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Skandalgeschichte der Fußball-Bundesliga: Von bissigen Hunden und manipulierten Spielen

Skandalgeschichte der Fußball-Bundesliga : Von bissigen Hunden und manipulierten Spielen

Die Geschichte der Fußball-Bundesliga war immer reich an Skandalen und Skandälchen. Ein kleiner Streifzug mit vielen Aufregern – aus aktuellem Anlass.

„Skandal“, brüllte Janusz Gora in die Kamera. Immer wieder: „Skandal.“ Der robuste Abwehrspieler des SSV Ulm wollte sich an diesem 10. September 1999 nicht mehr beruhigen nach der 1:2-Niederlage gegen den FC Hansa Rostock. Schiedsrichter Herbert Fandel hatte vier seiner Kollegen und auch Trainer Martin Andermatt und Manager Erich Steer des Feldes verwiesen. „Skandal“, wütete Gora.

Die deutsche Fußball-Bundesliga ist immer ein Ort der Empörung und Erregung gewesen. In 59 Jahren sind viele Skandale und noch mehr Skandälchen entstanden. Die Geschichte ist noch lange nicht auserzählt, es gibt immer neue überraschende Wendungen. Gerade war der FC Bayern ein paar Sekunden mit zwölf Feldspielern unterwegs, was wohl kein Skandal, aber zumindest einen Protest wert ist, der nun abgelehnt wurde. Aus diesem Anlass starten wir einen anekdotischen Streifzug durch die Bundesligageschichte.

24. August 1963: Die Liga startete schon kurios an diesem Sonntagnachmittag. Der Ball rollte nicht wie geplant um 17 Uhr, sondern eine Minute früher im Bremer Weserstadion. Die Fotografen sind noch auf dem Weg hinters Tor, der einzige Kameramann ist noch nicht auf seinem Platz. Nach 37 Sekunden erzielte Dortmunds Timo Konietzka den ersten Bundesligatreffer – vor dem offiziellen Startschuss der Bundesliga. Es gibt kein einziges Bilddokument des Treffers.

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6. September 1969: Im alten Stadion Rote Erde treffen die lebhaft verfeindeten Nachbarn von Borussia Dortmund und Schalke 04 aufeinander. Nach einem Gäste-Tor strömen Hunderte Fans in der 37. Minute auf den Platz. Im Durcheinander beißt ein Schäferhund, der einem Dortmunder Ordner gehört, Schalkes Gerd Neuser in den Oberschenkel, so dass der aufgeben muss. Sein Teamkollege Friedel Rausch bekommt nach einem herzhaften Biss in den Hintern eine Tetanusspritze und hält durch bis zum Spielende. Auswechslungen waren damals noch nicht erlaubt. Nach dem Spiel muss er die nächsten zwei Wochen auf dem Bauch schlafen, erzählt Rausch. Von Dortmund erhielt er 500 Euro Schmerzensgeld und einen Blumenstrauß. Fortan bekam Rausch fast von jedem Gegenspieler zu hören: „Wuff, wuff.“ Der DFB ordnete nach dem Zwischenfall den Maulkorbzwang für die Hunde am Spielfeldrand an. Später kam übrigens heraus, dass der Schäferhund kein „offizieller“ Wachhund war, ein BVB-Fan hatte sich das Tier beim Nachbarn geliehen und sich als Ordner ausgegeben, um das Eintrittsgeld zu sparen.

Saison 1970/71: Der größte Bundesliga-Skandal: 18 Spiele waren in der Endphase der Saison 1970/71 gekauft worden, beteiligt waren über 60 Profis aus zehn Vereinen, geschmiert mit etwa einer Million Mark. Wie im Tatort wurden die Gelder bei konspirativen Treffen übergeben, in Hinterzimmern, auf Parkplätzen und Autobahn-Raststätten. Fast jedes Abstiegsduell wurde manipuliert. Tabellenschlusslicht Rot-Weiss beteiligte sich nicht am großflächigen Betrug – und stieg ab. Der DFB reagierte schnell. Die Drahtzieher Tasso Wild (Hertha BSC) und Manfred Manglitz (1. FC Köln) werden auf Lebenszeit gesperrt, Bernd Patzke (Hertha) für zehn Jahre.

