Kaderplanung: Auch menschlich muss es bei den Powervolleys passen

Kaderplanung : Auch menschlich muss es bei den Powervolleys passen

Nach der Saison ist vor der Saison: Die Kaderplanungen bei den Powervolleys laufen auf Hochtouren. Schon jetzt ist sicher, dass fünf Spieler an der Rur bleiben.

Die erste Woche nach dem letzten Spiel der Saison ist für Michael Andrei (33), Mittelblocker und Kapitän der SWD Powervolleys, immer die Zeit, in der er ohne Reue alles essen darf, worauf er Lust hat und worauf er während der Saison verzichten musste. Und es ist Zeit für Gartenarbeit. „Ich hätte es nicht für möglich gehalten“, sagt er und lacht, „aber nach fünf Stunden hatte ich echt Muskelkater.“

Die Powervolleys sind im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen die Berlin Recycling Volleys ausgeschieden. Es gab noch einige offizielle Termine, beispielsweise mit Ehrenamtlern des Vereins und den Ballkindern, ab heute müssen die Spieler nicht länger in Düren bleiben, sondern können nach Hause fahren.

Bleibt Trainer Stefan Falter?

Dabei laufen hinter den Kulissen die Vorbereitungen für die neue Saison auf Hochtouren, auch wenn die Vorbereitung erst Mitte August mit dem ersten Training beginnt. Die Verhandlungen mit Trainer Stefan Falter und Co-Trainer Justin Wolf laufen, beide wollen in Düren bleiben und sind zuversichtlich, dass es sehr schnell zu einer Einigung kommt. Zumindest bei Falter sind die Verhandlungen auch schon sehr weit fortgeschritten. Michael Andrei, Tim Broshog, Sebastian Gevert und Lukas Maase werden auf jeden Fall an der Rur bleiben.

Mit Björn Andrae laufen derzeit noch Gespräche. Die Verhandlungen mit Tomáš Kocian stehen kurz vor dem Abschluss. Fest steht bereits, dass Lucas Coleman und Florian Lacassie Düren verlassen werden. „Bei Lacassie ist uns diese Entscheidung sehr schwer gefallen“, sagt Falter, „zumal es natürlich nicht nur um die technischen Fähigkeiten eines Spielers geht, sondern auch um eine menschliche Komponente. Am Ende haben wir uns nach langen Überlegungen gegen eine Vertragsverlängerung entschieden.“ Coleman muss seien Profikarriere nach seiner schweren Hüftverletzung beenden. Immerhin – fünf Spieler sind derzeit schon fix für die kommende Saison, vielleicht gelingt es sogar, sechs oder sieben  an der Rur zu halten.

Das ist vergleichsweise viel – im vergangenen Jahr gab es außer Andrei und Broshog ein komplett neues Team, das sich erst einmal finden musste. Andrei: „Wenn die Mannschaft zu größeren Teilen zusammenbleibt, ist das sicher gut für die Identifikation der Fans, einfach, weil die einige der Spieler schon kennen. Andererseits bedeutet Veränderung auch immer einen neuen Reiz, weil neue Spieler auch neue Ideen mitbringen. Eine gute Mischung ist da wichtig.“

Um neue Spieler für das Team zu finden, sichten Trainer Falter, aber vor allem auch der sportliche Leiter der Powervolleys, Goswin Caro, unzählige Videos. „Natürlich sucht man in erster Linie nach bestimmten Fähigkeiten“, sagt Falter. „Aber wichtig ist auch das Menschliche. Zum Beispiel gucke ich immer sehr genau, wie ein Spieler mit Stresssituationen umgeht, wie er sich verhält, wenn ein Fehler passiert ist und wie er während des Spiels auf seine Mitspieler zugeht.“ Entscheidend können zudem auch persönliche Kontakte sein. Falter: „Es ist immer gut, wenn Spieler sich schon aus einer früheren Mannschaft kennen. Dann bekommen wir von denen, die schon in Düren sind, Informationen, die es in keinem Video  gibt.“

„Immer miteinander“

Seit vielen Jahren verpflichten die Powervolleys regelmäßige kanadische Profisportler, seit der vergangenen Saison ist der Fokus auch wieder mehr in Richtung junge deutsche Spieler gerückt.  Rudy Schneider hat das Team zwar schnell wieder verlassen, bei Lukas Maase, der vorher in der Zweiten Liga gespielt hat, hat das aber hervorragend funktioniert.

Michael Andrei: „Das hat vor allen Dingen deswegen auch so gut funktioniert, weil Lukas, Tim und ich, also die drei Mittelblocker im Team, niemals gegeneinander, sondern immer miteinander gearbeitet haben. Lukas hat Tipps angenommen. Wir haben versucht, ihn zu unterstützen. Und wir haben immer sehr ehrlich miteinander kommuniziert.“ Stefan Falter spricht in dem Zusammenhang von einem „uneigennützigen Verhalten der Führungsspieler“. In der Mannschaft ergänzt Andrei, habe einfach eine gute Kultur geherrscht. „Das hat man immer gemerkt. Zum Beispiel auch daran, dass alle immer schon eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn in der Halle waren.“

Jungen Spielern eine Perspektive zu geben, ist auch deswegen wichtig, weil alle, die in Düren bleiben (sollen) 30 Jahre und älter sind. „Auch hier gilt, was ich schon vorhin gesagt habe“, sagt Andrei. „Wir brauchen eine gute Mischung.“

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