Heidelberg: Raul Lozano: „Evivo Düren hat sich am besten weiterentwickelt”

Heidelberg: Raul Lozano: „Evivo Düren hat sich am besten weiterentwickelt”

Volleyball-Bundestrainer Raul Lozano hat in diesem Jahr Großes vor. Er will die Deutschen bei der Weltmeisterschaft ab dem 25. September in Italien unter die besten zehn Nationen der Welt führen. Zuvor soll Ende Mai noch die Europameisterschafts-Qualifikation glücken.

Das will Lozano mit Unterstützung aus Düren schaffen. Christian Dünnes und Felix Isaak vom Volleyball-Bundesligisten Evivo Düren zählen derzeit zum Kader der Nationalmannschaft. Im Gespräch mit Guido Jansen erklärt der Trainer aus Argentinien, warum er Top-Angreifer Christian Dünnes (25) - im Gegensatz zum vergangenen Jahr - eingeladen hat und welche Rolle der junge Felix Isaak (20) spielt.

Sie haben die Bundesliga zwei Spielzeiten beobachtet. Wie hat sich das Niveau entwickelt?

Lozano: In einigen Bereichen hat sich was getan. Düren ist stärker geworden, Haching hat sich auf einem guten Niveau etabliert, Berlin strukturiert sich neu. Friedrichshafen ist schon seit vielen Jahren vorne weg. Sie haben die beste Mannschaft und den bestorganisierten Verein. Hinter diesen vier Klubs kommen noch der TV Rottenburg und die Netzhoppers. Diese sechs Teams haben einen Vorsprung vor den anderen Mannschaften. Danach wird der Abstand groß.

Wie problematisch ist diese Kluft?

Lozano: Sehr problematisch. Die Liga muss dahinkommen, dass mehr Teams die realistische Chance haben, Friedrichshafen zu schlagen. Haching war jetzt im Finale sportlich schon nahe dran. Aber das Geschehen auf dem Spielfeld ist nicht alles. Wenn man die Finalspiele in Friedrichshafen und Haching vergleicht, dann meint man, dass man sich in unterschiedlichen Ligen befindet. In Friedrichshafen ist das Spektakel ungleich größer. Und das gehört ganz einfach dazu zu einem guten Gesamtpaket.

EM-Qualifikation, Weltliga und Weltmeisterschaft - wo liegt Ihre Priorität?

Lozano: Das wichtigste ist erst einmal die EM-Qualifikation Ende Mai. Dann kommt die Weltliga, die uns dabei helfen soll, dass wir in der bestmöglichen Verfassung bei der Weltmeisterschaft ab dem 25. September in Italien ankommen. Wir haben eine junge Mannschaft mit wenigen Spielern, die schon viel internationale Erfahrung gesammelt haben wie Jochen Schöps, Robert Kromm und Björn Andrae. Das große Ziel muss es sein, den neunten WM-Platz von vor vier Jahren zu verbessern.

Seit sieben Jahren sagen die Verantwortlichen, dass eine Weltliga-Teilnahme wichtig ist. Bei Ihnen klang das gerade anders.

Lozano: Oh doch, das ist sehr wichtig. Es geht um das Niveau. Im vergangenen Jahr haben wir die Europa-Liga gespielt und gewonnen. Die ist vom Niveau her nicht sehr weit weg von der Bundesliga. Die Weltliga dagegen schon. Da sind die Gegner einfach besser. Wir haben mit dem Favoriten Polen sowie Argentinien und Kuba eine sehr starke und ausgeglichene Gruppe erwischt. Wenn man aus der Europaliga zur Weltmeisterschaft käme, dann wäre der Niveau-Sprung zu groß. Jetzt können wir das besser schaffen.

Sie haben Evivo in der vergangenen Saison drei Mal beobachtet. Welchen Eindruck haben Sie von Düren als Volleyball-Standort?

Lozano: Düren hat sich in der vergangenen Saison am besten weiterentwickelt. Sie haben eine ganze Reihe von interessanten Spielern, die wir zur Nationalmannschaft eingeladen haben. Es ist schade, dass Jan Umlauft uns abgesagt hat. Er ist ein sehr interessanter Spieler, der aber leider aufhört und deswegen nicht zur Verfügung steht. Genauso hätte ich Alexander Mayer gerne im Training bei der Nationalmannschaft gesehen. Unglücklicherweise ist er schwer verletzt.

Warum haben Sie Christian Dünnes jetzt nominiert - im Gegensatz zum vergangenen Jahr?

Lozano: Im vergangenen Jahr in Italien war er Auswechselspieler. Außerdem hat er Mittelblock gespielt. Ich bevorzuge Spieler, die in ihren Vereinen spielen und Leistungsträger sind. Christian Dünnes ist für mich jetzt ein ganz anderer Spieler. Er war jetzt in einer sehr guten Mannschaft der beste Spieler. Und deswegen bin ich sehr froh, dass er uns ab Juni zur Verfügung steht.

Warum haben Sie den jungen Felix Isaak von Evivo eingeladen?

Lozano: Er ist jung und hat eine technisch gute Ausbildung. Körperlich ist er allerdings noch nicht da, wo er sein sollte. Aber er hat eine Chance, weil wir junge Spieler suchen. In der vergangenen Saison haben einige erfahrene Spieler auf dieser Position aufgehört. Und Felix ist einer der Kandidaten, die da nachrücken können.