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Als der Bundesligaskandal nach Jahren juristisch aufgearbeitet ist, sind 52 Spieler sowie sechs Funktionäre gesperrt. Bielefeld und Offenbach werden die Lizenzen entzogen. Erstaunlicherweise annullierte der Verband nicht die nachweislich „verkauften“ Spiele. Schalke 04 spielte in dem Schurkenstück nur eine Nebenrolle. Die Knappen hatten vor dem Spiel gegen Bielefeld einen Geldkoffer mit 40.000 Mark angenommen und verteilt. Da die Spieler die Bestechlichkeit aber dementierten, wurden Libuda, Fichtel, Fischer, Rüssmann & Co am Landgericht Essen wegen Meineids angeklagt und letztlich zu hohen Geldstrafen verurteilt. In der öffentlichen Wahrnehmung wurde so aus dem Bundesligaskandal später ein Schalke-Skandal.

10. Januar 1970: Der 18. Spieltag ist aufgerufen, aber ein XXL-Winter ist ausgebrochen. Zum ersten und bislang einzigen Mal wird ein kompletter Spieltag abgesagt. In fast allen Stadien liegen dicke Schneedecken auf den Plätzen und Tribünen, die Zufahrtswege sind vereist. Es gibt keinen Schutz vor den Schneemassen, längst nicht alle Tribünen sind überdacht. Rasenheizungen müssen noch erfunden werden. Die Klubs werden erfinderisch: In Kaiserslautern sollen US-Panzer das meterdicke Eis brechen – keine Chance. 1860 München will mit Dampfluftbeheizung die Spielfläche abtauen – keine Chance. Allein in diesem Monat müssen 23 Spiele verschoben werden – ewiger Bundesliga-Monatsrekord.

3. April 1971: Ein Tor fällt kurz vor Schluss auf dem Gladbacher Bökelberg, was niemals hätte fallen dürfen. Borussia-Stürmer Herbert Laumen rennt nach einem Angriff ins Tor. Als er sich am Netz hochzieht, knickt der linke Holzpfosten ein. „Wenig später lag ich schon wie ein Fisch im Netz“, sagt Laumen, der am Niederrhein seither nur noch „Pfostenbruch“ gerufen wird. Bremens Spieler wären zufrieden mit dem Remis beim Meister und richten den Pfosten auf – bis ihn Fans wieder umwerfen. Der Platzwart hat mit Hammer und Nägeln keinen Erfolg. Ebenfalls ohne schlägt Schiedsrichter Meuser vor, der morsche Pfosten soll in den verbleibenden Minuten von Ordnern gestützt werden. Die Partie wird abgebrochen und mit 2:0 für Werder gewertet. „Ein Bundesligaklub ist eben kein Dorfverein“, heißt es in der Begründung. Gladbachs Fans reagierten sauer: „Der DFB hat uns bestohlen, den Titel werden wir trotzdem holen“, steht auf Transparenten. So kommt es, Borussia Mönchengladbach verteidigt die Meisterschaft in der letzten Saison der Holztore.

 Nicht immer sicheren Schritts: Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder schrieb Fußballgeschichte, als er im November 1995 schon nach 32 Minuten zur Halbzeitpause bat.
Nicht immer sicheren Schritts: Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder schrieb Fußballgeschichte, als er im November 1995 schon nach 32 Minuten zur Halbzeitpause bat. Foto: imago sportfotodienst

