Ex-Nationalmannschafts-Kapitän Björn Andrae geht zu den Powervolleys

Ex-Kapitän der Nationalmannschaft Björn Andrae: Ein Spieler aus einer großen Volleyball-Generation bei den Powervolleys

Mit Björn Andrae holen die SWD Powervolleys Düren den Ex-Kapitän der Nationalmannschaft an Bord. Der 37-Jährige wurde als Ersatz für einen verletzten Angreifer aus Kanada nachverpflichtet.

Wer fünf Jahre Sibirien überstanden hat, der kommt auch für ein paar Monate in Düren klar. Björn Andrae lacht, als er diese These hört. Der 37-Jährige ist einer der erfolgreichsten deutschen Volleyballer überhaupt, Mitglied einer Art goldenen Generation, die nur kein Gold gewonnen hat, aber immerhin zweimal bei den Olympischen Spielen dabei war. Und ab jetzt spielt er für Düren, nachverpflichtet von den Powervolleys als Ersatz für einen verletzten Angreifer aus Kanada.

„Erstens war es in Sibirien toll und nicht schlimm“, erzählt er aus seinen Jahren in der russischen Superliga, der reichsten Liga der Welt. „Zweitens kenne ich Düren schon seit vielen Jahren. Und drittens glaube ich, dass ich überall klarkomme“, sagt der Mann, der 280 Länderspiele für Deutschlands Volleyballer gespielt hat, viele davon als Kapitän, und jetzt in Düren in seine 19. Saison als Profi startet.

13. Karriere-Station

Ein Unikat ist Andrae nicht, aber ein seltener Typ. Er ist einer der ersten deutschen Volleyballer, die ihr Glück konsequent im Ausland gesucht und gefunden haben. Anfang der 2000er Jahre setzte er ganz auf die Karte Volleyball. Keine Ausbildung nebenher, kein Studium, im Gegensatz zu fast allen Gleichaltrigen. In Düren beispielsweise der damalige Abwehrchef Till Lieber, ebenfalls Jahrgang 1981. Der wurde in Düren schnell Nationalspieler.

Aber danach ging es nicht höher. Lieber ist heute Lehrer. Und Andrae einer der Letzten seiner Art. Er hat die fetten Jahren im Ausland mitgenommen und auf dem Zenit seiner Karriere für einen Volleyballer viel Geld verdient. „Die geilen Zeiten sind weg“, sagt der Neu-Dürener mit Blick auf Italien oder Russland.

Jetzt also Düren als 13. Station in seiner Karriere, die ihn neben Russland und Italien auch durch Polen und Griechenland führte. „Ich habe immer noch Lust. Und solange ich körperlich auf der Höhe bin, mache ich weiter.“ Nötig hat er das nicht. In den vergangenen beiden Jahren spielte er bei den Netzhoppers in Königs Wusterhausen. Die Nähe zu Berlin, seiner Heimat, war wichtig. Im Frühjahr gab es aber kein Angebot, die Netzhoppers wollten, hatten aber kein Geld.

Als der Dürener Spielmacher Tomas Kocian im November anrief und sagte, dass die Powervolleys einen wie ihn suchen, sei das direkt interessant gewesen. Kocian kennt er, 2016/17 haben sie in Friedrichshafen zusammen gespielt. „Schnelles Spiel, viel Risiko: Tomas und ich haben eine ähnliche Spielidee“, sagt der 37-Jährige. Düren sei einer der Klubs, die dafür gesorgt haben, dass die Liga stärker geworden sei.

„Früher gab es Berlin, Friedrichshafen und Wuppertal, die fast nur mit Vollprofis gearbeitet haben. Die anderen Mannschaften hatten Studenten“, erinnert sich Andrae an seine Anfänge bis 2003, dem Jahr, als er im Friedrichshafener Trikot zum besten Aufschlagspieler der Champions League gewählt wurde. „Das kann ich auch jetzt noch ganz gut.“ Heute gebe es wenigstens sechs Teams, die überwiegend mit Profis arbeiten.

Weniger Quantität, mehr Qualität

Die Netzhoppers gehören nicht dazu. In seinem ersten Jahr dort wurde er Anfang 2017 zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. In der vergangenen Saison lastete im Angriff noch mehr Last auf seinen Schultern. „Das wird in Düren anders. Wir haben mehr Optionen. Das kommt mir entgegen“, spricht er von weniger Quantität, aber mehr Qualität in seinen Angriffen.

Jetzt heißt es erstmal fit werden nach fünf Monaten ohne Volleyball. Sein Kraftsportprogramm habe er durchgezogen. Ein, zwei Wochen werde es dauern, bis er wieder reinkommt, und dann noch mal ein bisschen, um athletisch den Anschluss zu schaffen. „Ich habe nicht den Anspruch, nach einer Woche Stammspieler zu sein. Aber ich komme auch nicht nach Düren, um Urlaub zu machen. Das geht in Berlin besser.“

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