Mönchengladbach: Wächst die Favre-Elf gegen Lazio über sich hinaus?

Mönchengladbach: Wächst die Favre-Elf gegen Lazio über sich hinaus?

Alle Fans von Borussia Mönchengladbach, die sich nach der Verletzung von Miroslav Klose halbwegs beruhigt zurückgelehnt haben, werden seit Mittwoch wieder nervös auf ihren Stühlen herumrutschen.

Denn Lucien Favre beurteilt den Ersatz für den deutschen Torjäger von Lazio Rom so, als wenn sein Kollege Vladimir Petkovic lediglich den Teufel durch Beelzebub ersetzt hätte: „Sie werden sehen — Floccari!“, schnalzte Borussias Trainer fast mit der Zunge. Der 31-jährige Stürmer hat in den letzten fünf Spielen viermal getroffen — und Favre zutiefst beeindruckt.

Der Schweizer Bastler hat sich vor dem Hinspiel im 16tel-Finale der Europa League gegen den Tabellendritten der Primera Division akribisch auch durch DVD-Studium vorbereitet. Die Sequenzen von Sergio Floccari lassen Favres Augen glänzen. Ein „Best of“ Luuk de Jong könnte aber auch dem Lazio-Coach Respekt einflößen. Borussia tritt am Donnerstagabend (21.05/live auf Kabel 1) ebenfalls nicht gerade mit einer Schar der Namenlosen an.

Einer etwa heißt Alvaro Dominguez und war mit Spaniens U 21 immerhin Europameister und mit seinem Ex- Klub Atletico Madrid Gewinner des Wettbewerbs, in dem sich Gladbach nach langer Abstinenz mal wieder tummelt. „Mein Debüt war in der Champions League gegen Liverpool“, erinnert sich der 23-Jährige an diesen prägenden Moment. „International zu spielen, ist der beste Weg zu wachsen.“

Individuell und auch als Mannschaft. Und so sollte man davon ausgehen, dass die Borussia im Februar 2013 eine andere ist als im August 2012. Die Naivität ist überwunden, zu spät für die Champions League, aber noch rechtzeitig für das Überstehen der Gruppenphase in der Europa League. „Wir haben viele Fortschritte gemacht“, bekräftigt auch Lucien Favre und geht im Vergleich sogar noch weiter zurück. „Wir haben mehr Ballbesitz als vor einem Jahr“, analysiert der 55-Jährige den Unterschied zur mitunter arg glorifizierten Vorsaison, in der trotz Platz vier aber auch nicht alles optimal lief — trotz eines Marco Reus.

Der Borussen-Trainer müht sich mit dem Zwiespalt seines extrem hohen Anspruchs und dem Leistungs- und Entwicklungsvermögen seiner Mannschaft zu arrangieren. Das hört man, wenn er im Rückblick auf das 3:3 am letzten Samstag gegen Leverkusen Dinge sagt, wie: „Es ist wichtig: Die Mannschaft hat viel Charakter gezeigt. Als Trainer muss ich auch das Positive sehen.“

Und jenseits aller permanenten Nörgelei über Ballverluste und technische Defizite beeilt er sich zu beteuern: „Wir glauben an uns.“ Doch es bleiben grundlegende Probleme, die besonders gegen einen Gegner vom Kaliber Lazios auftreten können. Die Favre-Elf ist — derzeit — nicht in der Lage, das Kombinationsspiel mit den vorgeschriebenen kurzen und flachen Pässen durchzusetzen, wenn der Kontrahent ein aggressives Forechecking betreibt wie zuletzt Leverkusen. Die angeblich unnötigen Ballverluste entspringen nicht einer technischen Untalentiertheit der Borussen-Profis sondern dem Druck, der auf sie beim Spielaufbau ausgeübt wird plus einem Mangel an Anspieloptionen in der Offensive.

Auch das kann ein Zwischenstand in der Entwicklung sein, berechtigter Weise klagt Favre „viel Geduld“ mit seinem jungen Kader ein. Gerade deshalb aber benötigt man auch einen Plan B, wenn die bevorzugte und angestrebte Spielweise nicht umsetzbar ist. Die Flanke auf Luuk de Jong zum 2:1 gegen Leverkusen symbolisiert diesen Fluchtweg.

Heute kommt erschwerend dazu, dass der Modus aus Hin- und Rückspiel ein risikoarmes Vorgehen befördert. „Es ist wichtig, dass wir keinen Treffer kassieren“, sagt Oscar Wendt mit der Erfahrung von 48 Europapokal-Spielen. Das könnte dafür sprechen, dass Martin Stranzl erneut Rechtsverteidiger spielt und Rückkehrer Tony Jantschke neben Havard Nordtveit auf die Sechser-Position rückt, sollte Thorben Marx nicht fit genug für die Startelf sein. Ein Vorteil für die Kopfballhoheit, für ein gutes Offensivspiel weniger.

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke (Stranzl) , Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Marx (Jantschke) - Cigerci) Arango - Hermann, de Jong