8. November 1975: Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder pfeift erst seine dritte Partie, diesmal in Bremen, wo Hannover zu Gast ist. Vor dem Anpfiff gibt es eine Gans zum Mittagessen. Das „fette Ding“ wird mit ein wenig Alkohol bekämpft: „Ein Bier und ein Malteser zum Mittagessen, das wird doch wohl erlaubt sein“, kontert Ahlenfelder die spätere Kritik, „wir sind Männer und trinken keine Fanta.“ Das Urteilsvermögen ist dann so getrübt, dass der Spielleiter nach 32 Minuten zur Halbzeit abpfeift. Trotz diverser Biere registrierte er, wie „mein Linienrichter mit der Fahne rumfuchtelte“. Ahlenfelder versteht und lässt noch weiterspielen. Der Verband entschuldigt ihn später mit dem Hinweis, der erkältete Referee habe einen Hustensaft mit Alkohol zu sich genommen. Nach weiteren 105 Ligaspielen reichte es dann aber. Schiedsrichterobmann Johannes Malka beendete dessen Karriere mit dem Hinweis: „Wenn er seinen Spruch ‚Noch'n Korn und 'nen Ahlenfelder' immer noch zum Besten gibt, dann wissen Sie, auf welchem Gebiet er besonders stark war.“ Ahlenfelder stirbt Mitte 2014 nach schwerer Zuckerkrankheit.

27. November 1976: Bis hierhin wurden drei Spiele abgebrochen und neu angesetzt, weil sich Nebel auf dem Spielfeld ausgebreitet hatte oder weil eben das Material ermüdet war. An diesem Tag fliegen Flaschen auf dem Betzenberg, Kaiserslautern liegt 0:1 gegen Fortuna Düsseldorf zurück, der Mob tobt. Schiedsrichter Rudolf Frickel pfeift vorzeitig ab, weil er die Sicherheit der Spieler nicht mehr gewährleistet sieht. Die Partie wird mit 2:0 für Düsseldorf gewertet.

6. August 1977: Am Betzenberg in Kaiserslautern geht ein Spieler k. o. – der Täter ist der Schiedsrichter. Wilfried Burgers rammte im Tumult nach einer Elfmeterentscheidung Braunschweigs Reiner Hollmann aus Versehen den Ellenbogen an den Hals. Der muss ins Krankenhaus, die Eintracht spielt unter Protest weiter, zieht den aber später zurück.

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21. August 1982: Das bislang einzige Einwurf-Tor der Bundesliga fällt in Bremen. Werder-Stürmer Uwe Reinders wirft ein und Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff berührt bei seinem Bundesliga-Debüt den Ball noch mit den Fingern und macht den Treffer gültig.

10. August 1985: Bayerns Helmut Winklhofer schießt in Uerdingen bei einem missglückten Pressschlag ein fulminantes Eigentor aus 35 Metern. Der einzige Treffer wird zum „Tor des Monats“ gewählt. Die Plakette wird ihm bei der Weihnachtsfeier überreicht. Inzwischen nominiert die Sportschau keine Eigentore mehr.

23. April 1994: Bayern München erwartet am drittletzten Spieltag den 1. FC Nürnberg. Nach einem Eckball stochert Bayerns Nationalspieler Thomas Helmer den Ball in Richtung Gästetor. Die Kugel rollt vorbei, aber Linienrichter Jörg Jablonski erkennt aus der Ferne ein Tor. Bayern gewinnt 2:1, aber die DFB-Wächter schreiten ein. Die Partie wird wiederholt, Bayern gewinnt diesmal 5:0, der Klub steigt ab. Jablonski hängt sein Fähnchen sofort an den Nagel. Jahre später, am 18.Oktober 2013, köpft Leverkusens Stefan Kießling beim Spiel in Hoffenheim aufs Tor, der Ball landet durch ein Loch in den Maschen des Netzes. Schiedsrichter Felix Brych gibt den „Treffer“. Das Spiel endete 1:2. Hoffenheims Einspruch verpufft mit dem Hinweis „Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters“. Das Torgehäuse mitsamt seinem löchrigen Netz lässt sich seit März 2015 im Auto- und Technikmuseum Sinsheim bestaunen.

