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Aachen: Vorfreude auf die Reit-EM in Aachen wächst

Aachen : Vorfreude auf die Reit-EM in Aachen wächst

An manchen Tagen dringt dann auch schon mal ein kleines Geheimnis aus dem Bundesverteidigungsministerium, ohne dass gleich der Verfassungsschutz ein Verfahren einleiten müsste. Die Chefin der Behörde sitzt am nächsten Dienstag fest im Sattel. Ursula von der Leyen nimmt an der Eröffnungsfeier der Reit-EM in Aachen (11. - 23. August) teil.

Die ehemalige Dressurreiterin wird an einer anspruchsvollen Quadrille der deutschen Landesgestüte mit einem Hengst aus Celle mitwirken. Das Programm der Eröffnungsfeier an diesem 11. August gilt noch weitgehend als „geheime Verschlusssache“, aber von der Leyen, die sich auch für die „Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport“ engagiert, wird in Aachen aufsatteln. Das ist schon vorab durchgesickert. Die Stiftung hätte natürlich ihre helle Freude daran, was in den nächsten Tagen beim Aachen-Laurensberger-Rennverein passiert. Der hat den Zuschlag für ein Championat bekommen, das es so noch nie gegeben hat. Europas beste Reiter messen sich gleich in fünf Disziplinen — Voltigieren, Reining, Dressur, Springreiten und Fahren. Zudem sind auch die weltbesten Vielseitigkeitsreiter im Rahmenprogramm am Start. Die Elite kämpft beim Nationenpreis in Aachen schon um das Ticket für den Saisonhöhepunkt im nächsten Jahr — die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro.

Vor dem aktuellen Saisonhöhepunkt schart der Veranstalter bereits ungeduldig mit den Hufen. „Wir können es kaum erwarten“, sagt Turnierdirektor Frank Kemperman bei einer Pressekonferenz im Aachener Rathaus. Dieses Championat hat nicht nur im Vorfeld einen Bezug ins Stadtzentrum, auch während des Turniers wird das Turnier flankiert von einem großen Kulturprogramm in der Innenstadt. Die Medaillengewinner in den 13 Disziplinen kommen jeweils abends noch einmal in die Innenstadt.

Vielleicht wird dann auch Daniel Deußer auf der Bühne noch einen Blumenstrauß erhalten. Der aktuell zweitbeste Springreiter der jedenfalls hat große Pläne für diese Turnierwoche. „Cornet d‘Amour und ich fühlen uns in Aachen sehr wohl“, sagt Deußer, der beim Mini-Turnier Ende Mai nur knapp den Jackpot verpasste. „Wir sind gut in Form, rechnen uns schon etwas aus.“ Den Anspruch hat auch das Team, das in diesem Jahr die Nationalhymne noch nicht zu hören bekam. „Wir hatten kein richtig schlechtes Ergebnis, aber irgendetwas ist bislang immer schief gelaufen“, sagt Deußer. Die Mannschaft von Otto Becker geht nicht als turmhoher Favorit in das Springen, das an zweiten Tagen entschieden wird. Seit sieben Jahren wartet das Team auf einen Erfolg in Aachen. Niederländer, Belgier, Briten und Iren hat Deußer noch auf dem Zettel.

Die Springreiter bekommen erst in der zweiten Woche „ihr“ Stadion wieder, das vorher den Dressurreitern einen prächtigen Rahmen bietet. Mindestens ein Dreikampf um Europas Dressurkrone steht an. „Da muss man erst einmal auf Charlotte Dujardin schauen, sie ist zurzeit wohl die stärkste Dressurreiterin der Welt. Und auch Kristina Sprehe mit Desperados ist in Weltklasseform“, so Matthias Alexander Rath, der zum „Aufgalopp“ ebenfalls gestern nach Aachen kam. Rath hat sich im letzten Moment mit dem berühmtesten Vierbeiner der Welt für das Turnier qualifiziert. „Totilas ist gut in Form, er ist konzentiert und ehrgeizig, wird in allen drei Prüfungen starten können.“ Der Wunderhengst hat eine stattliche Verletztungsliste, aber in Aachen hat er schon für viele wunderbare Momente gesorgt. Rath und Totilas sind ein bisschen die Wundertüte in der nächsten Woche.

Noch nicht alle Disziplin-Bundestrainer haben ihre Starter abschließend nominiert. Sie müssen sich erst in den nächsten Tagen festlegen. Andere Fakten stehen: 1654 Pferde kommen ab der nächsten Woche in die Soers, 920 davon tauchen im Schauprogramm auf. Die EM in Zahlen: 475 Sportler aus 30 Nationen, 106 Stunden Sport stehen auf dem Programm, 800 Journalisten sind akkreditiert, übertragen wird weltweit. In Deutschland sind 30 Stunden vorgesehen. Das operative Budget liegt bei 24 Millionen Euro, etwa acht Millionen Euro sind in die Anlage investiert worden, knapp die Hälfte davon mit Landesmitteln. Und kein gut gehütetes Geheimnis: Karten gibt es noch für alle Wettkampftage.

Weitere Artikel und alle Programminformationen finden Sie in unserer Turnierbeilage am Samstag, 8. August