Düren: Powervolleys haben viele Schritte in die Zukunft getan

Düren: Powervolleys haben viele Schritte in die Zukunft getan

„Wir müssen was tun.“ Das haben sie sich beim Volleyball-Bundesligisten SWD Powervolleys Düren gesagt. Gute Vorsätze also, die erst einen Wert erhalten, wenn sie in die Tat umgesetzt werden. So wie in Düren. Da hat sich vor der Saison, die am kommenden Samstag mit einem Heimspiel gegen die starken United Volleys Rhein-Main beginnt, viel geändert.

Der Trainer ist neu, ein Teil der Mannschaft ist neu, das Aussehen in der Arena Kreis Düren hat sich geändert. Und die Sponsorenlandschaft. Denn neben dem breiten Netzwerk an lokalen und regionalen Unterstützern gehört mit der Allianz jetzt einer der größten Versicherer der Welt zum finanziellen Fundament der SWD Powervolleys. „Wir haben viele Schritte in die Zukunft gemacht, weitere müssen folgen“, sagt Gesellschafter Erich Peterhoff.

Einer dieser Schritte ist das Aussehen der Halle bei Heimspielen. Ab sofort liegt der eigens ausgerollte Volleyball-Boden zu jedem Spiel. In der Vergangenheit war das nur der Fall, wenn besondere Partien anstanden und der Zeitplan es zuließ. Denn bisher hat es zwei Tage gedauert, die Bühne für Volleyball zu bereiten. „Jetzt haben wir mit unserem Aufbauteam die Abläufe optimiert“, sagt Geschäftsführer Rüdiger Hein. „Wir kriegen das innerhalb eines Tages hin, können den Boden sogar erst am Morgen des Spieltags verlegen.“

Der farblich abgehobene Volleyball-Boden lässt die vielen irritierenden Linien der anderen Sportarten verschwinden, das Spielfeld ist aufgeräumter, Sponsoren-Aufkleber kommen besser zur Geltung. „Wir schaffen das auch, weil wir sehr gut mit der Betreibergesellschaft der Arena Kreis Düren auskommen“, sagt Erich Peterhoff. In Sachen Terminplanung nehmen Dürens Volleyballer und die Chefs der Halle viel Rücksicht aufeinander.

30 Meter lang

Am Rande des Spielfelds steht ab sofort eine 30 Meter breite und 90 Zentimeter hohe LED-Bande, auf der Sponsoren sogar mit Animationen und Filmen werben können. „Das Interesse der Sponsoren daran ist groß“, berichtet Rüdiger Hein. „Jetzt muss sich kein Sponsor mehr für einen Auftritt für die ganze Saison entscheiden, sondern kann immer neue Ideen einbringen.“ Die LED-Bande füllt im Dürener Raum eine Marktlücke. Sie kann als Bande genutzt oder zu einer 27 Quadratmeter großen Wand zusammengesetzt werden. Und die SWD Powervolleys werden sie vermieten.

Über diese LED-Bande wird ein neuer Sponsor flimmern. Die Allianz hat sich entschieden, dabei zu helfen, den Bekanntheitsgrad der Dürener Volleyballer in der Region Aachen/Düren zu steigern und gleichzeitig die Nachwuchsarbeit zu fördern. „Sie hat sich für uns entschieden und zu Beginn eine Umfrage in der Region gemacht und dabei herausgefunden, dass die SWD Powervolleys sehr positiv wahrgenommen werden“, erklärt Erich Peterhoff. „Das macht uns stolz.“

Auch mit Blick auf die Mannschaften, die die Allianz bekanntermaßen unterstützt; beispielsweise den FC Bayern München. Ralph Reimesch, Direktor der Allianz Deutschland in NRW, erläutert: „Wir gehen eine Partnerschaft mit den SWD Powervolleys Düren ein — einem Verein, der traditionell für Jugendförderung und Volleyball steht und in der Region Aachen/Düren sehr stark verwurzelt ist. Mit unserer gemeinsamen Aktion der Volleyball Akademie möchten wir Kindern aus der ganzen Region den Zugang zum Sport vermitteln und Begeisterung für Volleyball wecken.“

Der große Reichtum ist deswegen bei Dürens Volleyballern nicht ausgebrochen. „Wir sind so aufgestellt, dass wir gute Planungssicherheit für die kommenden zwei Jahre haben“, sagt Rüdiger Hein. „Das ist überaus positiv zu bewerten. Aber mit den Großen der Liga aus Berlin und Friedrichshafen können wir finanziell nicht mithalten.“ Darum geht es ohnehin nicht, denn neben dem Profisport haben es sich die Allianz und die SWD Powervolleys auf die Fahnen geschrieben, die Nachwuchs- und Jugendarbeit im Raum Aachen/Düren zu fördern. Das Fundament dafür bilden die längst etablierte Volleyball-Akademie, in der auch der heutige Dürener Profi Dennis Barthel trainiert hat, und die Kooperation mit Schulen.