18. Mai 1996: Der FC Bayern hat vor ein paar Tagen den Uefa-Cup gewonnen. Die Meisterschaft war dagegen nicht mehr zu holen. Trainer Franz Beckenbauer übergibt entspannt das Kommando an diesem letzten Spieltag seinem Assistenten Klaus Augenthaler. Der beobachtet erzürnt, dass Aufsteiger Fortuna Düsseldorf schon zur Pause mit 2:0 führte. „Auge“ reißt der Geduldsfaden. Er beschließt, „auch anderen Spielern die Möglichkeit geben, die Promillegrenze runterzuschrauben“. Er wechselte vierfach, obwohl damals nur drei Wechsel erlaubt sind. Das Spiel endete 2:2, der Aufsteiger Düsseldorf nimmt es so hin, so dass die Partie als bislang einziges Bundesligaspiel mit insgesamt sieben Auswechslungen bis dorthin in die Geschichte einging.

11. März 1997: Schalke schlägt den MSV Duisburg mit 4:0. MSV-Abwehrspieler Stefan Emmerling gelingt unfreiwillig ein Bundesliga-Rekord, ihm unterlaufen drei Eigentore. Vorübergehend führt Emmerling mit sechs Platzverweisen auch die Liste der Rot-Sünder in der Bundesliga an. Inzwischen sind da aber Luiz Gustavo und Jens Nowotny mit acht Platzverweisen locker vorbeigezogen.

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26. September 1998: Kaiserslauterns Trainer Otto Rehhagel winkt seinen Spieler Hany Ramzy herbei. „Du musst eine Verletzung vortäuschen, wir haben gerade Mist gebaut“, sagte Rehhagel. Der Trainer des deutschen Sensationsmeisters hatte soeben mit dem Nigerianer Pascal Ojigwe einen vierten Nicht-Europäer eingewechselt hatte. Rehhagel versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Ein paar Sekunden später sinkt Ramzy ins Gras, um sich dann humpelnd auswechseln zu lassen. Sekundenlang versteckte der ägyptische Laienschauspieler seinen Grinsen unter dem Trikot. Der VfL Bochum gewinnt mit 3:2 und verzichtet auf den Protest.

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9. Oktober 2000: Leverkusens Trainer Christoph Daum kündigt an, sich einem Drogentest zu unterziehen. „Ich mache das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe“, sagt der designierte Bundestrainer. Bayern-Boss Uli Hoeneß hatte die Debatte mit zahlreichen Andeutungen befeuert. Ein paar Tage später hat das Kölner Institut für Rechtsmedizin der Universität Köln den Trainer anhand seiner Haarprobe als Kokainkonsument überführt. „Die Analyse war nicht meine beste Idee“, sagt Daum, dessen Vertrag in Leverkusen sofort aufgelöst wird, bevor er einstweilen nach Floria auswandert. Anderthalb Jahre später wird ein Verfahren gegen ihn am Landgericht Koblenz gegen die Zahlung einer Geldbuße von 10.000 Euro eingestellt. Im Endeffekt kann die Staatsanwaltschaft Daum nur zwölf Fälle des Kokainbesitzes nachweisen.

19. Mai 2001: Am letzten Spieltag gewinnt Schalke 5:3 gegen Unterhaching – und ist endlich Meister. So verbreitet es jedenfalls der Sender Sky. Im alten Parkstadion brechen alle Dämme, Fans strömen auf den Platz, das Feuerwerk setzt ein, da wird zum letzten Male die Anzeigentafel angeworfen. Gezeigt wird Traumatisches: In der Nachspielzeit gewinnt der FC Bayern beim Hamburger SV und somit seinen nächsten Titel. Schalke ist für 4:38 Minuten und länger der Meister der Herzen.

6. August 2004: Ein paar Minuten vor dem Saisonauftaktspiel gibt es einen lauten Knall, danach ist der Strom ausgefallen, die Anzeigetafel verdunkelt sich, nur ein einsamer Flutlichtmast bringt etwas Licht ins Dunkel. Der rote Teppich für die Eröffnungs-Zeremonie wird wieder eingerollt. Der Schuldige ist eine Kabelmuffe namens Carola, die heute im Werder-Museum zu besichtigen ist, die bei Bauarbeiten in Stadionnähe beschädigt wurde. Nach 20 Minuten kommen die Spieler von Bremen und Schalke 04 auf den dunklen Rasen und trainieren öffentlich vor 42.500 Zuschauern. Nach 66 Minuten im Dunklen kehrt das Licht zurück, und Bremens Nelson Valdez erzielt um 23.13 Uhr das späteste Bundesliga-Tor aller Zeiten.

