Düren/Bühl: Powervolleys schalten um: Raffinesse raus, Wucht rein

Düren/Bühl : Powervolleys schalten um: Raffinesse raus, Wucht rein

Im dritten Satz hat Düren die Art geändert, Volleyball zu spielen. Raffinesse raus, Wucht rein. So ist es dem Volleyball-Bundesligisten SWD powervolleys gelungen, das so wichtige Auswärtsspiel bei den Volleyball-Bison Bühl zu retten — und damit möglicherweise die ganze Saison. Mit 3:2 (25:21, 22:25, 19:25, 25:21, 17:15) hat Düren einen unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um die besten Plätze für die Play-offs geschlagen.

Die Powervolleys trotzten dabei ungewöhnlichen Voraussetzungen und haben verhindert, dass sie in der Tabelle abrutschen. Mehr noch: Sie sind wieder zurück auf Platz vier geklettert. „Wir haben es jetzt in der eigenen Hand, Platz vier zu sichern“, sagte Justin Wolff, der Co-Trainer, der in Bühl Chef war. Wolff hatte die sportliche Verantwortung alleine, weil Chef Stefan Falter die Fahrt wegen einer Grippe nicht mitgemacht hatte. Aus selbigem Grund fehlte auch der erste Zuspieler Stijn D‘Hulst. Für den Belgier rückte sein Stellvertreter nach, der Luxemburger Gilles Braas, der sein Team mit dem Selbstverständnis einer Nummer eins anführte.

Erstmals wieder eine Rolle gespielt hat Romans Sauss, der beste Dürener Punktesammler der Hinrunde, der fast die gesamte Rückrunde aufgrund einer Muskelverletzung in der Wade verpasst hatte. Für das Spiel in Bühl war der Lette wieder zu 100 Prozent fit — und dann doch nicht: Grippe-Symptome. Im dritten Satz kam er trotzdem auf das Spielfeld. Da begann Düren, die Spielweise zu ändern.

Die beiden jungen Außenangreifer Julius Firkal und Karli Allik, die zuletzt so viel spielen mussten, weil Sauss und Routinier Dirk Westphal gefehlt hatten, punkteten zu Beginn mit Raffinesse. Bälle gefühlvoll gegen den Bühler Block legen, oder knapp darüber hinweg, Angriffe mit gebremstem Schaum — damit hatten sie Erfolg, auch deshalb gewann Düren Satz eins.

Darauf stellte sich Bühl ein, verteidigte diese Bälle und schlug im Gegenangriff zu. Vor allem den Japaner Masahiro Yanagida hatten die Powervolleys zwei Sätze lang nicht im Griff. Der Angreifer ist in seiner Heimat ein Superstar, 70 aus Japan angereiste Fans zeugten davon. Und die applaudierten, weil es dem 1,86-Meter-Mann immer wieder gelang, sich selbst gegen die beiden Dürener 2,10-Meter-Riesen Michael Andrei und Marvin Prolingheuer durchzusetzen.

„Wir haben uns dann gedacht: Wir hauen jetzt einfach fest drauf. Sonst verlieren wir 1:3“, erklärte Prolingheuer den Stil-Wechsel. Für Satz drei kam der zwar zu spät, doch dann funktionierte es. Und Prolingheuer marschierte mit großem Druck vorweg. Ihm folgte der für Firkal eingewechselte Sauss. Allik blieb auf dem Feld, spielte weiter mit guter Quote im Angriff und verdiente sich Anerkennung, weil er die Dürener Annahme gegen Bühls Aufschläge stabil hielt. Zum Mann des Spiel aber wurde Prolingheuer. Der besorgte mit zwei wuchtigen Gegenangriffen die Führung zum 14:11 im vierten Satz, die sein Team nicht mehr abgab und den Tiebreak erzwang.

In dem ließen sich die Powervolleys nicht von zwei Fehlentscheidungen des Schiedsgerichts gegen sie und einem 3:6-Rückstand aus der Ruhe bringen. Tim Broshog blockte zum 12:12, Prolingheuer besorgte mit seinem Angriff die erste Führung zum 13:12. Die gab Düren nicht mehr ab, blieb geduldig — bis Prolingheuer beim 16:15 am Aufschlag stand, den Bühler Spielaufbau mit viel Druck lähmte, dann den Gegenangriff gegen den Bühler Block und von da aus ins Publikum hämmerte.

Die Powervolleys feierten, dass sie einen großen Schritt in Richtung Platz vier gemacht hatten. Der bedeutet im Viertelfinale in einem möglichen dritten Spiel Heimrecht.

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