Obwohl Düren nicht zu den reichen Standorten in der Volleyball Bundesliga zählt, gab es in diesem Jahr eine Anerkennung, auf die die Verantwortlichen sehr stolz sind. Insgesamt vier Teams aus der Frauen- und Männer-Bundesliga haben die Lizenz für die neue Saison ohne jede Auflage erhalten. Düren ist eines davon. „Die Liga hat Vertrauen in die verantwortungsvolle Weise, wie wir wirtschaften. Da gilt unser besonderer Dank denjenigen, die die Zahlen für uns im Blick haben und einen tollen Job machen“, merkt Erich Peterhoff an.

Dass Dürens Volleyballer noch einen kleinen Rucksack an Schulden aus den Champions League-Jahren mit sich herumtragen, wird keineswegs verschwiegen. Ziel in diesem Jahr ist es, den Rucksack noch kleiner werden zu lassen. „2008 haben wir uns dazu entschieden, die Schulden in vielen kleinen Schritten innerhalb von zehn Jahren abzutragen. Da sind wir auf einem guten Weg“, sagt Rüdiger Hein. Es wäre anders gegangen, schneller.

Mehr Geld aus dem Etat in die Entschuldung, vielleicht sogar ein Abstieg - das war eine Option. „Das wollten wir nicht, weil wir unseren Unterstützern und Fans weiter ein Team präsentieren wollten, das Spaß macht“, schildert Erich Peterhoff. Oder man hätte ein Insolvenzverfahren durchlaufen, so wie das einige Bundesligisten unlängst getan haben. „Wir hielten das nicht für eine gute Lösung, unseren Schulden-Rucksack auf Kosten der Schuldner über Bord zu werfen“, erklärt Rüdiger Hein. „Unser Weg ist vielleicht anstrengender, aber wir halten ihn für den besseren.“

Was das Personal angeht, liegt ein anspruchsvolles Jahr hinter den Verantwortlichen. Der vorherige Trainer Anton Brams entschied sich aus privaten Gründen, den Trainerberuf ruhen zu lassen, die SWD Powervolleys waren früher als erwartet wieder auf Trainersuche. „Mit unserer Lösung sind wir mehr als zufrieden“, sagt der sportliche Leiter Goswin Caro. „Mit Tommi Tiilikainen haben wir einen jungen Mann gefunden, der Volleyball lebt und atmet und der trotz seiner Jugend schon große Erfolge gefeiert hat.“ Dreimal war er in seiner Heimat Finnland mit Kokkolan Tiikerit Meister, davor hat er das Team innerhalb einer Saison vom Abstiegskandidaten zur Spitzenmannschaft umgebaut.

Im besten Alter

Viele talentierte deutsche Spieler standen auf der Wunschliste — typisch Düren. Neben dem ersten Gegner Frankfurt — einem der Favoriten — hat es auch beim Rekordmeister Friedrichshafen einen Philosophiewechsel gegeben hin zu jungen deutschen Spielern. Caro und Tiilikainen entwickelten neue Ideen und sind zufrieden mit dem, was sie erreicht haben. Die SWD Powervolleys präsentieren ein Team, aus dem die meisten Spieler im besten Volleyball-Alter sind. Oder sie sind jünger. Fast alle Spieler bringen internationale Erfahrung mit und gleichzeitig den Hunger nach Erfolg.

„Wir haben eine großartige Gruppe zusammen. Alle Spieler sind heiß auf Volleyball und offen für neue Ideen — manchmal habe ich den Eindruck, dass sie am liebsten in der Arena Kreis Düren leben würden, um ständig an ihren Volleyballfähigkeiten arbeiten zu können“, sagt Tommi Tiilikainen.

Die Dürener Ziele: Die Direkt-Qualifikation für die Playoffs — also mindestens Platz sechs nach der Normalrunde — soll erreicht werden. „Und wir erwarten, dass solche Spiele wie die beiden gegen Frankfurt in der vergangenen Saison nicht mehr passieren“, sagt Erich Peterhoff. In beiden Partien erwischten die SWD Powervolleys einen gebrauchten Tag und verloren 0:3. Jetzt kommt direkt am ersten Spieltag die Gelegenheit zu zeigen, wie stark das neue Düren ist, wenn Frankfurt am nächsten Samstag zum Bundesliga-Auftakt zu Gast ist. Ein Sieg gegen einen der Mitfavoriten ist keine Pflicht, so lange der Einsatz stimmt.