Düren: Michael Andrei: „Der VfB ist für mich der Titelfavorit“

Düren: Michael Andrei: „Der VfB ist für mich der Titelfavorit“

Der Auftaktgegner hätte kaum ein schwererer sein können: Der Deutsche Meister Berlin Recycling Volleys (BVR) kommt am Samstag, dem ersten Spieltag der Volleyball-Saison, in die Arena Kreis Düren (19.30 Uhr). Dennoch ist Michael Andrei, Mittelblocker von Gastgeber SWD Powervolleys, zuversichtlich: „Wir wollen in unserem Wohnzimmer niemanden gewinnen lassen.“

Das Halbfinale ist das Ziel. Mindestens. Im Gespräch mit Franz Sistemich analysiert der 32-jährige Volleyballer die Stärkend und Schwächen der Bundesligisten von Lüneburg über Berlin bis Haching.

„Wir wollen in unserem Wohnzimmer niemanden gewinnen lassen“: Michael Andrei.

Herr Andrei, mit dem Australier Luke Reynolds haben die Berliner einen neuen Trainer, der Kader ist aber mehr oder zusammengeblieben. Ein Vorteil?

Michael Andrei: Der Meister ist natürlich auch wieder der Favorit auf den Titel. Bei der Supercup-Niederlage gegen den VfB Friedrichshafen haben die Berliner zwar noch viele Fehler gemacht, aber ihre Aufschlagstärke ist nach wie vor vorhanden. Auch verfügen sie mit Robert Kromm und Paul Caroll über ein sehr starkes Angriffsduo. Ferner haben sie eine sehr große Mannschaft. Dies könnte allerdings auch ein Nachteil sein: Kleinere Spieler sind wendiger. Die BVR verfügen über eine sehr starke Startformation, haben aber Probleme in der Annahme. Und im Zuspiel könnten sie etwas schlechter besetzt sein als vergangene Saison.

Der VfB Friedrichshafen hat das Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen Berlin verloren. Wie stehen seine Chancen, diese Spielzeit als bestes deutsches Team zu beenden?

Andrei: Der VfB befindet sich im Umbruch. Auf der Diagonalposition sehe ich ihn etwas schwächer als in der vergangenen Saison. Es bleibt auch abzuwarten, wie sich der überragende Mittelblocker Andreas Takvan auf der Position des Außenangreifers zurechtfindet. Der VfB hat zwei Mittelblocker, unter ihnen den 66-fachen deutschen Nationalspieler Philipp Collin, einen Außengreifer und den polnischen Nationalspieler Bartlomiej Bolad´z (Diagonalangriff) verpflichtet. Und natürlich gilt Simon Tischer weiter als der beste Zuspieler der Liga. Der VfB wird in dieser Saison stabiler und kompakter sein, er wird weiterhin in seinem Spiel wenig Fehler machen und kontrolliert handeln. Er ist für mich auch ein Titelfavorit.

Berlin, Friedrichshafen, Düren — drei Halbfinalkandidaten. Wer zählt denn noch zu den Teams, die in die Runde der letzten vier Mannschaften wollen?

Andrei: Auf jeden Fall die United Volleys Rhein-Main, vielleicht die SVG Lüneburg und Hypo Tirol Alpen Volleys, weniger die Volleyball Bisons aus Bühl.

Dann gehen wir sie mal der Reihe nach durch...

Andrei: Bei Frankfurt stellt sich die Frage: Wie findet sich das Team? Christian Dünnes spielt nicht mehr. Moritz Reichert und Christian Zimmermann sind weg. Dafür sind Spielmacher Patrick Steuerwald und Angreifer Sebastian Schwarz gekommen wie auch der 19-jährige Mittelblocker Tobias Krick, ein sehr großes Talent. Wenn Frankfurt zu der Stärke findet, die ich dem Team zutraue, dann ist es so stark wie Berlin.

Und Lüneburg?

Andrei: Ich bin mir sicher, dass Stefan Hübner wieder ein gutes Team aufbauen wird. Ich glaube auch, dass Nationalspieler Noah Baxpöhler, der neue Mittelblocker, besser ist als Scott Kervorken, der zum VfB wechselte. Die SVG wird wieder ein gutes Team haben, das sein Hauptaugenmerk wie bisher auf Block-Abwehr-Arbeit legen wird. Aber ob seine Qualität für das Halbfinale reichen wird?

Wie schätzen Sie die Chancen des deutsch-österreichischen Teams aus Haching und Innsbruck ein?

Andrei: Sein Etat liegt deutlich über dem unseren. Die Hypo Tirol Alpen Volleys werden also mindestens ein solides Team haben, zu dem ja auch mein letztjähriger Mannschaftskamerad Rudy Verhoeff gehört. Allerdings stammt der eine Teil der Mannschaft aus einer relativ schwachen Liga, für dessen Spieler jetzt auch weite Auswärtsfahrten anstehen. Angesichts des Etats wird Innsbruck/Haching mit dem Einzug ins Halbfinale liebäugeln.

Bühls Volleyballer laufen unter neuem Namen auf. Neuer Name, neues Glück?

Andrei: Bühl ist immer eine Wundertüte, weil die Fluktuation regelmäßig groß ist. In der vergangenen Saison ist es dem sehr dominanten Trainer nicht gelungen, aus den schwierigen Charakteren ein Team zu formen. Wenn sie eine Einheit werden, können sie Platz sechs erreichen.

Um die restlichen Plätze für die Play-off-Runden würden sich dann die Netzhoppers SoWo Königspark Königs Wusterhausen, die Bergischen Volleys aus Solingen, der TV Rottenburg und der TSV Herrsching streiten. Wer macht das Rennen?

Andrei: Es ist bewundernswert, welche Arbeit der frühere Dürener Trainer Mirko Culic bei den Netzhoppers leistet. Die darf man nicht unterschätzen. Sie spielen immer einen ordentlichen Volleyball und haben mit Björn Andrae immerhin den wertvollsten Spieler der vergangenen Saison im Kader. Rottenburg hat vergangenes Jahr noch gegen den Abstieg gespielt, außerdem Felix Isaak als Mittelblocker verloren. Der TV ist aber auch das Team mit der größten Konstanz im Kader. Es stellt sich die Frage, ob der umgeschulte Dirk Mehlberg das Liberoproblem löst. Sieben neue Spieler hat Herrsching. Es ist schwierig einzuschätzen, es lebt auf jeden Fall von seiner Heimstärke. Genauso schwierig zu beurteilen sind die Bergischen Volleys. Sie haben zumindest das Ziel formuliert, näher an das Mittelfeld heranzurücken.