 Kopf-an-Kopf-Duell an der Seitenlinie: Duisburgs Trainer Norbert Meier und Kölns Spieler Albert Streit kamen sich im Dezember 2005 sehr nahe. Zuerst ging Meier zu Boden, Streit folgte ihm nach kurzer Bedenkzeit.
Kopf-an-Kopf-Duell an der Seitenlinie: Duisburgs Trainer Norbert Meier und Kölns Spieler Albert Streit kamen sich im Dezember 2005 sehr nahe. Zuerst ging Meier zu Boden, Streit folgte ihm nach kurzer Bedenkzeit. Foto: imago images/Chai v.d. Laage/via www.imago-images.de

6. Dezember 2005: Am Spielfeldrand kommen sich Duisburgs Trainer Norbert Meier und Kölns Spieler Albert Streit sehr, sehr nahe. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Duell. Plötzlich – wie vom Blitz getroffen – geht Meier zu Boden, Streit folgt ihm nach kurzer Bedenkzeit. Der Spieler sieht die Rote Karte, der Trainer muss auf die Tribüne. Sein Verein suspendiert ihn, zudem muss er 12.500 Euro Strafe zahlen und erhält ein dreimonatiges Berufsverbot. Am Ende der Saison steigen beide Klubs ab.

15. Mai 2012: In der Bundesliga-Relegation erwartet Fortuna Düsseldorf Hertha BSC. Es geht hitzig auf dem Rasen, aber auch auf den Rängen zu. Die Partie wird mehrfach unterbrochen, nachdem Bengalos und Rauchbomben gezündet werden. Kurz vor dem Ende stürmen Hunderte Fortuna-Fans auf den Platz, sie glauben, das Spiel sei „Aus, Aus“. Sie reißen biertrinkend Rasenstücke heraus, entwenden eine Eckfahne, feiern den vermeintlich feststehenden Aufstieg. Nach langer Unterbrechung geht es weiter, Düsseldorf bringt das 2:2 ins Ziel und steigt auf, weil die protestierende Hertha sich auch vor dem Sportgericht nicht durchsetzen kann. Schiedsrichter Wolfgang Stark zeigt zudem nach einem Faustschlag Hertha-Spieler Lewan Kobiaschwili an. Der ist zwar laut seines Trainers Otto Rehhagel „der fairste Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg“. Der DFB sieht das leicht anders und sperrt ihn für siebeneinhalb Monate – auch ein Bundesliga-Rekord.

2. Januar 2017: Der Hamburger SV wirft Emir Spahic raus, der im Training Mitspieler geohrfeigt und beleidigt haben soll. Der 36-Jährige ist „vorbestraft“, beim Ex-Verein Leverkusen hatte er sich zuvor mit Leuten vom Ordnungsdienst geprügelt, was ihm eine dreimonatige Sperre eingebracht hatte. In Hamburg löst er später einvernehmlich den Vertrag auf.

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29. Februar 2020: Der FC Bayern führt 6:0 bei der TSG Hoffenheim, als im bayrischen Fanblock erneut Fan-Plakate gegen den Klub-Mäzen ausgerollt werden. „Dietmar Hopp ist ein Hurensohn“ ist da zu lesen. Im strömenden Regen stehen die Bayern-Spieler, ihr Trainer Hansi Flick und Vorstand Oliver Kahn in der Kurve, um zu erreichen, dass die Schmähschrift wieder abgehängt wird. Schiedsrichter Dingert unterbricht erneut die Partie und schickt die Teams in die Kabine. Als sie zurückkehren, gibt es einen kollektiven Nichtangriffspakt. 15 Minuten lang schieben sich die Profis den Ball zu, während Hopp und Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge demonstrativ am Spielfeldrand klatschten. „Die ganze Bundesliga, die DFL und der DFB müssen zusammenstehen und gegen diese Chaoten vorgehen“, sagte der Bayern-Boss: „Das war das hässliche Gesicht von Bayern München. Dafür gibt es keine Entschuldigung.“