Ladies in Black im Interview: „Nichts zu verlieren, alles zu gewinnen“

Ladies DeGeest und Agost vor Halbfinale : „Nichts zu verlieren, alles zu gewinnen“

Die eine kam vom Bundesliga-Konkurrenten Suhl, um sportliche Erfolge feiern zu können. Für die andere waren Europa und die Volleyball-Bundesliga absolutes Neuland. 22 Ligaspiele und drei harte Play-offs später stehen Krista DeGeest und Taylor Agost mit den Ladies in Black Aachen im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Vor der ersten Partie in Stuttgart am heutigen Donnerstag (18.30 Uhr) sprach Roman Sobierajski mit den beiden US-Amerikanerinnen.

So, nun stehen also die Halbfinals an. Wie ist die Gemütslage?

Taylor Agost: Wir sind sehr aufgeregt. Ich habe gerade mein erstes Jahr als Profi hinter mich gebracht, und es ist einfach toll, dass wir es bis ins Halbfinale geschafft haben. Ich genieße einfach jedes einzelne Spiel.

Was waren Ihre Erwartungen, als Sie zu Saisonbeginn nach Aachen kamen?

Agost: Ich hatte keine genaue Vorstellung, was ich erwarten sollte. Ich hatte die Hoffnung, vor tollen Fans auf hohem Niveau spielen zu können. Und als ich das Team kennenlernte, wusste ich, dass wir es weit bringen können.

Krista DeGeest, Sie kennen diese Drucksituationen schon?

DeGeest: Ja, aus meiner Zeit in Schweden. Und das war auch ein Grund für mich, von Suhl nach Aachen zu wechseln. Die Ladies hatten bereits in der vergangenen Saison im Halbfinale gestanden, und ich habe gewusst, dass wir das wieder schaffen können.

Hat eine von ihnen beiden erwartet, dass sie Dresden im Viertelfinale ausschalten können?

DeGeest: Das ist uns ja schon in der Hauptrunde gelungen. Wir hatten Selbstvertrauen und wussten, dass wir unser bestes Volleyball zeigen können. Also haben wir uns der Aufgabe gestellt und geschaut, was am Ende dabei he­rauskommt.

Agost: Wir wussten, dass wir es drauf haben, dass wir es schaffen können. Wir haben uns hart und intensiv vorbereitet, unser Fokus war komplett auf diese Spiele gerichtet. Wir hatten das Selbstbewusstsein zu sagen: „Das können wir schaffen.“

Sie sahen alle sehr entspannt aus beim dritten Aufeinandertreffen mit Dresden.

Agost: Wir haben gewusst, dass wir Spaß haben und uns auf unsere Fähigkeiten verlassen können.

DeGeest: Und wenn man hart im Training arbeitet, lässt es das Spiel einfacher aussehen. Wir haben uns auf dieses Spiel gefreut.

Apropos einfach: Jetzt wartet Stuttgart im Halbfinale. In der Liga konnten sie gegen diesen Gegner keinen einzigen Satz gewinnen, im Pokal gerade einmal einen. Was stimmt sie dennoch optimistisch?

DeGeest: Ja, Stuttgart ist ein sehr starker Gegner. Aber, wir spielen gerade unser bestes Volleyball. Wir werden uns so gut wie möglich vorbereiten und unser Bestes geben.

Agost: Es ist aufregend, auf einen Gegner wie Stuttgart zu treffen. Jetzt wird im Modus ‚best of five’ gespielt. Wer zuerst drei Spiele gewonnen hat, ist weiter. Wir werden unsere Chancen bekommen und sie hoffentlich auch nutzen.

Kim Renkema, die Managerin von MTV Stuttgart hat frohlockend gesagt, Aachen ist der Gegner, den wir uns gewünscht haben. Ärgert Sie das, oder ist das ein Ansporn?

DeGeest: Das hat sie wirklich gesagt? Nun gut, wir werden alles geben, um sie davon zu überzeugen, dass sie da falsch liegt. Ich mag es, der Underdog zu sein, wir haben nichts zu verlieren und alles zu gewinnen.

Agost: Diese Meinung kann sie natürlich haben. Doch wir spielen noch nicht an unserer Leistungsgrenze, wir verbessern uns jetzt noch von Spiel zu Spiel.

Die beiden Paare aus Diagonalangreiferin und Zuspielerin stehen in direkter Konkurrenz zueinander. Wie ist der Umgang miteinander innerhalb des Teams?

Agost: Maja Storck war zwischendurch verletzt, ich auch. Ich glaube, dass die Dynamik, die wir alle vier haben, ist schon etwas Besonderes, Maja und ich sind richtig gute Freundinnen, es gibt keinen Neid innerhalb der Mannschaft. Natürlich möchte jede spielen, aber egal, wer auf dem Platz steht, die anderen feuern sie an und unterstützen sie.

Das Rückspiel steht bereits am Sonntag an, dann geht es wieder nach Maaseik.

DeGeest: Das wird toll werden, unsere Fans sind einfach unglaublich und unterstützen uns, wo immer wir antreten müssen, ob in Dresden oder Maaseik. Wir hoffen darauf, dass 2000 Zuschauer kommen werden.

Agost: Und ich freue mich auch über die Deckenhöhe, das macht es für unsere  Defensive einfacher als im Hexenkessel.

Wie sieht die Unterstützung aus der Heimat aus?

DeGeest: Meine Familie und meine Freunde nutzen jede Gelegenheit, uns spielen zu sehen. Auch wenn ein Ozean dazwischenliegt, sind sie immer an meiner Seite.

Agost: Sie sind auch schon mal um drei Uhr morgens aufgestanden, um uns spielen zu sehen.

Ihre Prognose für das erste Spiel?

DeGeest: Das wird ein großer Kampf werden. Jede einzelne Spielerin wird bis zum letzten Ballwechsel alles geben, was möglich ist.

Und es ist wohl keine Qualität der Ladies, frühzeitig das Handtuch zu schmeißen?

DeGeest, Agost: Auf keinen Fall. Wenn wir etwas schlecht können, dann ist das aufgeben.

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