erinnerte stimmungsmäßig in der Tat an bessere Zeiten.

Der Vortrag war durchaus kraftraubend, und wie oft lässt er sich wiederholen? „Es ist eine Frage der Trainingsdosierung und der Regeneration“, sagt der zufriedene Kilic, der am Samstagmorgen die nächste Einheit angesetzt hatte. „Bis Montag dürfen sie das Spiel genießen, dann beginnt die nächste Vorbereitung.“ Kilic begutachtete noch am Samstagnachmittag den SC Verl, der eher unverdient bei Viktoria Köln 0:1 verlor.

9100 Zuschauer waren ein unerwarteter Rahmen für diese Werbeveranstaltung. Bevor Kilic das Spiel am späten Freitagabend in einzelne Szenen zerlegte, wurde er grundsätzlich: „Ich möchte mich bei den Fans bedanken, dass sie dieser Mannschaft ihr Vertrauen geschenkt haben.“

Das ist die Aufgabenstellung für diese Saison: Das junge, preiswerte Team soll wieder Begeisterung für den Standort schüren. An diese Verantwortung hatte Kilic noch in der Kabine vor dem Spiel hingewiesen. Der erste Schritt ist getan, und vielleicht findet sich in absehbarer Zeit auch ein Hauptsponsor für die Jagdfußballer.

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