Vor dem Start der Play-offs: „Entscheidend ist, wer besser aufschlägt“

Vor dem Start der Play-offs : „Entscheidend ist, wer besser aufschlägt“

Der eine ist 33 Jahre alt, der andere 31. Der eine ist französischer Pokalsieger, WM-Dritter und Vize-Europameister, der andere portugiesischer, tschechischer und belgischer Meister. Die Dürener Powervolleys Michael Andrei und Sebastian Gevert sprechen über Leistungsdruck und Erfahrung.

Michael Andrei und Sebastian Gevert von den SWD Powervolleys haben viel Erfahrung, können mit Druck umgehen und fahren nicht zuletzt deshalb morgen mit viel Selbstvertrauen und Optimismus zum ersten Viertelfinal-Play-off nach Berlin. Im Gespräch mit Sandra Kinkel haben Mannschaftskapitän und Mittelblocker Michael Andrei und Diagonalangreifer Sebastian Gevert über Lampenfieber, Platz sechs vor den Play-offs und die besondere Kulisse in der Berliner Max-Schmeling-Halle gesprochen.

Wie oft haben Sie schon an Play-offs teilgenommen?

Michael Andrei: Fünfmal, das sind meine sechsten Play-offs in der deutschen Bundesliga. Aber ich habe ja auch einige Jahre im Ausland gespielt.
Sebastian Gevert: Bei mir ist es einmal weniger. Ich gehe in meine fünften Play-offs.

Gehen Sie in die Viertelfinalspiele mit einer anderen Einstellung als in normale Bundesligaspiele?

Andrei: Nein, am Ende sprechen wir immer von einem Volleyballspiel. Aber im Ernst: Die Vorbereitung auf die Play-offs ist genauso wie die Vorbereitung auf Ligaspiele. Es wäre aber auch völlig falsch, ausgerechnet vor den Play-offs mit etwas Neuem anzufangen. Eine gewisse Routine ist wichtig.
Gevert: Für mich sind die Play-offs insofern anders, als dass jetzt alle wieder bei null anfangen. Was bisher in der Liga war, ist völlig egal.

Immer wieder ist zu hören, dass die Liga in diesem Jahr so eng beieinander sei wie nie vorher. Woran liegt das?

Gevert: Viele, auch ausländische Spieler, haben die Qualität der deutschen Volleyball-Bundesliga erkannt, und sind hierhin gekommen. Die Mannschaften von Platz eins bis Platz sechs haben alle ein sehr ähnliches Niveau.
Andrei: Es gibt sehr gute Volleyballspieler, die nicht so viel Geld kosten, wie beispielsweise ein Verein wie die Berlin Recycling Volleys für seine Spieler ausgibt. Auf der anderen Seite sieht man in dieser Saison auch sehr deutlich, dass Geld nicht immer alles im Volleyball ist. Ein Spitzenspieler allein kann kein Spiel entscheiden, beim Volleyball kommt es ganz entscheidend auch auf die mannschaftliche Geschlossenheit an. Und die ist bei uns im Team richtig gut.

Wenn die Liga so ausgeglichen ist, wie ist dann der Platz sechs Ihres Teams zu bewerten?

Andrei: Natürlich wird Platz sechs nicht unserem Anspruch gerecht. Das ist doch keine Frage. Aber es gab in dieser Saison auch einige sehr unglückliche Niederlagen Aus denen haben wir aber gelernt.
Gevert: Berlin hätte genau so gut Sechster werden können und wir Dritter. Dann wäre die Viertelfinal-Begegnung die gleiche wie jetzt. Anders als früher, als für eine Mannschaft wie uns eigentlich klar war, dass sie gegen Berlin und Friedrichshafen eigentlich chancenlos ist, ist das dieses Jahr anders. Und das ist aus meiner SIcht sehr gut.

Erhöht diese Tatsache denn nicht auch den Druck, weil die Fans mindestens die Teilnahme am Halbfinale erwarten?

Andrei: Ganz ehrlich? Ich glaube, Berlin hat deutlich mehr Druck als wir.
Gevert: Ich freue mich total auf das Spiel und will es genießen. Und natürlich gewinnen, aber das ist ja selbstverständlich.

Wie können die Powervolleys Berlin schlagen?

Andrei: Es war bisher in der gesamten Saison so, dass wir gegen vermeintlich bessere Mannschaften viel erfolgreicher gespielt haben. Wir haben eine sehr erfahrene Mannschaft mit einigen älteren Spielern, die schon viele Titel in ihrer Karriere geholt haben. Die Berlin Recycling Volleys haben viele junge Spieler, das kann den Unterschied machen.
Gevert: Wichtig wird sein, dass wir in Berlin eine konstant gute Leistung zeigen. Entscheidend ist am Ende, wer besser aufschlägt.
Andrei: Das Spiel wird ein offener Schlagabtausch werden. Da werden auch Aggressivität und Körpersprache eine richtig wichtige Rolle spielen. Beides haben wir drauf.

Haben Sie Lampenfieber – vielleicht auch wegen der Kulisse in der Max-Schmeling-Halle mit mehr als 10.000 Zuschauern?

Gevert: Ich bin grundsätzlich vor den Spielen ein bisschen nervös, aber wenn ich dann auf dem Feld stehe ist die Aufregung weg, weil ich weiß, was ich kann und was ich zu tun habe. Die große Zahl an Zuschauern ist für unsere ganze Mannschaft und für mich auch Motivation pur. Viel von dem, was rund um das Spielfeld passiert, bekomme ich aber sowieso nicht mit. Ich bin zu 100 Prozent auf das Spiel fokussiert.
Andrei: Das kann man mit einem Tunnelblick vergleichen. Aber auch hier kommt uns unsere Erfahrung zugute. Die meisten unserer Spieler kennen so eine enorme Kulisse, sind daran gewohnt. Das kann auch ein Vorteil sein.

Zum Schluss noch: Das Spiel findet schon am Freitagabend statt. . .

Andrei: Ja, Gott sei Dank. Das Warten, bis es richtig los geht, ist für mich das Schlimmste. Ich würde am liebsten schon morgen spielen. So heiß bin ich.

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